Forbach wählt im Frühjahr einen neuen Bürgermeister

Kostenpflichtiger Inhalt: Bürgermeisterwahl in Forbach : Wer kommt auf Forbachs Chefsessel?

Der amtierende Bürgermeister Laurent Kalinowski (Sozialist) tritt im Frühjahr nicht mehr an. Vor allem im rechten Lager tobt der Wahlkampf – mit manchmal sonderbaren Mitteln wie einer fiktiven Kandidatin.

Nach zwei Amtszeiten wird Forbachs amtierender Bürgermeister Laurent Kalinowski bei den nächsten Kommunalwahlen in März nicht mehr antreten. Wer auf den Sozialisten in der Grenzstadt folgen soll, ist offen. Doch ein Kandidat hat es bereits jetzt in die nationalen Schlagzeilen geschafft. Ob ihm das im Wahlkampf nutzen wird, ist allerdings zweifelhaft. Denn als eine Parteifreundin kurzfristig beim Fotoshooting für den Wahlkampf-Flyer absprang, ersetzte sie Lucien Terragnolo, der Kandidat der rechtspopulistischen Partei „Rassemblement National“ (zu Deutsch: Nationale Versammlung, früher Front National), kurzerhand durch eine Frau aus einer Internet-Fotodatenbank. Auf der Seite Adobe Stock erscheint die junge Frau nämlich auf verschiedenen Symbolbildern, mal als Krankenschwester, mal als Business-Frau. Letzteres Motiv wählte Terragnolo dann für das Flugblatt. Bis ihm ein früherer Verbündeter auf die Schliche kam. Nämlich Florian Philippot, früher Nummer zwei der „Front National“ und 2014 erfolgloser Bürgermeisterkandidat in Forbach, bis er 2018 seine eigene Splitterpartei „Les Patriotes“ (zu Deutsch: die Patrioten) gründete. Und so machte Philippot Terragnolos Flunkerei auf dem Nachrichtendienst Twitter öffentlich. Für ihn ein unverhoffter Glücksfall.

Denn traten 2014 Terragnolo und Philippot noch zusammen auf der gleichen Liste an, um Forbachs Rathaus zu erobern, sind die beiden fünf Jahre später Konkurrenten um die Stimmen im rechtspopulistischen Lager geworden. Zwei Mal ist Florian Philippot in der Vergangenheit an Laurent Kalinowski gescheitert. 2012 bei der Parlamentswahl, 2014 bei der Kommunalwahl. Jetzt, da sich der Amtsinhaber aus der Politik zurückzieht, wittert der 37-Jährige seine Chance. Dementsprechend gelegen kommt ihm der peinliche Fehltritt seines direkten Konkurrenten.

Dieser sieht die Sache gelassen, wie er in der lothringischen Tageszeitung „Le Républicain Lorrain“ beteuert. Nachdem die ursprünglich eingeplante Frau nicht mehr auf den Bildern erscheinen wollte, habe man im Internet nach einem ähnlich aussehenden Model gesucht und dieses in das Bild eingebaut. „Wir wollte die Vielfältigkeit und die Jugend unserer Bewegung zeigen“, sagte Terragnolo gegenüber der Zeitung. Nachdem das Flugblatt landesweit zu Gespött wurde, hat sich der Kandidat offenbar doch dazu entschieden, die fremde Frau aus seinem Wahlkampfmaterial zu entfernen. Auf der Facebook-Seite des Rassemblement National Forbach sind nur noch der Spitzenkandidat selbst und sein Wahlkampfmanager abgebildet.

Auf dem ersten Flyer (links) ist der Bürgermeisterkandidat der Partei Rassemblement National Lucien Terragnolo (Mitte) an Seite einer fiktiven Mitstreiterin abgelichtet. Nachdem die Sache aufgeflogen war, wurde die Frau einfach vom offiziellen Wahlkampfmaterial wieder rausretuschiert. Foto: Foto: Screenshot SZ
Bürgermeisterkandidat der Partei RN verteilt Flyer mit fiktiven Kandidatin. Foto: Foto: Screenshot SZ

Doch nicht nur im rechten Lager beschäftigen sich die Kandidaten eher mit sich selbst statt miteinander. Auch wer anstelle von Kalinowski die Liste der Sozialisten anführen wird, steht noch nicht fest. Neben dem Beigeordneten Thierry Homberg werden weiteren Mitstreitern des aktuellen Bürgermeisters ebenso Ambitionen nachgesagt. Die Partei von Präsident Macron schickt wohl keinen eigenen Kandidaten ins Rennen, sondern hat bereits Alexandre Cassaro seine Unterstützung zugesagt. Zum Ärger von Cassaro eigener konservativen Partei „Les Républicains“.

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