Frankreich schließt 2020 Atomkraftwerk in Fessenheim

Kostenpflichtiger Inhalt: Stilllegung für AKW im Elsass beantragt : Im Sommer ist in Fessenheim Schluss

Der Betreiber EdF hat die Stilllegung für das Atomkraftwerk im Elsass beantragt. Dafür soll der Konzern eine hohe Entschädigung bekommen.

Schließt es, schließt es nicht? Dieses Jahr, nächstes Jahr, irgendwann oder doch nicht? Im Pokerspiel um das elsässische Atomkraftwerk (AKW) Fessenheim, das seit Jahren die französische Bevölkerung entzweit und zuletzt auch die Gerichte beschäftigte, ist jetzt das letzte Wort gesprochen worden. Der Betreiber EdF hat nun den Antrag für die Stilllegung beider Reaktoren bei der französischen Atomaufsicht eingereicht. Mit diesem Schritt ist die Schließung rechtlich bindend. Demnach soll Block 1 am 22. Februar nächsten Jahres endgültig vom Netz gehen. Am 30. Juni soll dann Block 2 folgen.

Lange war über die Schließung des grenznahen Kernkraftwerks spekuliert worden. Bereits 2016 hatte der damalige Präsident François Hollande angekündigt, die Anlage bis Ende seiner Amtszeit dichtmachen zu wollen. Daraus wurde aber nichts. Und so war das elsässische AKW wieder Thema im nächsten Wahlkampf um den Élysée-Palast. Vor einem Jahr hat Präsident Emmanuel Macron dann gesagt, die Schließung Fessenheims 2020 umsetzen zu wollen – allerdings ohne einen konkreten Termin zu nennen. Hinter den Kulissen wurde zwischen dem Staat und der EdF über die Höhe der Entschädigungszahlung verhandelt, die EdF für die vorzeitige Abschaltung seines Meilers bekommen sollte. Nun haben sich beide Partien wohl geeinigt. In den vier Jahren nach der Schließung soll der französische Staat rund 400 Millionen Euro an die EdF zahlen. Damit sollen unter anderem die Kosten für den Abriss der Anlage wie für die Umschulung des Personals beglichen werden. Rund 700 Mitarbeiter von EdF sowie fast 200 Beschäftigte von Zulieferunternehmen arbeiten im Kernkraftwerk.

Aus Sorge um diese Arbeitsplätze hatten sich Lokalpolitiker jahrelang gegen die Schließung gewehrt. Außerdem brachte das Werk seit der Inbetriebnahme 1977 jedes Jahr hohe Steuereinnahmen für die umliegenden Gemeinden. Doch insgesamt wurde sogar im atomfreundlichen Frankreich die Nutzung des elsässischen AKW immer umstrittener. Die Anlage am Rhein ist das älteste Kernkraftwerk des Landes und seit über 40 Jahren in Betrieb. In den vergangenen Jahren war es dort immer wieder zu Pannen gekommen, zuletzt bei den Dampfgeneratoren. Außerdem zweifeln Kritiker und Umweltorganisationen an dem Standort. Sie sehen in der Lage am Rheingraben ein erhöhtes Erdbebenrisiko.

Auch aus Deutschland hatten Politiker seit Jahren die Stilllegung der grenznahen Anlage verlangt – ohne Erfolg. Umso erfreuter reagieren sie nun auf die Ankündigung durch die EdF. „Mit dieser Terminankündigung hat die französische Regierung deutlich gemacht, dass es ihr mit der Abschaltung des Kernkraftwerks ernst ist“, sagte Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Auch die Grünen atmen auf. „Die Stilllegung der mittlerweile gut 40 Jahre alten Reaktorblöcke wurde immer wieder hinausgeschoben. Dabei ist das Atomkraftwerk technisch veraltet und die Gefahr einer nuklearen Katastrophe für die Region auf beiden Seiten des Rheins ständig gegeben“, teilte die Grünen-Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich mit. Die Nachricht der endgültigen Schließung sei daher eine Erleichterung.