Armistice am 11. November Feiertag in Frankreich: Auf den Spuren des Ersten Weltkriegs

Update | Thionville/Verdun · Martinstag, Karnevalsbeginn und Kriegsgedenken: Im saarländischen-mosellanischen Grenzgebiet prallen an diesem Samstag, 11. November, wieder drei Feier- und Aktionstage aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Menschen erwarten vollere Innenstädte und offene Unesco-Welterbe-Stätten.

Alte deutsche Festung Guentringen bei Thionville am 11. November geöffnet
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Alte deutsche Festung Guentringen kann besucht werden

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Foto: Ville de Thionville/Stéphane Thévenin

Wenn am 11. November deutsche Katholiken den Martinstag begehen und Narren die Karnevalszeit in Deutschland einläuten, steht in Frankreich mit „l’Armistice“ ein ernster und offizieller Feiertag im Kalender. An diesem Tag wird im Nachbarland an den Waffenstillstand von Compiègne von 1918 erinnert, der vor 105 Jahren das Ende des Ersten Weltkrieges einleitete.

Die zentralen Feierlichkeiten finden in Paris statt, aber auch andernorts werden Politiker an Gedenkstätten Blumen und Kränze niederlegen.

Saarbrücker Händler erwarten mehr Gäste aus Frankreich

Der Feiertag ist arbeitsfrei, Schulen und die meisten Geschäfte haben geschlossen. Im grenznahen Städten wie Forbach und Saint-Avold öffnen aber Supermärkte der großen Ketten.

In Saarbrücken stellen sich die Händler an französischen Nationalfeiertagen traditionell auf viele Einkaufstouristen und Besucher aus Frankreich ein. Neben dem 8. Mai (Tag des Sieges) und dem französischer Nationalfeiertag am 14. Juli, ist der 11. November ein weiterer wichtiger Termin für die Gewerbetreibenden. 2022 fiel die Armistice auf einen Freitag: Am Messpunkt „Bahnhofstraße Mitte“ wurden nach Angaben der Stadt Saarbrücken 50 852 Passanten gezählt – der Durchschnittswert an Freitagen liege bei 37 747 Passanten, gezählt werde seit 2018. Man rechne daher am kommenden Samstag „mit einem deutlich positiven Effekt auf die Passantenfrequenz in der Saarbrücker Innenstadt durch den französischen Feiertag“, teilt ein Stadtsprecher mit. Normale (Wetter-)Bedingungen vorausgesetzt.

Moselle unter Deutschen stark militarisiert

Vom Ersten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde die benachbarte heutige Region Grand Est, die in Teilen seit 1871 deutsch besetzt war. Das heutige, direkt Saarland grenzenden Département Moselle „war unter deutscher Besatzung die damals am stärksten militarisierte Zone der Welt“, teilt die Tourismusbehörde des Départements anlässlich des Gedenktages mit.

Als Zeugen bleiben im nahen Grenzraum Festungen, Grabstätten und Denkmäler, die besucht werden können. Nicht nur aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, sondern auch aus der Zeit des Deutsch-Französischen Kriegs und des Zweiten Weltkriegs.

Festung Guentrange öffnet am 11. November

Viermal vom Kaiser besucht, wichtige strategische Lage und doch während des Ersten Weltkriegs nicht angegriffen: Die Festung Guentrange bei Thionville wurde zwischen 1899 und 1906 von den Deutschen errichtet und ist eine der am besten ausgestatteten Festungen der „Moselstellung“ – jener deutschen Verteidigungslinie, die zwischen 1871 und 1918 zwischen Metz und Thionville gegen eine französische Rückeroberung der annektierten Gebiete errichtet wurde.

Die Feste Obergentringen, so der deutsche Name, war für eine Garnison von knapp 2000 Mann ausgelegt. Nach dem Waffenstillstand kam sie in französischen Besitz und wurde 1930 Teil der Maginot-Linie. Seit 1985 wertet der Verein „Fort de Guentrange“ die Anlage auf. Das Fort ist am 11. November von 10 bis 16 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist um 14 Uhr.

Soldatenfriedhöfe als Welterbe der Unesco

Stark von Kämpfen getroffen wurde zu Kriegsbeginn das Pays du Saulnois, der Salzgau, bei Château-Salins und Dieuze. Im August 1914 tobten hier mit den Grenzschlachten von Lagarde und Morhange die ersten großen Gefechte an der Westfront. Heute finden sich allein im Pays du Saulnois elf französische Soldatenfriedhöfe.

Einer der größten französischen Soldatenfriedhöfe der lothringischen Grenzschlachten vom August 1914 an ursprünglicher Stelle: der französische Soldatenfriedhof in der kleinen Gemeinde Riche in der Nähe von Dieuze.

Einer der größten französischen Soldatenfriedhöfe der lothringischen Grenzschlachten vom August 1914 an ursprünglicher Stelle: der französische Soldatenfriedhof in der kleinen Gemeinde Riche in der Nähe von Dieuze.

Foto: Mairie de Riche

Im Dezember 1915 schrieb ein französisches Gesetz die Einrichtung von nationalen Grabstätten vor, in denen die „für Frankreich gestorbenen“ Soldaten in ewigen Gräbern bestattet werden sollten. Die Kosten trägt der Staat. Einer der größten französischen Soldatenfriedhöfe, der an ursprünglicher Stelle an die lothringischen Grenzschlachten vom August 1914 erinnert, befindet sich nach Angaben der Tourismusbehörde in der kleinen Gemeinde Riche, südlich von Morhange. Der Friedhof mit 2574 beigesetzten französischen Soldaten gehört seit Kurzem zum Unesco-Welterbe.

Beinhaus von Verdun Welterbe der Unesco

In diese renommierte Liste wurden im September insgesamt 139 Friedhöfe und Gedenkstätten in Frankreich und Belgien aufgenommen, die während und nach des Ersten Weltkrieges entlang der historischen Westfront angelegt wurden.

26 der neu eingetragenen Unesco-Stätten befinden sich in Lothringen. Dazu gehört auch das Beinhaus von Douaumont bei Verdun, in dem die Gebeine von mehr als 130 000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Ebenso der davor angelegte, riesige Friedhof mit rund 15 000 identifizierten Gefallenen. Das Beinhaus ist am 11. November von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Einen Überblick über Gedenkstätten und Spuren der drei Kriege in Moselle gibt die aktuelle Broschüre „Tourisme de Mémoire“ der Tourismus-Behörde des Départements unter www.mosl.fr/fr/decouvrir-la-moselle/destination/sejour/guides-brochures. Auf Französisch, aber mit vielen Fotos und übersichtlicher Karte.