Flugzeug lässt Kerosin über der Westpfalz ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Fuel Dumping : Weiterer Kerosin-Ablass auch über dem Ost-Saarland?

Über der „südlichen Pfalz“ hat ein Transportflugzeug-Pilot nach Angaben des Umweltbundesamtes mehr als 57 Tonnen Treibstoff aus den Tanks entleert.

Mehr als 57 Tonnen Kerosin hat ein Flugzeug des Logistik-Unternehmens Fedex am Donnerstagabend über der Region buchstäblich in die Luft geblasen. Die vom Flughafen Köln-Bonn gestartete Maschine war eigentlich auf dem Weg ins US-amerikanische Indianapolis, ein Problem an Bord zwang den Piloten jedoch zur Umkehr. Bei einem unerwarteten Flugabbruch wie diesem muss der Tank mitunter aus Sicherheitsgründen entleert werden, um die Maschine leichter zu machen.

„Treibstoff-Schnellablass“ nennt die Deutsche Flugsicherung (DFS) eine solche Maßnahme, englisch „Fuel Dumping“. So genannt auch von den Gegnern dieser Praxis. Schon seit langem laufen Lokalpolitiker und Bewohner der besonders betroffenen Gebiete dagegen Sturm. Als Reaktion auf die anhaltende Kritik veröffentlicht die DFS seit September 2018 jeden Vorfall auf ihrer Website. Die Angaben sind jedoch vage: So bestätigte die DFS der SZ im April auf Nachfrage, dass von den 92 Tonnen Kerosin, die eine Cargolux-Maschine am 28. Juli 2018 ablassen musste, ein guter Teil über dem Saarland niederging. In der veröffentlichten Tabelle ist hingegen nur von der „Westpfalz“ die Rede. Im aktuellen Fall wurde das Kerosin dagegen laut DFS über der „südlichen Pfalz“ abgelassen. Radarbilder zeigen jedoch die Schleife, die das Flugzeug vor seiner Rückkehr nach Köln-Bonn drehte. Demnach könnte auch das Saarland – besonders die Gegend um Homburg – betroffen sein.

Wie gefährlich ist Fuel Dumping für Mensch und Umwelt? In der Eifel, über der Piloten überdurchschnittlich häufig ihre Tanks entleeren, ist man deswegen schon seit Jahren besorgt. Auf öffentlichen Druck hin veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) im Mai ein Positionspapier. Darin kommt das Amt zu dem Schluss, dass vom Fuel Dumping keine unmittelbare Gefahr ausgeht. „Bei einem solchen Treibstoffschnellablass wird das Kerosin in einer Flughöhe von mindestens 1800 Metern in feine Tröpfchen zerstäubt, so dass ein Großteil des Kerosins noch in der Luft verdunstet,“ heißt es. Gleichzeitig empfiehlt das UBA, Kerosin möglichst nicht mehrmals über dem gleichen Gebiet abzulassen – „nach dem Vorsorgeprinzip“. Politiker aller Parteien kritisierten damals das Fazit der UBA: Es fehlten aktuelle Messungen, neuere Studien seien nicht ausgewertet worden. Diese existieren allerdings nicht – die jüngste Studie zum Kerosin-Ablass ist 25 Jahre alt.

In der benachbarten Pfalz hat man auf die Kerosin-Ablässe mit neuen Mess-Stationen reagiert. Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) sah dafür im April noch keine Notwendigkeit. Tatsächlich ist Fuel Dumping selten: Im Schnitt 20 Mal pro Jahr müssen Piloten über deutschem Boden darauf zurückgreifen, 2019 bisher 13 Mal. Dabei wurden insgesamt fast 500 Tonnen Kerosin abgelassen (zu zwei Vorfällen macht das DFS keine Angaben). Keine guten Nachrichten. Aber in Anbetracht von Millionen Tonnen Kerosin, die der Flugverkehr jährlich in Form von CO2 in den Himmel über Deutschland bläst, nach Experten-Ansicht nicht das größte Problem.

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