Einige Zugverbindungen in Grand Est werden gestrichen

Bahnverkehr : Französische Bahn streicht Zugverbindungen in Grand Est

Mangels Auslastung stellt die französische Staatsbahn SNCF unter anderem den Verkehr auf der Strecke Saargemünd-Sarre-Union ein.

Während sich der grenzüberschreitende Zugverkehr zwischen dem Saarland und der Region Grand Est ab 2024 verbessern soll, ist man in Grand Est derzeit nicht unbedingt gut auf die französischen Staatsbahn SNCF zu sprechen. Besonders in Lothringen müssen sich die Fahrgäste mit dem Winterfahrplan auf manche Einschränkung einstellen.

So will die SNCF, in Absprache mit der Region, einige Nahverkehrsverbindungen mangels Auslastung streichen. Das ist der Fall auf der Strecke Metz-Luxemburg, wo die jeweils letzte Verbindung am Abend eingespart wird. Andererseits dürfen sich die Grenzgänger freuen, dass sie künftig auf Luxemburger Terrain den Nahverkehr gratis nutzen dürfen.

Ganz stilllegen will man hingegen die marode Zuglinie Saargemünd-Sarre-Union, was eine Bürgerinitiative mit einer – wenig aussichtsreichen – Petition noch zu verhindern versucht. Dort soll der Verkehr – auch wegen der vielen Schüler – an Werktagen durch acht Busverbindungen gewährleistet werden. Nur vorübergehend wird es auf der Strecke Saargemünd-Straßburg im kommenden Jahr Schienenersatzverkehr geben. Dort will man 2019 endlich eine seit langem fällige Streckensanierung vornehmen. Vom 7. bis 20. April und vom 2. Juni bis 1. September, wenn in Frankreich Sommerferien sind, wird die Zugverbindung komplett gesperrt.

Schon im Frühjahr hatte die SNCF angekündigt, dass ab 2019 kein TGV mehr von Nancy nach Lyon fahren wird – und das bis 2023. Als Begründung gab sie an, dass man durch den Umbau des TGV-Bahnhofs Lyon Part-Dieu zu wenig Kapazitäten habe. Nicht nur in der Hauptstadt des Départments Meurthe-et-Moselle selbst sorgte die SNCF mit diesem Plan für helle Aufregung. Denn nicht nur Nancy, ganz Südlothringen, die Orte Toul, Neufchâteur und Culmon-Chalindry mit ihren TGV-Bahnhöfen sah man dadurch vom Hochgeschwindigkeits-Fernverkehr nach Südfrankreich abgehängt. Nach Lyon, Marseille oder Nizza kann man von Nancy aus so nur noch über Umwege reisen: über Metz und Straßburg oder über Marne-La-Vallée, was nicht bloß länger wäre, sondern auch teurer.

Gegen diese Pläne liefen alle Politiker der Region Grand Est Sturm. Sie lancierten eine Online-Petition unter dem Hashtag #TouchepasamonTGV (Rühr meinen TGV nicht an), die 36 000 Unterschriften erhielt. Der Protest trug denn auch Früchte. Zwar wird die TGV-Direktverbindung weiterhin bis 2023 auf Eis liegen, doch die SNCF schuf annehmbare Ersatzlösungen. So richtete sie eine zusätzliche tägliche TGV-Verbindung von Nancy nach Lyon über Marne-La-Vallée und zurück ein, die 45 Minuten schneller ist und die Fahrgäste nicht mehr kostet. Zusätzlich wird die SNCF die TGV-Verbindung Straßburg-Nizza bis nach Nancy verlängern. Mit zwei neuen TER-Verbindungen (Regionalexpress) von Nancy nach Dijon und zurück wird zudem eine schnelle Anbindung zur Weiterfahrt nach Süden ermöglicht.

Diese Ersatz-Maßnahmen, die nach sechs und zwölf Monaten auf Erfolg geprüft werden sollen, gelten vorerst allerdings nur bis Ende 2019. Langfristig könnte Nancy so dennoch Gefahr laufen, vom TGV-Fernverkehr abgehängt zu werden, schätzen Bahnexperten und vergleichen das mit der Situation des TGV auf der Strecke Frankfurt-Saarbrücken-Paris. Dieser Nordast bleibe auch bei hoher Auslastung durch die Konkurrenz der schnelleren Verbindung über Straßburg weiterhin gefährdet.

Grund zum Jubeln hat man derzeit nur in Contrexéville und Vittel: Denn im kommenden Jahr können die Pariser wieder mit TER-Zügen an Wochenenden ohne Umsteigen die beiden Kurorte in Lothringen besuchen. Diese 2016 eingestellten Direktverbindungen sollen dem Tourismus in den traditionsreichen Orten mit Heilwasser einen neuen Schub bringen.

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