Geldregen aus dem Wüstenstaat

Aus einem der ärmsten Länder der Welt fließt ab jetzt Geld in die französische erste Fußball-Liga. Dass die Trikot-Werbung beim FC Metz dafür sorgen soll, mehr Touristen in den Tschad zu locken, stößt international auf Unverständnis.

Sportlich sieht es für die Kicker des FC Metz gut aus. In dieser Saison spielen sie als Aufsteiger wieder in der "Ligue 1", belegen nach drei Spieltagen einen respektablen siebten Platz. Doch wegen seines neuen Hauptsponsors aus Afrika gerät der Traditionsverein, bei dem einst ein Franck Ribéry kickte, zunehmend in die Kritik. Drei Jahre lang sollen die Lothringer Spieler Trikots mit der Aufschrift "Tchad Oasis du Sahel" (deutsch: "Tschad Oase der Sahelzone) tragen und so für das afrikanische Land als Tourismusziel werben. Im Gegenzug soll der FC Metz hohe Geldsummen aus N'Djamena bekommen. Zahlen wollte der Verein weder bei der Präsentation der Trikots Ende August noch gestern auf SZ-Anfrage nennen. Es kursieren Summen zwischen zwei und zwölf Millionen Euro für einen Drei-Jahres-Vertrag.

Dass dieses Sponsoring eine Welle der Empörung auslöst, ist verständlich. Die Uno führt den Wüstenstaat Tschad als das viertärmste Land der Welt auf. Laut der Weltbank betrug 2014 dort die Lebenserwartung gerade mal 51 Jahre. Sollte also nicht besser in den Zugang zu sauberem Trinkwasser oder in die Gesundheitsversorgung investiert werden, fragten sich nicht nur viele tschadischen sondern auch internationale Medien nach der Bekanntgabe des Geschäfts Metz-Tschad. Um der Polemik entgegenzuwirken, trat nun Sportminister Betel Miarom in einem Video auf, in dem er widersprach, dass öffentliche Gelder geflossen seien. "Nie hat der Tschad einen Vertrag mit dem FC Metz unterschrieben, um den Club mit acht Milliarden CFA-Francs (rund zwölf Millionen Euro) zu finanzieren", sagte Miarom. "Wir würden nie Aktivitäten vorantreiben, die dem Gemeinwohl der Bevölkerung entgegenstehen", so der Minister weiter. Vielmehr sei der Vertrag zwischen dem Erstligisten und dem Unternehmenskonsortium LC2 International zustande gekommen. "Wir hoffen, dass dies über den Fußball hinausgehen wird und unsere wirtschaftlichen Beziehungen stärken wird", sagte der Sportminister. Dass LC2 der Vertragsunterzeichner ist, bestätigte auch der FC Metz . Bei der Vorstellung der neuen Trikots im heimischen Stadium St. Symphorien war dennoch nicht nur Sportminister Miarom anwesend, sondern auch sein Kollege Kosnadji Merci, Minister für Bergbau und Geologie. Also gleich zwei Vertreter der Regierung, die der Präsentation eines Vertrags zwischen einem Privatunternehmen und einem Sportverein beiwohnten.

Welche Verflechtungen zwischen der Gruppe LC2 und der tschadischen Regierung existieren, ist allerdings unklar. Denn mit diesem Sponsoring soll nicht nur das Image des Landes als potenzieller wirtschaftlicher Partner aufpoliert werden - wofür es sich für private Unternehmen zu investieren lohnt. Ein erkärtes Ziel dieser Kampagne ist auch für den Tschad als Tourismusziel die Werbetrommel zu rühren. Steckt also auf Umwege doch staatliches Geld in der Ausstattung der Metzer Kicker?

Ob sich der Tourismus durch diese Werbemaßnahme ankurbeln lässt, ist ohnehin mehr als fraglich. Auf seiner Internetseite warnt das französische Außenministerium vor der Sicherheitslage im Tschad. Reisenden wird dringend geraten, wegen Angriffen der Terror-Miliz Boko Haram die Region um den Tschad-See zu meiden. "Auch die Hauptstadt N'Djamena wurde bereits Ziel von terroristischen Anschlägen (Juni und Juli 2015). Es wird immer noch dringend abgeraten, sich in Orten mit vielen Menschen wie Märkten oder Busbahnhöfen aufzuhalten", warnt die Regierung in Paris.