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Metz Kathedrale feiert 800. mit Glocke, die ihr Renaud Bartylla schenkt

Unerwartetes Geschenk für Metzer Kathedrale : Ostern soll Nummer 13 erklingen

Die Kathedrale in Metz feiert ihr 800. Jubiläum. Ihr schwerstes Geschenk ist eine neue Glocke. Ein 25-jähriger Lothringer hat sie über Umwege aufgetan.

501 Kilo bringt Paul auf die Waage. Zu schwer, um seine eigentliche Heimat in einer südfranzösischen Gemeinde zu erreichen. Doch für die Metzer ist genau das ein Glück. Hätte Paul die richtigen Dimensionen, würde seine Stimme nicht zum 800. Bestehen der Kathedrale, das in diesem Jahr gefeiert wird, vom Turm der Kathedrale ertönen. Und Kirchgänger und Flaneure könnten sich nicht am hellen Klang seines cis‘ erfreuen. Oder vielmehr ihres cis‘, denn eigentlich hat Paul ein weibliches Geschlecht, und zwar in Deutsch und in Französisch. Paul, la cloche, wird als 13. Glocke vor Ostern in den 69 Meter hohen Kapitelturm der Kathedrale Saint-Étienne hinaufgezogen. Bis dahin ist Paul im Querschiff aufgestellt.

„Wir hoffen, dass sie zum ersten Mal in der Osternacht erklingen kann“, sagt Domherr Bernard Schwarz. Dass Paul das Metzer Glockenspiel bereichert, war gar nicht geplant. „Die Glocke wurde uns als Spende vorgeschlagen, bevor die Rede davon war, dass das Jubiläum der Kathedrale gefeiert wird“, berichtet Schwarz, seit 2016 Domkapitular in Saint-Étienne. Vielmehr spielten ein Fehler und das Engagement von Renaud Bartylla zusammen: Bartylla stammt aus Lixheim in der Nähe von Sarrebourg, will Priester werden und interessiert sich – als leidenschaftlicher Organist – auch für Glocken und deren Herstellung. „Paul war in der Glockengießerei von Straßburg, wo ich einen guten Freund habe, übrig. Dort hat man sie mir geschenkt“, verkündet der 25-Jährige.

Tatsächlich ist dem Auftraggeber aus der südfranzösischen Stadt, für deren Kirche die Glocke gedacht war, ein Fehler unterlaufen, den er erst nach der Fertigstellung bemerkt hat. „Die Glocke wurde, auf Wunsch des Bestellers, in einem besonders schweren Profil gegossen“, teilt Julien Calcatera von der Glockengießerei Bollée aus Straßburg mit. Allerdings hätte die Glocke wegen ihres hohen Gewichts in ihrer ursprünglichen Gemeinde nicht installiert werden können. „Heute ist es sehr selten, dass eine Glocke nicht an ihrem Bestimmungsort aufgehängt wird“, sagt Calcatera.

Bartylla bot das 500-Kilo-Instrument dem Metzer Bischof Jean-Christophe Lagleize und dem Kaplan als Spende an. „Dass sie die Glocke des 800. Jubiläums werden würde, war eine Überraschung“, sagt er als Pate. Derzeit absolviert er im nordfranzösischen Städtchen Creil ein Praktikum in einer weiterführenden katholischen Schule, in der Hoffnung, bald ins Priesterseminar aufgenommen zu werden. „Als Kind war ich Messdiener und hätte mir ein Priesterleben nicht vorstellen können, aber später gab es in meiner Gemeinde einen Pfarrer, der für mich zu einem sehr großen Vorbild wurde“, berichtet Bartylla.

Paul wiederum hat bereits den Segen des Metzer Bischofs. Jean-Christophe Lagleize hat sie am 26. Dezember, dem Namenstag des Heiligen Stephan, dem die Kathedrale geweiht ist, eingesegnet. „Es war eine sehr schöne Zeremonie“, erinnert sich Bartylla und erklärt, „die Glocke wird mit Weihwasser besprengt und Weihrauch eingenebelt, der Bischof spricht ein Gebet und bittet den Paten, den Namen der Glocke zu nennen und sie drei Mal anzuschlagen.“

Damit Paul als sechste Glocke des nördlichen Kapitelturms Platz finden kann, wartet Domkapitular Schwarz auf eine Genehmigung aus dem Rathaus, um auf der Place Saint-Étienne einen Hebeaufzug aufzustellen. Paul soll Ende März oder Anfang April in den Turm. „Unser Vollgeläut ist mit bisher fünf Glocken nicht sehr reich“, sagt Schwarz und fügt an, „es ist ein Glücksfall, dass es anlässlich des Jubiläums mit einer weiteren Glocke erweitert wird.“ Als 13. Glocke der Kathedrale wird Paul im Kapitelturm als Leichtgewicht neben fünf anderen erklingen. Nicht aber mit den drei Glocken des zweiten Turms, dem 93 Meter hohen tour de la Mutte. „Die Mutte-Glocke kann nicht mit der schwersten Glocke des Kapitelturms schlagen“, sagt Schwarz. Die Erschütterungen könnten selbst Frankreichs dritthöchstem Kirchenschiff gefährlich sein.

Die 500-Kilo-Glocke kommt in den zweithöchsten Turm. Foto: Sophia Schülke

Die Kathedrale in Metz virtuell unter www.hdmedia.fr/visite-virtuelle/hd/cbpQepLrf-cathedrale-st-etienne-metz-lorraine.html