Klage gegen belgisches AKW?

Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD) spricht nächste Woche mit dem belgischen Innenminister über die Sicherheit des Atomkraftwerks Tihange. Eine Notwendigkeit für Gespräche mit Frankreich wegen Cattenom sieht sie aber nicht.

Am Sonntagmorgen ist der Pannenreaktor im belgischen Tihange mal wieder heruntergefahren worden. Im Maschinenraum des ersten von drei Reaktorblöcken wurde ein Leck entdeckt. Abgeschaltet wurde die Anlage aber nicht, sie produziert weiter Strom - mit gedrosselter Leistung. Seit Monaten stehen die Atomkraftwerke des Konzerns Electrabel, Doel und Tihange , das 200 Kilometer von Perl entfernt ist, in der Kritik. 2012 wurden in beiden Anlagen Tausende Haarrisse in den Reaktorblöcken gefunden. Die Anlagen wurden daraufhin vom Netz genommen. Ende vorigen Jahres wurde Tihange wieder hochgefahren, ein paar Tage später kam es zu einem Brand im nichtnuklearen Bereich. Auch der Saarbrücker Versorger Energie SaarLorLux, der nach eigenen Angaben keinen Atomstrom mehr im Energiemix anbietet, gehört mehrheitlich zur Electrabel-Firmengruppe.

Rheinland-Pfalz fordert seit langem die Abschaltung beider belgischer AKW. "Was muss noch alles passieren, damit die belgische Regierung die Schrott reaktoren endlich stilllegt?", fragt die Grünen-Landtagsabgeordnete Stephanie Nabinger (Saarburg). Nun haben sich die Landkreise Bitburg-Prüm und Vulkaneifel einer möglichen Klage der Städteregion Aachen gegen Tihange angeschlossen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD ) will sich am Montag mit dem für Reaktorsicherheit zuständigen Innenminister Belgiens, Jan Jambon, treffen und ihm die Sorgen der deutschen Bevölkerung wegen der beiden AKWs schildern. Aus deutscher Sicht sei fraglich, inwieweit die Sicherheit der Anlagen "mit grundlegenden Anforderungen an die Sicherheit von Atomkraftwerken vereinbar ist", sagte eine Ministeriumssprecherin dem "Trierischen Volksfreund". Man nutze "alle Möglichkeiten", um der belgischen Regierung "unsere atomkritische Haltung zu vermitteln".

Ein ähnliches Gespräch mit Vertretern Frankreichs über das AKW im lothringischen Cattenom soll es aber nicht geben. Die Sicherheit Cattenoms werde in der deutsch-französischen Kommission für Fragen der Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen debattiert, so die Ministeriumssprecherin. Zudem seien für Cattenom keine derartig "sicherheitsrelevanten Befunde" bekannt wie für Tihange und Doel.