Abwanderung nach Luxemburg Kündigungswelle unter Busfahrern – Metz muss ÖPNV einschränken

Metz/Luxemburg-Stadt · Auch immer mehr lothringische Busfahrer geben ihre Jobs in der Heimat auf und pendeln nach Luxemburg – diesen Sommer so viele, dass Metz und das Umland die Fahrpläne einschränken. Betroffen ist auch die Mettis im Metzer Zentrum.

 Auch der Fahrplan der Mettis musste angepasst werden: Weil es in Metz zu wenig Busfahrer gibt, müssen Fahrgäste etwas länger auf die Hybridspurbusse warten.

Auch der Fahrplan der Mettis musste angepasst werden: Weil es in Metz zu wenig Busfahrer gibt, müssen Fahrgäste etwas länger auf die Hybridspurbusse warten.

Foto: Philippe Gisselbrecht/Ville de Metz/Philippe Gisselbrecht

In Metz und im Metzer Raum beginnt das öffentliche Leben nach der Sommerpause mit geänderten Fahrplänen im ÖPNV. Grund ist eine Kündigungswelle unter Busfahrerinnen und Busfahrern. Die „nicht vorhersehbare Kündigungswelle“ im Sommer unter 15 Fahrern der Transportunternehmen in Moselle werde „zwangsläufig Auswirkungen auf die Organisation der Verkehrsnetze“ haben, teilt der Städteverband Eurométropole de Metz mit. Ein Bericht des Medienportals France 3 präzisiert, dass insgesamt 25 Fahrer fehlen.

Betroffen sind Busse der zwei Mettis-Linien, von fünf Liane-Linien, zwei Pendlerbuslinien und 13 Anschlussverbindungen. „Trotz der konsequenten Anstrengungen der französischen Akteure zur Förderung der Berufe des Fahrpersonals und aktiver Kampagnen zur Anwerbung von Fahrern, müssen angepasste Fahrpläne eingerichtet werden“, heißt es.

Busfahrer pendeln für bessere Gehälter nach Luxemburg

Als Gründe nennt die Eurométropole die Entwicklung des Verkehrsangebots in Luxemburg und die Attraktivität der von luxemburgischen Unternehmen angebotenen Stellen. Gemeint sind damit die üblicherweise höheren Gehälter und damit verbundene Leistungen, die in Luxemburg an die Stellen geknüpft sind.

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Die Eurométropole de Metz und der nordlothringische Städteverband Pôle Métropolitain Frontalier du Nord Lorrain fordern den französischen und den luxemburgischen Staat in ihrer gemeinsamen Mitteilung auf, das Problem auf der franko-luxemburgischen Regierungskonferenz vorrangig zu behandeln. Es sollen gemeinsame Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen werden.

Metzer Verkehrsbetrieb wirbt mit Jobdating um Busfahrer

Das Problem ist kein neues und kein per se lothringisches. Seit Jahren wird auch auf nationaler Ebene ein Mangel an Busfahrern verzeichnet – aufgrund der Pandemie, der Konkurrenz durch Logistikberufe und von Renteneintritten. Laut dem Arbeitgeberverband, der die städtischen Verkehrsbetriebe und Eisenbahnunternehmen vertritt, fehlen zwischen 3000 und 4000 Fahrer.

Die großen Verkehrsbetriebe RATP, Transdev und Keolis haben Kommunikationsmaßnahmen gestartet, um für den Beruf zu werben, neue Mitarbeiter einzustellen und Mitarbeiter an die Unternehmen zu binden. Der Norden Lothringens und insbesondere das Departement Moselle seien nach Angaben der Eurometropole aber „besonders“ betroffen.

In Metz werden beispielsweise die Linien Mettis A und B an Werktagen von 7 bis 19 Uhr nun alle 12 Minuten (statt zehn) bedient, also alle fünf Minuten auf dem gemeinsamen Abschnitt zwischen den Stationen République und Provence. Die geänderten Fahrpläne sollen nur während der Schulzeit montags bis freitags gelten, informiert Le Met', der Verkehrsbetrieb das Metzer Ballungsraumes. Das Unternehmen organisiert am kommenden Samstag einen Bewerbertag mit Jobdating und Fahrsimulator – und dem Slogan „Et si c‘était vous derrière le volant?“ („Und wenn Sie am Steuer sitzen würden“) über dem Foto einer begeisterten Frau mit Bus-Lenkrad in Händen. Das Unternehmen stellt ein und bildet auch aus.

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