Chemieplattform Carling im Umbruch

Die Firmen der Chemieplattform im französischen Carling haben sich zusammengeschlossen, um ihren Standort weiterzuentwickeln. Den Vorwürfen der Umweltverschmutzung aus dem Saarland treten die Chemieunternehmen entschieden entgegen.

Auf knapp 700 Hektar reiht sich auf der Carlinger Plattform ein Unternehmen ans andere. Dort werden nicht nur Elektrizität produziert (Eon), sondern auch Spezialklebstoffe (Arkema) und Kunststoffe (Total) hergestellt. Um die Übergangsphase von der Petrochemie zur Feinchemie gemeinsam zu meistern, haben zehn Produktionsfirmen, eine Wirtschaftsberatungsagentur und eine Interessenvertretung für die Chemiebranche den Verein "Association des Industriels de la Plateforme de Carling-St. Avold" (AIPCSA) gegründet. Die Unternehmen in Carling präsentieren sich sehr unterschiedlich: Die Kokerei wurde bereits stillgelegt und wird nach und nach demontiert. Die dadurch frei gewordene Fläche will die AIPCSA neuen Investoren schmackhaft machen. Andere wie Arkema haben ihre Aktivitäten ausgeweitet. Diese Firma hat sich neben Acrylsäure für Farbe, Lack, Klebstoffe und Kläranlagen auf die Herstellung von Granulat mit starker Saugkraft (vor allem für Fertigwindeln) spezialisiert. Dafür wurde vor rund einem Jahr auch in eine zweite Produktionsstätte in Carling investiert.

Total hingegen fährt die traditionellen Aktivitäten zurück. Der Steamcracker wird im Sommer 2015 abgeschaltet. In der Anlage wird Naphtha erhitzt und in chemische Rohstoffe wie Ethen oder Propylen gespalten. Wenn sich diese Gase in zu hoher Konzentration in der Anlage befinden (zum Beispiel nach einem Wartungsstopp), werden sie abgefackelt. "Diese Rußfackel mit schwarzem Rauch ist eine Sicherheitsmaßnahme", erklärt Nathalie Deschamps, Pressesprecherin von Total in Carling . Im Saarland machen sich aber gerade wegen dieser schwarzen Rauchsäule viele Leute Sorgen. Damit soll im kommenden Juli Schluss sein. Total will sich auf die Produktion von Polystyrol konzentrieren. Dadurch sollen auch die Emissionen sinken, verspricht Nathalie Deschamps. Auch bei Eon will man in Sachen Umwelt was tun. "Die zwei neu gebauten Produktionseinheiten funktionieren mit Gas statt Kohle", sagt Jean-Baptiste de Gabory von Eon. Doch man solle sich nichts vormachen, "null Emissionen sind in der Schwerindustrie schlicht unmöglich".

Doch genau die Emissionen aus Carling machen den Bürgern vor allem im Warndt Angst. Die Bürgerinitiative (BI) "Saubere Luft für die Warndtgemeinden" hatte bereits mehrfach öffentlich auf Geruchs- und Schadstoffbelastungen aus Carling hingewiesen. Das führe zu Gesundheitsproblemen von Hustenreiz bis zu Schlafstörungen, so die Bürgerinitiative. "Diese Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen. Alle unserer Emissionen werden strikt kontrolliert", entgegnet Nathalie Deschamps. Auch der Betriebsarzt der Plattform, Christian Genzi, sieht keinen Grund zur Aufregung: "Diese Symptome habe ich bei den Mitarbeitern der Plattform nicht festgestellt." Die Häufung solcher Krankheitsbilder könne man nur durch ein fundiertes medizinisches Gutachten belegen. Auf der französischen Seite haben die Anrainer die Möglichkeit, sich über eine kostenlose Hotline zu melden. Doch 2014 seien weder bei Eon noch bei Total Beschwerden eingegangen und das, "obwohl die Bewohner in Carling und L'Hôpital die direkten Nachbarn sind", so Deschamps.

Vor einem Monat vermutete die Initiative manipulierte Feinstaubmesswerte bei den Sensoren des lothringischen Messnetzes "Atmolor" (wir berichteten). "Das ist nicht möglich, denn wir haben keinen Zugriff auf die Daten", erwidert Didier Muller, Leiter von Arkema Carling . Am 27. Januar findet eine Sitzung der Kommission zur chemischen Plattform (CSS) statt. Dann sollen auch die Ergebnisse von Sensoren, die auf saarländische Seite gestellt wurden, vorgestellt werden. "Wir hoffen, dass dies Klarheit schaffen und helfen wird, die Vorwürfe aufzuklären", so Muller weiter.

Die Firmen wollen auch den Dialog mit den Bürgern im Warndt suchen. Total teilte mit, der neu gegründete Verein wolle die Mitglieder der Bürgerinitiative bis Ende Juni zu einer Besichtigung in Carling einladen.

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