„Kinder haben weniger Hemmungen“

Forbach · Zum vierten Mal gibt es das grenzüberschreitende Kindertheater-Festival Loostik. Am Dienstag war Eröffnung im Forbacher Carreau, es finden aber auch Aufführungen in Saarbrücken statt. SZ-Redakteurin Susanne Brenner hat mit Festial-Leiterin Martha Kaiser über ihr Programm gesprochen.

 Mit dem Stück „Cinématique“ eröffnete am Dienstagabend das Kindertheaterfestival Loostik im Forbacher Le Carreau. Foto: Oliver Dietze

Mit dem Stück „Cinématique“ eröffnete am Dienstagabend das Kindertheaterfestival Loostik im Forbacher Le Carreau. Foto: Oliver Dietze

Foto: Oliver Dietze

Das Programm von Loostik wird immer vielfältiger. Wächst da ganz allmählich eine Art Perspectives-Festival für die Kleinen heran?

Martha Kaiser: Loostik ist allen Richtungen der Bühnenkunst aufgeschlossen. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich entstehen im Kinder- und Jugendtheaterbereich gerade viele neue spannende Formen. Dieses spiegelt sich in der Programmgestaltung wider. Die jungen Zuschauer von Loostik sind die zukünftigen Zuschauer von Perspectives, vom Theater Le Carreau und von anderen Kultureinrichtungen der Grenzregion.

Was für ein Festival soll Loostik sein? Welchen Stil, welche Atmosphäre streben Sie mit der Auswahl der Gruppen an?

Martha Kaiser: Loostik ist momentan vor allem ein Festival für Kinder und Jugendliche, die im schulischen Rahmen zu uns kommen. Wir möchten, dass es aber auch ein Festival für die ganze Familie wird. Loostik soll ein generationenübergreifendes Festival sein. Wir möchten zeigen, dass Theater für junges Publikum Erwachsenen genauso viel Spaß wie den Kindern machen kann.

Kann man sagen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Theater für Kinder in Frankreich und Deutschland? Gibt es unterschiedliche Herangehensweisen und Sehgewohnheiten?

Martha Kaiser: Das ist schwierig zu beantworten, da in beiden Ländern in diesem Bereich momentan sehr viel passiert. In Frankreich gibt es zum Beispiel seit ein paar Jahren ein sehr interessantes Angebot für die ganz Kleinen, was in Deutschland gerade erst entsteht. Die freie Szene im Bereich Kinder- und Jugendtheater ist in Frankreich viel größer, was mit den unterschiedlichen Theatersystemen zusammen hängt. Dafür gibt es in Deutschland ein paar freie Gruppen, die sehr innovativ sind.

Sie bieten Gastspiele sowohl in Forbach als auch in Saarbrücken. Was zeigt die Erfahrung: Wechselt das Publikum, ähnlich wie bei Perspectives, die Grenze, oder bleiben die Eltern mit ihren Kindern doch eher jeweils vor Ort?

Martha Kaiser: Im schulischen Rahmen wechselt das Publikum die Grenze. Was die Familien bzw. die Angebote am Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien betrifft, werden wir erst in diesem Jahr mehr Erfahrungen sammeln, da wir diese Angebote für die 4. Ausgabe erhöht haben. Noch ist es nicht selbstverständlich.

Die stärkste Grenze an unserer Grenze ist immer noch die Sprache. Wie umgehen Sie diese Barriere? Kinder sind ja nur in Ausnahmefällen zweisprachig.

Martha Kaiser: Die Fremdsprache wird von Kindern weniger als Hindernis wahrgenommen, als es oft der Fall für Erwachsene ist. Die Kinder haben weniger Hemmungen. Verstehen ist nicht alles. Es geht auch darum, die andere Sprache zu hören, auch wenn man sie nicht beherrscht.

Sie arbeiten mit Kindergärten und Grundschulen zusammen. Wo fällt das leichter, wo mobilisieren Sie die Lehrer oder Betreuer eher? Gibt es da Unterschiede in der Tradition?

Martha Kaiser: Wir haben keine großen Unterschiede festgestellt, es hängt jeweils von unserem Angebot ab. Manchmal ist es doch einfacher, die Kindergärten zu mobilisieren, da sie weniger an feste Uhrzeiten gebunden sind und es auch weniger Angebote für diese Altersklasse gibt.

Ketzerische Frage: Wir haben in Saarbrücken das Theater Überzwerg , das Kleine Theater im Rathaus und jeden Sonntag Theater für Kinder im Schlosskeller. Ist Loostik da wirklich nötig?

Martha Kaiser: Jeder dieser Orte bietet ein bestimmtes Programm, und Loostik zeigt ergänzend Formen der Bühnenkunst, die anderswo in der Region nicht angeboten werden. Wir sind viel unterwegs, um Stücke zu sichten, um das für uns Relevanteste hierher zu holen. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz sondern als potenzielle Partner, wie es etwa beim Theater Überzwerg schon der Fall ist.

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Tanzpaar wirbelt durch ein virtuelles Bühnenbild


Ein junges Mädchen und ein jun- ger Mann tanzten im Stück "Cinématique" durch künstliche Traumwelten. Sie schienen übers Wasser zu schweben und hüpften ausgelassen durch ein vom Computer erzeugtes Sta- laktitengewirr. Doch wer weit vorn saß, sah davon zu wenig.

Zu einer traumhaften Reise durch digitale Welten lud das Festival Loostik am Dienstag für seinen Eröffnungsabend ins Forbacher Le Carreau-Theaterhaus ein. Ein junges Mädchen und einen jungen Mann schickte die Compagnie Adrien M & Claire B auf die Bühne. Bereits am Nachmittag hatten Pressefrau Marion Touze zufolge rund 350 junge Zuschauer von beiden Seiten der Grenze das Spektakel erlebt.

Genau das ist das Anliegen dieses Festivals: Es will Deutsche und Franzosen gemeinsam erreichen. Seine Paten sind Kultusminister Ulrich Commerçon und die französische Generalkonsulin Catherine Robinet, die am Abend zu den Begrüßungsrednern gehörten.

Schon einmal hatte diese Compagnie am selben Ort das Publikum bezaubert, und zwar mit "Pixel", temperamentvollem Tanz vor sich ständig wandelnder Kulisse aus Gitternetzen, die nur aus Computern stammten.

In dieser Produktion nun, "Cinématique" fürs junge Publikum, kamen sie etwas verträumter, märchenhafter daher und mit Jonglage. Die Promis und die anderen Zuschauer in den ersten Reihen hatten das Nachsehen. Gerade am Anfang tanzte das Paar auf Projektionen. Den Boden aber konnte man nur von den höheren Rängen sehen. Die Wasserflächen etwa, auf denen das Paar abwechselnd tänzelte, wobei immer einer auf einem Riesentablet malend die Fläche für den anderen veränderte. Später griffen große weiße Gitternetze auf die Rückwand über. Wie durch eine endlose Höhle mit Stalaktiten hüpfte das Paar durch diese virtuelle Ferne. Wer bewegt hier wen? Das war auch die Frage, wenn die beiden projizierte Buchstaben mit Taschenlampen wie Sternennebel dirigierten. Viel Applaus gab es am Ende.

Heute kommt das Loostik nach Saarbrücken: mit "Sous un ciel bleu sans nuage" um 9.30 Uhr, 11.30 Uhr und 18. 30 Uhr und am Samstag, 10.30 Uhr, in die Stadtbibliothek. Von 10.30 Uhr bis 19 Uhr gibt es am Samstag und Sonntag Programm im Theater im Viertel. Am Sonntag, 15 Uhr, läuft ein Pumuckl-Film im Kino Achteinhalb .

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