1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn
  3. Blick nach Frankreich

„Choucroute d’Alsace“ durch EU-Siegel geschützt: Es kann nur ein Elsässer Sauerkraut geben

„Choucroute d’Alsace“ durch EU-Siegel geschützt : Es kann nur ein Elsässer Sauerkraut geben

Die Spezialität des Elsasses, die „Choucroute d’Alsace“, ist seit Kurzem durch ein EU-Siegel geschützt.

Darauf haben die elsässischen Sauerkrautfabrikanten fast 20 Jahre lang gewartet: Ihre „Choucroute d‘Alsace“ trägt künftig das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.). Das gab die EU-Kommission jetzt in Brüssel bekannt. Die Bezeichnung „Choucroute d‘Alsace“ ist damit künftig den elsässischen Produzenten vorbehalten, die bei der Herstellung von Sauerkraut aus Weißkohl ein präzises Pflichtenheft befolgen.

Bereits seit 2012 ist die Herkunftsbezeichnung „Choucroute d‘Alsace“ frankreichweit geschützt. Das elsässische Sauerkraut charakterisiert sich dem EU-Gütezeichen zufolge „durch dünne und lange Streifen in den Farben weiß bis hellgelb“. Es ist „wenig sauer und wenig süß“ und stammt „aus einer natürlichen Fermentierung von gehobeltem Weißkohl, dem nur Salz und keine anderen Zusätze beigefügt werden“.

Der Weißkohl muss aber nicht unbedingt aus dem Elsass stammen, wichtig ist nur, dass eine der Herstellungsstufen (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) in der Region geschieht (Das gleiche gilt etwa auch für die EU-weit geschützte Herkunftsbezeichnung „Schwarzwälder Schinken“).

In Krautergersheim, der Sauerkraut-Hauptstadt des Elsass’, das auf halbem Weg zwischen Straßburg und Colmar liegt, importieren mehrere Produzenten nach Informationen der Online-Zeitung www.rue89strasbourg.com Weißkohl, der woanders, zum Beispiel in Polen, wuchs. „Er hat nicht die gleiche Qualität, man findet oft Fremdkörper darin, etwa Strunkstücke. In Polen arbeiten sie zu geringeren Kosten und unter geringeren Hygienebedingungen“, zitiert die Zeitung Johan Angsthelm von der Sauerkrautfabrik gleichen Namens aus Krautergersheim.

Dass es 20 Jahre dauerte, bis das elsässische Sauerkraut das EU-Logo erhielt, liegt nach Angaben der elsässischen EU-Abgeordneten Anne Sander von der Europäischen Volkspartei (EVP) daran, dass lange Verwirrung zwischen dem rohen Sauerkraut und dem Gericht „Choucroute garni“ (garniertes Sauerkraut, in Weißwein gekocht mit verschiedenen gesalzenen und geräucherten Fleischsorten, Wurstwaren und Kartoffeln) herrschte.

Im Elsass wird Sauerkraut seit dem Spätmittelalter (15. Jahrhundert) aus Weißkohl mittels Milchsäuregärung in Salzlake hergestellt. Dadurch war es möglich, den Kohl als Sauerkraut länger haltbar zu machen. Das Klima in der Region erwies sich als günstig für den Weißkohlanbau.

Bis heute würden die Produzenten „die dafür notwendigen handwerklichen Techniken beachten“, rühmt sich der elsässische Sauerkrautverband (AVCA), dem zwölf Sauerkrautproduzenten angehören. Nur diese dürfen künftig die Herkunftsbezeichnung „Choucroute d‘Alsace“ verwenden und müssen der AVCA für die Benutzung des Namens „Choucroute d‘Alsace“ Lizenzgebühren bezahlen.

Dem Verband zufolge, dem zwölf Produzenten angehören, werden im Elsass je nach Wetterbedingungen jährlich zwischen 25 000 und 28 000 Tonnen Sauerkraut hergestellt, das sind 70 Prozent der frankreichweiten Produktion und 20 Prozent der Produktion in der EU.

Im Jahr 2017 gab es im gesamten Elsass noch rund 50 Weißkohlbauern, die sich vor allem in der Gegend um Erstein, Geispolsheim, Blaesheim, Meistratzheim und Krautergersheim südlich von Straßburg konzentrieren. Seit rund zehn Jahren nimmt allerdings die Weißkohl-Anbaufläche konstant ab, im vergangenen Jahr von 700 auf 500 Hektar.