Gab's in Behren bessere Zeiten?

Behren bei Forbach kommt wegen grassierender Kriminalität nicht aus den Schlagzeilen. Deshalb würden viele in der Siedlung die Zeit gern zurückdrehen. Davor kann Videokünstler Jonathan Rescigno nur warnen.

"Früher war alles besser." Diesen Spruch hat Frédéric Simon im vorigen Jahr sehr oft gehört. Der Direktor des Forbacher Le Carreau und sein Team waren 2014 im Nachbarort Behren unterwegs und unterhielten sich mit dessen Bewohnern. Das war Bestandteil eines staatlich geförderten Projekts. In dem von einer riesigen Plattenbausiedlung dominierten Ort sollte das Carreau den sozialen Zusammenhalt untersuchen und mit Aktionen wieder stärken. Denn mit dem Niedergang des Bergbaus und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit hatte man diesen Zusammenhalt dort immer mehr verloren.

Mit Einbrüchen, Prügeleien, brennenden Autos sorgt Behren heute oft für Schlagzeilen. "Doch waren die 1970er- und 80er-Jahre, denen die Behrener so nachtrauern, wirklich so golden?", fragte sich Simon.

Er engagierte den jungen Videokünstler Jonathan Rescigno und bat ihn, dieser Frage mit einem künstlerischen Dokumentarfilm nachzugehen. Gleichzeitig sollte er in Workshops interessierte Behrener jeglichen Alters in die Arbeit mit Video einführen.

Rescigno stammt zwar aus Forbach und lebt seit einigen Jahren in Berlin-Friedrichshain, doch er kennt Behren wie seine Westentasche. "Da meine Mutter berufstätig war, war ich viel bei meiner Behrener Großmutter, und die wohnt da noch", erzählt der 32-Jährige, der in Metz und Straßburg Film studierte. Schon seit Längerem beschäftigt er sich mit den Veränderungen an den Orten seiner Kindheit und Jugend und verfolgt sie mit der Kamera. In seiner Videoarbeit "Avec vue sur la mer" spürte Rescigno etwa dem Verschwinden eines Behrener Wohnturms nach, der 2011 dem großen Sanierungsprogramm zum Opfer fiel. Für seinen aktuellen Behren-Film "Etat des lieux", (zu Deutsch sinngemäß: Der Stand der Dinge) sprach Rescigno mit vielen Behrenern, vor allem mit Jugendlichen. Er fragte, wo sie der Schuh drückt und wie sie ihr Viertel sehen. "Sie fühlen sich stigmatisiert und im Stich gelassen", fand er heraus. Sie hätten gern Treffpunkte, Räume, in denen sie sich ausdrücken, Projekte machen können. Aber sie möchten dabei mitbestimmen können und nicht fertige Angebote vorgesetzt bekommen, erklärt Rescigno.

Die Behrener Rap-Gruppe Artisanal-Music wiederum klagte, die Medien kämen nur angerannt, wenn ein Auto brenne. Aber dass sie mit ihren Musik-Clips bei Youtube drei Millionen Klicks erreichen, werde ignoriert.

Eine Fernsehreportage über Behren in den 1980er-Jahren, die Rescigno vorab in Archiven aufgespürt hatte, offenbarte: "Schon damals gab es Probleme, schon damals hatte Behren einen schlechten Ruf. Nur deshalb hatte das Fernsehen eine Reportage gemacht."

Rescigno fand einige Jugendliche von damals, die in der Reportage zu Wort kamen, und stellte sie erneut vor die Kamera. In seinem Film mischt er Aufnahmen, Aussagen und Geschichten von damals und heute. "Es ist aber kein Dokumentarfilm, eher Videokunst , die sehr persönlich von Behren erzählt", sagt Rescigno über das Ergebnis. Auch seine Oma kommt darin vor. Die musste übrigens ihren Enkel, sobald er alt genug war, um allein in Kinos und Cafés zu gehen, weitgehend entbehren. Denn den zog es in der Freizeit eher in die größere Nachbarstadt. Rescigno, lachend: "Ja, ich habe meine ganze Jugend in Saarbrücken verbracht."

Filmpremiere: Donnerstag, 25. Juni, 19.30 Uhr, Maison des Associations, 1 Boulevard Charlemagne, Behren-lès-Forbach.