Der Präsident der Region Grand Est Jean Rottner arbeitet auch Teilzeit als Arzt

Präsident der Region und Arzt in Teilzeit : Jean Rottner zieht den Arztkittel wieder an

Der Präsident der Region Grand Est will neben seinem Amt im Krankenhaus Mülhausen aushelfen

Nach zehn Jahren kehrt Jean Rottner ins Krankenhaus in Mülhausen zurück. Nicht um etwas einzuweihen, nicht in seinem Amt als Präsident der Region Grand Est. Nicht mal in seiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrats des Krankenhauses. Nein, der konservative Politiker tritt am Dienstag seinen Dienst an – als Arzt in Teilzeit in der Notaufnahme. Diese Abteilung leitete er, bis er 2010 Bürgermeister von Mülhausen wurde. 2017 folgte Rottner auf Philippe Richert als Präsident der Region Grand Est.

Doch seit Monaten ist die Lage in Kliniken und Krankenhäusern frankreichweit höchst angespannt. Im ganzen Land werden zurzeit 250 Notaufnahmestationen bestreikt, um gegen fehlende Mittel und Überlastung des Personals zu protestieren. In kleineren Einrichtungen wurden die Notaufnahmen aus Mangel an Ärzten bereits geschlossen, wie Anfang des Monats in Altkirch in der Nähe von Mülhausen. Seitdem wächst auch im größeren Mülhausen die Angst um die Schließung. Zurzeit arbeiten nur noch acht Ärzte in der Notaufnahmestation – Anfang des Jahres waren es noch 24. Und so wird seitens des Krankenhauses die Rückkehr von Doktor Rottner mit Erleichterung angenommen. „Dank seiner Erfahrung als Leiter der Notaufnahme wird er das ärztliche Team verstärken, das zurzeit mit großen Engpässen konfrontiert ist“, heißt es aus dem Krankenhaus. Es sei ein starkes Signal.

Anders wird dieser in Frankreich einzigartige Schritt eines Regionchefs von seinen politischen Gegnern bewertet. Von den Grünen bis zu den verschiedenen Regionalgruppen, die sich für eine größere Autonomie für das Elsass einsetzen, wird die Ankündigung als Farce und PR-Coup bezeichnet. Loïc Minery, der für die Grünen für das Bürgermeisteramt in Mülhausen kandidiert, verlangte von Rottner, dass er als Präsident der Region zurücktritt. „Herr Rottner, Sie sind zweifellos ein kompetenter Arzt, aber in diesem Fall ist es eine Frage der Ethik“, so Minery. Jacques Schleef, Präsident der Gruppe „Club Perspectives Alsaciennes“ bedauert, dass die Region nur noch in Teilzeit regiert wird. Diesem Vorwurf entgegnet Rottner, dass er seine private Freizeit so gestalten würde, dass die Arbeit im Krankenhaus neben seinem Amt möglich sei. Darüber hinaus wolle er nicht dauerhaft in der Notaufnahme aushelfen, sondern nur bis voraussichtlich Weihnachten. Das bestätigte die Krankenhausleitung: „Die Tätigkeit von Doktor Rottner soll sich nicht über einen längeren Zeitraum hinausziehen, sondern dazu dienen, den Eintritt einer neuen Leitung für die Notaufnahme vorzubereiten.“ Ob es für den Posten bereits Bewerber gibt, ließ sie offen.