Atomkraftwerk Cattenom: Betreiber EdF beantragt längere Laufzeit in Frankreich

Trotz zahlreicher Pannen : Kernkraftwerk Cattenom soll weiterhin am Netz bleiben

Ein baldiges Ende des im Dreiländerecks umstrittenen Lothringer Atomkraftwerks ist nach wie vor nicht in Sicht. Das berichtet die Bundesregierung. Kritik kommt aus den Reihen der Linken.

Das seit 1986 am Netz befindliche Atomkraftwerk (AKW) Cattenom soll auch die nächsten Jahre Strom produzieren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) hervor. Damit schwinden etwaige Hoffnungen, dass der Betreiber Électricité de France (EdF) zumindest über ein Aus für die Anlage nachdenkt. Im Gegenteil: EdF will beantragen, die Laufzeiten für 50 AKW in Frankreich zu verlängern.

Ursprünglich war vorgesehen, dass Cattenom 40 Jahre am Netz bleibt. In der Stellungnahme des Bundes heißt es nun, dass die mehrjährige Planung bei unseren Nachbarn „keine Stilllegung von Blöcken des Atomkraftwerks Cattenom“ vorsieht. Berlin habe aber bereits im Januar Frankreich darum gebeten, Anrainer in die Pläne einzubinden. Dabei gehe es um eine Umweltprüfung nach EU-Standards. Die deutsche Bevölkerung solle ebenfalls dazu Stellung nehmen können. Dies solle an die dafür zuständigen Behörden in Frankreich gehen. Eine grenzüberschreitende Beratung auf Ministerebene habe es in diesem Jahr bislang nicht gegeben. Darum habe die Bundesregierung auch noch nicht gebeten, heißt es in dem der SZ vorliegenden Schreiben vom 2. Oktober.

Der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion im Saarländischen Landtag, Ralf Georgi, bezeichnet ein Weiterlaufen des AKW’s Cattenom bis 2035 als „Affront für die Menschen im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Luxemburg“. Dass die Bundesregierung noch immer keine Bedenken gegen einen Weiterbetrieb bei den französischen Nachbarn angemeldet habe, sei „unfassbar“. Georgi fordert: „Es muss endlich mit Frankreich über eine Abschaltung des lothringischen AKW’s verhandelt werden, wobei eine faire Lösung für die Fragen des notwendigen Ausfallstroms, der Netze und der Finanzierung der dabei entstehenden Kosten gefunden werden muss.“

Immer wieder kommt es im Kernkraftwerk im Dreiländereck Saarland-Luxemburg-Lothringen zu Problemen. Zuletzt hatte der Betreiber EdF am 2. Oktober zwei kleinere Vorfälle der französischen Atomaufsicht gemeldet. Am 7. Juni hatte sich der vierte Reaktor wegen des Ausfalls einer Hauptturbine von selbst abgeschaltet. Rauch in einem Schaltkreisraum hatte am 30. März die Feuerwehr anrücken lassen. Allein 44 Störfälle soll es 2018 gegeben haben. Diese Pannen rufen immer wieder Kritiker auf den Plan, die eine sofortige Abschaltung der grenznahen Reaktoren fordern.

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