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Museumsführung zeigt Rolle der Frauen in der Bergbau-Ära

Museumsführung zeigt Rolle der Frauen in der Bergbau-Ära

„Gestatten: Superministerin“ heißt die deutschsprachige Führung durch das Bergarbeitermuseum in Petite Rosselle. Darin zeigt die saarländische Autorin Sabine Graf, welche mühevollen Aufgaben Bergarbeiterfrauen übernahmen, um ihren Männern den Rücken freizuhalten.

Seit 2012 gibt es im benachbarten Petite Rosselle in Lothringen das Bergarbeitermuseum "Musée les mineurs". Ergänzend zum Schaubergwerk "La Mine" kann man hier viel über die Geschichte des Bergbaus im Kohlebecken, die Geologie und die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergleute im 19. und 20. Jahrhundert erfahren. Doch was ist eigentlich mit den Frauen? Die Homburger Autorin Sabine Graf, die eine Themenführung über die Rolle der Frauen in der Stahlindustrie für die Völklinger Hütte entwickelte, bietet auch deutschsprachige Gruppenführungen durchs Kleinrosseler Bergarbeitermuseum.

Das Anliegen ist das gleiche: An zehn Stationen der Dauerausstellung will sie die Arbeitsleistung, die Frauen im und für den Bergbau erbrachten, sichtbar machen. Einige Frauen der Eisen- und Kohle-Dynastien waren sogar als Unternehmerinnen tätig, erklärt Graf. So etwa die Witwe Madame de Wendel, die 1825 ihren Mann François und 1875 ihren Sohn Charles beerbte und 1856 zuerst das Bergwerk Stiring-Wendel und dann die zugehörige Arbeiterstadt errichten ließ. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Frauen als billige, einfache Arbeitskräfte im Bergwerk über und sogar unter Tage beschäftigt, bevor Männer dem weiblichen Geschlecht für fast weitere hundert Jahre die Rolle der Mutter und Hausfrau zuschoben. Die Arbeit, die sie daheim zu verrichten hatten, war aber weit mehr als "das bisschen Haushalt", betont Sabine Graf und gab ihrer Führung den Titel "Gestatten: Superministerin".
Weibliche Stütze des Systems

Denn im Grunde sei die Bergmannsfrau zugleich Wirtschafts-, Finanz-, Innen- und Erziehungs- und Landwirtschaftsministerin der Familie gewesen, meint Graf, damit ein Bild aufgreifend, das ein Zeitzeuge einmal prägte. "Während der Mann unter Tage buchstäblich und im übertragenen Sinne für die Kohle sorgte, musste sie über Tage seine Arbeitskraft erhalten und, ohne selbst Lohn zu bekommen, für die Familie alles regeln", sagt Graf. Ohne diese weibliche Arbeitsleistung, so ihr Fazit, hätte der Bergbau gar nicht funktioniert, die Bergmannsfrau war also Stütze, war Teil des Systems. Auch in der Schwere sei die Hausarbeit der Bergmannsfrau mit der der Männer unter Tage durchaus vergleichbar. Waschen, stopfen, putzen, Gemüse anbauen, heizen, kochen, alles in Handarbeit waren tagesfüllende Tätigkeiten, was man den historischen Waschbrettern und Herden, die das Museum zeigt, nicht unbedingt ansieht.

"Die Dinge zum Sprechen bringen, die verborgene Leistung sichtbar machen", nennt Graf denn auch ihre Aufgabe. In ihrer rund einstündigen Führung erfährt man aber nicht nur viel über die Bergmannsfrauen, sondern auch über die Geschichte der Bergleute in der Region ganz allgemein. Die Themenführung von Sabine Graf ist auch für Schulklassen geeignet.

Die Führung "Gestatten: Superministerin" gibt es nur nach Anmeldung. Buchungen beim Musée les Mineurs in Petite Rosselle , E-Mail: contact@musee-les-mineurs.fr, Telefon (00 33) 3 87 87 08 54.