Kontrollen rund um den Straßburger Weihnachtsmarkt werden deutlich verstärkt

Kostenpflichtiger Inhalt: "Bislang nie erreichte Sicherheitsmaßnahmen" : Kontrollen rund um den Straßburger Weihnachtsmarkt werden deutlich verstärkt

Die Sicherheitsmaßnahmen beim Straßburger Weihnachtsmarkt sind in diesem Jahr nochmal drastisch verschärft – eine Lehre aus dem Attentat im vergangenen Dezember mit fünf Todesopfern.

Alain Fontanel, erster Beigeordneter der Stadt Straßburg, fasste am späten Mittwoch Nachmittag bei der Vorstellung der Sicherheitsmaßnahmen für den Straßburger Weihnachtsmarkt in das Dilemma der Sicherheitsbehörden und der Stadt zusammen: "Vor einem Jahr haben wir uns gefragt, ob so viele Maßnahmen getroffen werden müssen. Heute fragen wir uns, ob sie ausreichen." Das Attentat vom 11. Dezember vergangenen Jahres war der Grund für die veränderte Einschätzung von Präfektur und Stadt. Einige Minuten nach 20 Uhr, als die Sicherheitskontrollen an den Brückenübergängen in die Innenstadt aufgehoben worden waren, hatte Cherif Chekatt in den weihnachtlich beleuchteten Gassen und Straßen der Altstadt fünf Menschen getötet und zehn weitere verletzt.

Für die diesjährige 450. Ausgabe des Straßburger Weihnachtsmarktes vom 22. November bis 30 Dezember kündigte Jean-Luc Marx, der Präfekt für das Département Bas-Rhin, "bislang nie erreichte Sicherheitsvorkehrungen" an. Diese orientierten sich an den Maßnahmen, die nach der Wiedereröffnung des Weihnachtsmarktes im vergangenen Jahr 48 Stunden nach dem Attentat verstärkt worden waren.

Zu den einschneidendsten Maßnahmen gehört, dass während der täglichen Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes alle Tramhaltestellen innerhalb der Altstadtinsel geschlossen bleiben und von den Straßenbahnen nicht angefahren werden. Die Buslinien werden um die Insel herum umgeleitet. Das Verbot gilt auch am Wochenende.

Die Zahl der Brückenzugänge über die Ill in die Altstadt wird um drei auf 16 reduziert," um die Kontrollmaßnahmen zu konzentrieren", sagte Präfekt Marx. Um lange Schlangen und große Menschenansammlungen an diesen Kontrollpunkten zu verhindern - die Veranstalter rechnen wie in den vergangenen Jahren mit insgesamt zwei Millionen Besuchern - werden jeweils zwei Warteschlangen eingerichtet: eine für Fußgänger und Fahrradfahrer mit und eine ohne Gepäck. Privates Sicherheitspersonal wird systematisch Taschen und Gepäck kontrollieren und bei Verdacht den Körper abtasten, dafür hat die Stadt eigens 64 Personen angestellt. Wie im vergangenen Jahr werden die Zugangskontrollen jedoch nach 20 Uhr aufgehoben.

Während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes zwischen 11 und 20 Uhr ist zudem das Stadtzentrum für den Pkw- und Lkw-Verkehr gesperrt Individualverkehr, die Altstadt wird dann zu einer riesigen Fußgängerzone.

Auf den Straßen der Innenstadt herrscht während der gesamten Dauer des Weihnachtsmarktes ein absolutes Parkverbot. Lediglich Fahrzeuge mit einer Sondervignette (Lieferanten und Anwohner mit Parkausweis oder Jahreskarte) dürfen über vier Übergänge in das Stadtzentrum in die Tiefgaragen und Parkhäuser fahren und werden systematisch kontrolliert.

In der Zeit des Weihnachtsmarktes sind ferner alle öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen, Kundgebungen oder Schweigemärsche in der Innenstadt verboten.

Um die Arbeit der Polizei und Sicherheitskräfte besser koordinieren zu können, entspricht jeder der 16 Zugänge zur Altstadt einer "Polizeizone", wie Annie Bregal von der Direktion für Öffentliche Sicherheit für das Département Bas-Rhin erklärte. Jeder dieser Zone sind ein Team der Terror-Spezialeinheit und Streifenpatrouillen zugeteilt. "Wir wollen damit eine gewisse Sichtbarkeit gewährleisten, um die Bevölkerung zu beruhigen und verdächtiges Verhalten registrieren", sagte Bregal.

Polizisten in Zivil werden darüber hinaus in der Altstadt Streife laufen, und so nebenbei auch stärker ein Auge auf Taschendiebe haben. Passanten müssen damit rechnen, jederzeit im Altstadtzentrum von Polizisten kontrolliert werden zu können.

Verstärkt werden diese Sicherheitskräfte durch mehrere mobile Einheiten von Polizei und Gendarmerie, von Sprengstoffkommandos, sowie von Soldaten, die alle aus ganz Frankreich abkommandiert werden.

Zusätzlich dürfen Polizisten und Gendarmen in Zivil oder in Uniform ab Beginn des Weihnachtsmarktes am 22. November Busse und Straßenbahnen in Straßburg kostenlos benutzten, wie Alain Fontanel mitteilte und sind verpflichtet, bei Gefahr einzugreifen. Die Maßnahme werde zu nächst sechs Monate getestet und eventuell verlängert.

"Es dürfte in diesem Jahr deutlich mehr Kräfte rund um den Weihnachtsmarkt präsent sein als im vergangen Jahr", sagte Präfekt Marx, ohne allerdings eine exakte Zahl der eingesetzten Polizisten und Soldaten zu nennen. Dazu kommen noch 60 Angehörige der Police Municipale (Stadtpolizei) und die Mitarbeiter der Video-Überwachungszentrale im Rathaus der Stadt, wo die Bilder der 400 in der Stadt installierten Überwachungskameras zusammenlaufen.

Durch die Verschärfung sind die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen in diesem Jahr nach Angaben von Alain Fontanel weiter angestiegen. Der Beigeordnete wollte aber keine Summe nennen. Zur Erinnerung: 2015 betrug das Sicherheitsbudget 300 000 Euro, im vergangen Jahr mehr als eine Million Euro.

Präfekt Marx geht davon aus, das es für den Weihnachtsmarkt in Straßburg in den kommenden Jahren ähnlich strikte Sicherheitsvorkehrungen geben wird, "außer in Frankreich passiert zwei oder drei Jahre lang kein Attentat oder Attentatsversuch."

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