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Mondial Air Ballons: Bunte Giganten, Teamarbeit und Bangen ums Wetter

Mondial Air Ballons : Bunte Giganten, Teamarbeit und Bangen ums Wetter

Das Heißluftballon-Festival „Mondial Air Ballons“ geht morgen zu Ende. Gestern gelang den Ballonfahrern ein neuer Weltrekord.

Weite Felder, verschlafene Dörfer, ab und an eine kleine Kirche: Wer zum weltweit größten Heißluftballon-Festival „Mondial Air Ballons“ fährt, muss mitten durch die lothringische Einöde – egal aus welcher Himmelsrichtung er kommt. Denn das „Aérodrome de Chambley“, auf dem das bunte Spektakel morgen endet, liegt im nördlichen Teil des Naturparks „Parc naturel régional de Lorraine“. Alle zwei Jahre zieht es rund 1000 Piloten aus aller Herren Länder an. 400 000 Besucher strömen auf die ehemalige amerikanische Air-Base, um ihnen beim Abheben zuzusehen.

Einen besseren Veranstaltungsort könnten sich die Ballonfahrer kaum wünschen, denn das platte Land bietet ihnen optimale Start- und Landemöglichkeiten. Das wechselhafte Wetter macht ihnen dieses Jahr allerdings zu schaffen. Die Massenstarts, die jeden Tag für 6.30 Uhr und 18.30 Uhr angesetzt sind, mussten schon mehrmals verschoben oder abgesagt werden. Denn starker Wind und Regen sind Gift für die Ballonfahrer. Am Dienstag stieg gar kein Heißluftballon in die Luft. Gestern Morgen kam dann der Lichtblick: Nachdem der Veranstalter den Weltrekord-Versuch wegen des schlechten Wetters zweimal verschieben musste, stellten die Piloten gestern Morgen einen neuen auf: Um 8 Uhr starteten erstmals 456 Heißluftballons gleichzeitig, 23 mehr als beim letzten Versuch vor zwei Jahren. Die Piloten stellten ihre Heißluftballons dazu in vier Reihen (insgesamt über sechs Kilometer lang) auf dem 8800 Hektar großen Flugfeld auf.

Heißluftballon-Festival „Mondial Air Ballons“ 2017

Philippe Buron Pilâtre, Nachfahre des Luftfahrt-Pioniers Jean-François Pilâtre de Rozier und Veranstalter des Festivals, verkündete den neuen Rekord sichtlich gut gelaunt. Im gleichen Atemzug setzte er ein neues Ziel für das nächste „Mondial Air Ballons“ in zwei Jahren: „Da ist noch Spielraum nach oben, das geht noch besser. 2019 könnten es bis zu 500 Heißluftballons werden“.

Élodie Hypolite, Sandrine Folny und Florence Jenvrin kamen zum Massenstart am Mittwochabend – trotz des unbeständigen Wetters. Da alle drei nicht weit entfernt wohnen, nahmen sie in Kauf, dass der Start in letzter Minute abgesagt wird. Als um 18.30 Uhr das grüne Licht kam, war die Freude groß: „Wir haben die ganze Zeit Fotos und Videos gemacht, man wusste gar nicht, wo man als erstes hinschauen sollte“, sagte Hypolite. Folny, die bereits zum dritten Mal zu dem Spektakel gekommen war, gefiel dieses Jahr vor allem die große Anzahl der Ballons. „Toll war auch, zu sehen, wie viele unterschiedliche Nationalitäten vertreten waren“, sagte Jenvrin. Damit die Zuschauer wissen, wer da vor ihrer Nase gen Himmel steigt, befestigten viele Piloten eine kleine Länderflagge an ihrem Ballon.

Wen die Zuschauer weniger sahen, sind die „Verfolger“. Wie ihr Name verrät, fahren sie dem Ballonfahrer hinterher, um ihm nach der Landung beim Transport des Ballons zu helfen. Doch auch vor dem Start sind die Verfolger (drei bis sechs Personen) für die Piloten essenziell, denn sie helfen ihnen beim Aufbau des Ballons. Und da ist Teamarbeit gefragt.

Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis der Ballon abheben kann. Solange herrscht auf dem Flugfeld ein reges Treiben. Piloten und Verfolger fahren mit großen Vans samt Anhänger auf den Flugplatz. Breiten die riesige Ballonhülle auf dem Boden aus, holen den Weidenkorb, in dem der Pilot und die Passagiere später Platz nehmen aus dem Anhänger und befestigen beides am Auto. Dann kommt ein Gebläse zum Einsatz, das kalte Luft in die Ballonhülle bläst. 15 Minuten lang. Hunderte von Ventilatoren sind bei den Massenstarts in Hagéville im Einsatz und hüllen das Aerodrom in eine kuriose Klangkulisse. Irgendwo zwischen Rasenmäher-Sinfonie und Meeresrauschen. Gemächlich heben sich die bunten Giganten vom Boden ab. Einige berühren einander, so dicht sind die Heißluftballons aufgestellt. Sind sie zu dreiviertel mit kalter Luft gefüllt, beginnt der Pilot, mit dem Brenner die Luft in der Ballonhülle zu erhitzen. Seine Crew stabilisiert den Weidekorb und achtet darauf, dass der Brenner der Ballonhülle nicht zu nah kommt.

Das Ballon-Fieber hat auch Gabi Niemesheimer vor zehn Jahren gepackt. Damals machte ihr Mann die Pilotenausbildung. Den Eppelbornern gefiel die Ballonfahrt so gut, dass sie 2015 ihre eigene Firma „Heißluftballon-Team-Saar“ gründeten und seither Heißluftballon-Fahrten im Saarland anbieten. 2009 waren beide auch beim Heißluftballon-Festival in Lothringen dabei. Auf den Status „weltweit größtes Heißluftballon-Festival“ hätten sie aber verzichten können. „Wir fahren lieber auf kleinere Festivals wie das in Föhren bei Trier“, sagt Gabi Niemesheimer. Da gehe alles etwas gemächlicher zu. „Man weiß immer, wo man startet, aber man weiß nie, wo man landet“, fasst Nemesheimer das Erlebnis Heißluftballon zusammen. Denn nach dem Start bestimmt die Richtung alleine der Wind – daher darf er auch nicht zu stark sein.

 Ein farbenfroher Ballon gleitet über die Festival-Besucher.
Ein farbenfroher Ballon gleitet über die Festival-Besucher. Foto: Jasmin Kohl

Ob ein letzter Massenstart morgen um 18.30 Uhr zum Abschluss des Festivals gelingt, bleibt offen. Die Wettervorhersage lässt zumindest hoffen: „Unbeständiges Wetter, geringe Regenwahrscheinlichkeit und insgesamt schwierig vorauszusagen.“