Industriegebiet Warndt-Park in Creutzwald wirbt um deutsche Unternehmen

Kostenpflichtiger Inhalt: Warndt-Park in Creutzwald : Neues Industriegebiet vor grüner Kulisse

Im grenznahen Creutzwald entsteht der Warndt Park. Die französischen Wirtschaftsförderer hoffen auch auf deutsche Ansiedlungen.

Am Lisdorfer Berg fahren die Bagger ein und aus. Es wird fleißig gebaut, zum Beispiel am Produktionswerk des Küchenriesens Nobilia. Das Gelände ist bei Unternehmen begehrt, doch ob es nun erweitert wird, hängt von den Erkenntnissen eines Gutachtens ab, das feststellen soll, welche Auswirkungen die Kaltluftströme vom Lisdorfer Berg für die Stadt Saarlouis haben werden. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2020 vorliegen. Keine zehn Kilometer davon entfernt sind die Baustellen bescheidener. Direkt an der Grenze zu Deutschland entsteht im lothringischen Creutzwald ein neues Industriegebiet: der Warndt Park. Ins Leben gerufen wurde das Projekt durch den Gemeindeverband, dem Creutzwald und weitere vier kleine Kommunen angehören. „Wir wollen ein neues Konzept mit einem Gelände, das sich verschiedene Gruppen teilen. Klein- und Mittelbetriebe sowie Handwerker sollen sich im Warndt Park niederlassen, aber ein Teil der Fläche soll auch bewohnt werden“, erklären Marc Nadler und Michael Fuchs von der Wirtschaftsförderung des Gemeindeverbandes. 29,6 Hektar wurden für die Betriebe erschlossen, darunter eine 16 Hektar große Parzelle für ein größeres Unternehmen. „Die kleineren und mittleren Parzellen werden auf Anfrage der Kunden zugeschnitten“, so Nadler. Unter den Interessenten sind unter anderem ein Unternehmen für personennahe Dienstleistungen, ein Heizungsbetrieb sowie eine Brauerei. Dazu kommen 4000 Quadratmeter Fläche für Handwerker und Geschäfte.

Der Warndt Park ist nicht das erste Industriegebiet in Creutzwald. Als dort die letzte Grube 2004 schloss, stellte die Stadt bereits freie Flächen für die ersten Unternehmen zur Verfügung. Die Grenznähe war von Anfang an ein Argument für zahlreiche Ansiedlungen. Nach Angaben des Gemeindeverbandes arbeiten heute rund 6000 Menschen in den fünf bereits vorhandenen Industriegebieten. Vom großen Supermarkt über Zulieferer der Autoindustrie bis zum Spielwarenhersteller sind unterschiedliche Branchen vertreten. Und so soll es auch beim aktuellen Projekt Warndt Park werden. „Ein vielfältiger Mix ist uns wichtig, es soll lediglich keine Schwerindustrie dazu kommen“, beschreibt Fuchs die Pläne. Denn neben Industrie und Geschäfte sollen dort auch Menschen leben. „Das ist das Besondere am Warndt Park. In der sogenannten Waldstadt befinden sich zwei Wohngebiete auf etwa vier Hektar Gesamtfläche“, sagt Fuchs weiter. Der Name Waldstadt kommt nicht von ungefähr, denn fast die Hälfte des 91 Hektar großen Warndt Parks wird nach wie vor Wald bleiben. Zwei Hektar sollen für Freizeitaktivitäten wie einen Hochseilgarten genutzt werden, der Rest soll aber intakt bleiben. Dadurch sei der Warndt Park auch als Wohnort attraktiv geworden, meinen die Wirtschaftsförderer. „Die Idee, sein Haus in einer Industriezone zu bauen, ist neuartig. Deshalb wussten wir am Anfang nicht, wie das Angebot ankommen würde“, erklärt Marc Nadler. Doch der Ansatz scheint zu gefallen. Der erste Teil der „Wohnstadt“ wurde bereits komplett verkauft.

Auch im gewerblichen Teil der Parks hat der Bau des ersten Gebäudes begonnen. Es handelt sich um ein Gründerzentrum des Gemeindeverbandes. Dort soll Start-ups der Einstieg in die Geschäftswelt erleichtert werden. Doch der Gemeindeverband will ebenso größeren Unternehmen bei ihrer Ansiedlung in Creutzwald behilflich sein, auch aus Deutschland. „Wir begleiten die Interessenten in jeder Etappe ihres Projektes, helfen bei der Personalsuche. Für deutsche Firmen können wir auch deutschsprachige Dienstleister wie Juristen oder Steuerberater vermitteln. Es ist alles vor Ort“, sagt Fuchs. Und wirbt auch mit weiteren Argumenten für den Standort: die gute Autobahn-Anbindung, der Breitband-Glasfaserzugang, eine vergünstigte Stromrechnung. Denn die Unternehmen können die von ihnen erzeugte Wärme in das Fernwärmenetz zurückspeisen.

Im Warndt Park gibt es Platz für Betriebe, Wohnhäuser und den Wald. Foto: Wirtschaftsförderung Creutzwald

Und wie steht das Verhältnis zum großen Nachbarn am Lisdorfer Berg, wenn in Creutzwald um deutsche Unternehmen geworben wird? Auf französischer Seite gibt man sich diplomatisch. „Wir kennen die Kollegen von der Wirtschaftsförderung in Saarlouis, wir arbeiten auch zusammen“, sagt Nadler. Eine Konkurrenz-Situation bleibt das trotzdem, denn solange über die Erweiterung am Lisdorfer Berg nichts entschieden ist, könnten sich Unternehmen, die von der Grenzlage profitieren wollen, für Creutzwald als Alternative entscheiden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung