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Lothringer Schulen trennen Deutsch und Dialekt

Metz. In der Grenzregion Lothringen können Schüler moselfränkische Dialekte lernen. Ohne Hochdeutsch zu lernen, geht das nicht, meinen lokale Sprach- und Kulturvereine. Die Landesschulbehörde sieht das anders. Hélène Maillasson

Mehrere Vereine zur Förderung des Deutschunterrichts in Frankreich sehen die Mehrsprachigkeit im Département Moselle bedroht. Die Landesschulbehörde Rectorat hat entschieden, Hochdeutsch von der Liste der Regionalsprachen im Moselland zu streichen. Deutsch zählt in ganz Frankreich zu den gängigen Fremdsprachen, in der Grenzregion wurde es aber auch in den Kursen der Regionalsprache Moselfränkisch gelehrt.


Für Léon Dietsch, Vorsitzende des Vereins "Culture et Bilinguisme de Lorraine" ("Kultur und Zweisprachigkeit in Lothringen"), ist die strikte Trennung kontraproduktiv. "Die moselfränkischen Dialekte haben eine große historische und kulturelle Bedeutung. Es ist wichtig, sie zu erhalten. Dennoch werden sie vor allem gesprochen. Die grammatische Basis ist nach wie vor Hochdeutsch. Deshalb ist es absolut sinnlos, den Unterricht der Dialekte vom Deutschunterricht zu trennen", sagt Dietsch. Stunden, die ausschließlich auf Moselfränkisch gehalten werden, könne er sich eher im künstlerischen Bereich vorstellen, zum Beispiel Theater- oder Musikunterricht. "Die Dialekte und das Hochdeutsch ergänzen sich, sie sind untrennbar", so Dietsch. Hochdeutsch aus dem Regionalsprachen-Unterricht zu streichen, schwäche die Stellung der deutschen Sprache im französischen Schulsystem. Dabei sei sie für die grenzüberschreitende Mobilität der nächsten Generationen so wichtig. Zusammen mit vier weiteren Vereinigungen (Abifa 57, Le Comité Fédéral des associations pour la langue et la culture régionales en Alsace et en Moselle, Elsam-Gredl und Association-Lehrer) fordert Dietschs Verein, dass die Schulbehörde den Schritt rückgängig macht.

Antoine Chaleix, akademischer Direktor der Landesschulbehörde in Nancy, zeigt sich von der Kritik überrascht und stellt fest, dass dieser Schritt überfällig war: "Hochdeutsch ist de facto keine Regionalsprache, deshalb wird es in Frankreich überall gleich unterrichtet, egal ob in Saargemünd oder in der Bretagne." Das Erlernen der deutschen Sprache könne sich nicht auf den unmittelbaren Grenzraum beschränken, so wie es bei den Regionalsprachen der Fall ist. In Frankreich sind 13 Sprachen und Dialekte als "Regionalsprachen" anerkannt und werden als Wahlfächer in den Schulen unterrichtet. Angeboten werden je nach Region Ursprachen wie Bretonisch, Baskisch auf dem Festland und Kreolisch in Überseegebieten, aber auch grenzüberschreitende Mundart wie elsässische und moselfränkische Dialekte .



Eine Gefahr für den Deutschunterricht an der Grenze durch die strikte Trennung zwischen Hochdeutsch und Moselfränkisch-Unterricht sieht Chaleix keinesfalls. Im Gegenteil beobachte die Landesschulbehörde eine erfreuliche Entwicklung: "In diesem Schuljahr gibt es im Département Moselle 3000 Schüler mehr, die Deutsch lernen."