„Cattenom bleibt ein dickes Brett“

Paris · Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und neue Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat sich in Paris für eine rasche Abschaltung des Pannenmeilers Cattenom und gegen die Inbetriebnahme des Atommüllendlagers in Bure ausgesprochen. Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault machte der SPD-Politikerin jedoch wenig Hoffnung.

 Bleibt umstritten: das Kernkraftwerk Cattenom. Foto: Rolf Ruppenthal

Bleibt umstritten: das Kernkraftwerk Cattenom. Foto: Rolf Ruppenthal

Foto: Rolf Ruppenthal

Frankreichs sozialistischer Außenminister war vorgewarnt. Schon im Vorfeld ihrer ersten Auslandsreise als Bundesratspräsidentin hatte Malu Dreyer angekündigt, sich bei ihren Gesprächen mit französischen Politikern für eine möglichst rasche Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom stark zu machen. "Das Thema war keine Überraschung für mich", antwortete Jean-Marc Ayrault denn auch nach einer knapp halbstündigen Unterredung mit Dreyer auf entsprechende Fragen der Journalisten, um sich gleich im nächsten Atemzug mit ausgewiesener Höflichkeit bei Deutschland für die "große Solidarität nach den Anschlägen von Paris " zu bedanken. So wischt man ein unangenehmes Thema mit Höflichkeit vom Tisch.

"Cattenom bleibt ein dickes Brett", antwortete daraufhin mit einem nicht minder höflichen Lächeln die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Dass Malu Dreyers erste Auslandsreise als neue Bundesratspräsidentin ins Nachbarland Frankreich führte, wurde von ihren Gesprächspartnern ausdrücklich gelobt. "Die deutsch-französische Säule ist eine tragende Säule für Europa", sagte Dreyer zu ihrer Motivation. Der deutsch-französischen Zusammenarbeit komme gerade vor dem bevorstehenden Austritt der Briten aus der Europäischen Union eine besondere Bedeutung zu, meinte Außenminister Ayrault, der perfekt Deutsch spricht.

Nach Gesprächen im Außenministerium traf sich Dreyer am Mittag mit Senatspräsident Gérard Larcher. Auch dabei ging es um die deutsch-französischen Beziehungen als Motor einer kriselnden Europäischen Union.

Heute Vormittag hält Dreyer im Bundesrat ihre erste Rede als Präsidentin. Es wird erwartet, dass sie über die Ziele spricht, die sie sich während ihrer einjährigen Amtszeit vorgenommen hat. Eines davon hat Dreyer bereits während der Gespräche am Donnerstag in Frankreich formuliert: Wie können wir junge Leute stärker für Europa interessieren? Ihre Präsidentschaft hat die 55-Jährige unter das Motto "Zusammen sind wir Deutschland" gestellt. Sie endet im Oktober nächsten Jahres mit den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Mainz.

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