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Leck an Luxemburger Tankstelle

Die größte Tankstelle der Welt in Berchem hat ein Umweltproblem. Foto: Schleuning
Die größte Tankstelle der Welt in Berchem hat ein Umweltproblem. Foto: Schleuning FOTO: Schleuning
Berchem. Vor knapp zwei Monaten feierte die größte Tankstelle der Welt im luxemburgischen Berchem ihre Wiedereröffnung. Nun ist sie wegen einer großen Menge ausgelaufener Chemikalien in Kritik geraten. Hélène Maillasson

Rund 50 000 Liter der Harnstofflösung AdBlue sind durch ein Leck an einer Tankstelle in Luxemburg in die Umwelt gelangt. "Anfang Juli hat uns der Betreiber Shell darüber informiert", berichtete André Weidenhaupt, Regierungsberater beim luxemburgischen Umweltministerium, der SZ. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Dieselzusatz, der genutzt wird, um den Ausstoß von Stickoxiden zu reduzieren, bereits literweise aus einem AdBlue-Tank in Berchem ausgelaufen. Das Entweichen habe wohl Mitte Juni begonnen und sich bis Anfang Juli hingezogen. "Jetzt ist das Leck aber gestopft", sagte Weidenhaupt.



Doch die Lösung, die aus reinem Harnstoff und demineralisiertem Wasser besteht, ist durch die Kanalisation bis in den naheliegenden Fluss Alzette gelangt. Ein Zusammenhang mit dem Tod zahlreicher Fische zur gleichen Zeit wollte das luxemburgische Umweltministerium nicht bestätigen. "Das können wir nicht zu 100 Prozent sagen. Dafür müssen wir die Erkenntnisse der Ermittlungen abwarten", sagte Weidenhaupt. Auch wenn der Regierungsberater den Ermittlern nicht vorgreifen will, schließt er eine Verbindung zwischen der Umweltverschmutzung in der Alzette und dem Leck nicht aus: "Ammonium und Nitrite, die zwei Komponenten von AdBlue sind, sind auch als Fischgifte bekannt. Die Suche nach anderen möglichen Vergiftungsursachen hat bisher aber nichts ergeben." Der Untersuchungsbericht wird für Anfang Oktober erwartet.

Wie es zum Leck gekommen ist, sei bekannt. Details dazu wollte er aber nicht nennen. Letzte Woche wurde der Tankstellenbetreiber ins Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung einbestellt. Ministerin Carole Dieschbourg forderte, dass Shell "detaillierte Maßnahmen" umsetzt, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Außerdem muss der Betreiber seine AdBlue-Zapfsäulen überwachen und einen Bericht über die Anpassungen im Leitungssystem der Tankstelle in Berchem vorlegen. Auch der Ölkonzern sei an einer gründlichen Aufklärung interessiert. "Shell zeigt sich bisher kooperativ", heißt es aus dem Ministerium. Auch wenn dieses Leck nur in Berchem festgestellt wurde, werden jetzt alle Tankstellen überprüft, die im Großherzogtum AdBlue anbieten.