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Berühmte Baguette-Angel aus dem Saarland kommt jetzt ins Museum

Besondere Erinnerung : Berühmte Baguette-Angel aus dem Saarland kommt jetzt ins Museum

Die Grenzschließungen im Frühjahr 2020 hielten den Saarländer Hartmut Fey nicht davon ab, sein französisches Baguette zu bekommen. Mit einer Angel und Unterstützung aus seiner Lieblingsbäckerei angelte er sich sein Baguette über die Grenze – und machte damit international Schlagzeilen. Jetzt wird Fey und der Angel eine besondere Ehre zuteil.

Hartmut Fey aus dem Grenzort Lauterbach kaufte „seit Jahrzehnten“ sein Frühstücks-Baguette in der Carlinger Boulangereie Gosset im ehemaligen französischen Zollhaus direkt an der deutsch-französischen Grenze bei Carling/Lauterbach. Die Grenzschließungen im Zuge der Corona-Pandemie drohten dieser Tradition im Frühjahr 2020 am 11. April einen Strich durch die Rechnung zu machen: Bundespolizisten verwehrten Fey den Grenzübertritt.

Am folgenden Tag verabredete er sich deshalb mit der Bäckereifachverkäuferin Myriam Hansen-Boualit an der Grenze, um sein Baguette mit einer Angel über die Absperrung zu heben. Die Aktion wurde von seiner Frau Marina Fey-Kaiser gefilmt, der Film von seinem Freund Erik Roskothen auf Facebook gepostet.

Schon am Nachmittag waren Agence France Press und das ZDF vor Ort, in den folgenden Tagen zahlreiche deutsche und französische sowie internationale Medien. Die Aktion musste immer wieder für die Kameras wiederholt werden. Eine Woche später stiftete Hartmut Fey 100 Baguettes, die er mit der Angel über die Grenze holte und die gegen eine Spende an Lauterbacher Bürger verteilt wurden. Der Erlös ging an den deutsch-französischen Kindergarten in Lauterbach.

Zur Grenzöffnung am Abend des 15. Juni 2020 fand eine weitere Baguette-Aktion statt: Unter den Klängen der Europahymne wurde ein zwei Meter langes Baguette, das die Grenze symbolisierte, von den deutschen und französischen Gästen zusammen mit Bier und Lyoner beziehungsweise Wein und Käse verzehrt.

Jetzt wird Fey und der Angel eine weitere besondere Ehre zuteil. Die berühmte Angel gehört jetzt zur Sammlung des Historischen Museums Saar. „Das Museum versteht sich als Museum für die Geschichte des Saarlandes und der deutsch-französischen Grenzregion“, sagte Museumsdirektor Simon Matzerath bei der Übergabe. Die Angel sei mit der dazu gehörenden Geschichte ein Schlüsselobjekt für spezifische Auswirkungen der uns noch immer belastenden Pandemie im Grenzgebiet und für das sensible Thema der Grenzschließungen.