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Exkursion ins Krumme Elsass nach La Petite-Pierre

Auch mal schön : Wo das Elsass einen Buckel macht (mit Bildergalerie)

Eine knappe Stunde braucht man von Saarbrücken nach La Petite-Pierre im malerischen „Krummen Elsass“. Nach der Pandemie hat man diese Ecke Frankreichs noch fast für sich.

Warum nicht mal wieder hinter Saarbrücken einfach Richtung Sarreguemines abbiegen? Dann rauf auf die routes départementales 919 und 9, diese schnurgeraden französischen Landstraßen, die aber jeden Buckel, den die Landschaft macht, mitnehmen? Allzu lange hat uns ja die Pandemie die kurze Flucht aus dem Alltag zu unseren Nachbarn verwehrt. Jetzt geht’s wieder.  

Ein Stündchen kurvt man so entspannt bis ins Alsace Bossue, was man eigentlich nicht als „krummes“, sondern als „buckliges“ Elsass übersetzen müsste. Der Blick auf die abgegriffene Michelin-Landkarte im Handschuhfach, die anders als das neunmalkluge Navi, das keine Umwege kennt, immer noch zu Entdeckungen reizt, zeigt sofort, dass dieser Landstrich im Norden eine Art Buckel über dem stolzen Elsass zwischen Straßburg, Colmar und Mulhouse formt. Unten im Süden ebnet es sich Richtung Rhein hin schon sanft. Im Norden, näher am Saarland, tanzen wild die grünen Hügel, auf denen die Kühe für die Drulinger Milch und Butter weiden.

Von unserem Tagesziel, La Petite-Pierre, blickt man sogar von einem mächtigen Felsporn, auf dem die Burg Lützelstein thront, in ein tiefes, baumgrünes Tal. Die zig Mal umgebaute Burg, die mit dem Ort La Petite-Pierre ( „kleiner Stein“), den Namen teilt, wachte hier einst über den Zugang von Lothringen ins Elsass. Irgendwann mal strategisch wichtig. Heute versinkt das Örtchen, welches per Schild in der Hauptstraße stolz annociert, dass hier „Faubourg“, also die Vorstadt beginne, auch samstags schon in Sonntagsruhe. Bloß auf einer Sommerterrasse, in der typischen französisch-deutschen Melange„le biergarten“ getauft, geht es lauter zu: Motorradfahrer aus Osnabrück auf Tour de France tanken gerade auf und sind begeistert „wie schön es hier ist“.

Noch aber ist es vergleichsweise ruhig in La Petite-Pierre. Längst strömen noch nicht wieder so viele Touristen wie vor Corona. Deshalb bekommt man im Tal, in der idyllisch in den Wald geschmiegten Auberge d’Imsthal auch ohne Mühe einen Platz, selbst wenn die Terrasse schon gut gefüllt ist. Schon in der dritten Generation wird das Restaurant samt Hotel in Familenhand geführt. Hier greift der Koch nicht nach den Sternen. Doch nach sechs Escargots vorweg, einem Rinderfilet „Vieux Strasbourg“ und einer wunderbaren Tarte wird einem wieder mal klar, warum Frankreich das Mutterland der guten Küche ist. Einfach – und doch paradiesisch.

Rund 630 Menschen leben heute in La Petite-Pierre. Die meisten in kundig sanierten und liebevoll rausgeputzten Häusern, die schon alt waren, als Napoleon Kaiser der Franzosen werden wollte. Landwirtschaft und Tourismus, das ist hier für viele Existenzgrundlage. Einige fahren auch täglich bis nach Hambach zur Arbeit, und bangen, ob es nach dem Verkauf des Smartwerks an Ineos irgendwie weitergeht. „Die jonge Leid gehn all’ foard“, sagt eine ältere Frau und zeigt auf ein Haus mit einem Schild „à vendre“ (zu verkaufen) – Mauerwerk wie Verkaufsschild sind schon reichlich verwittert. Auch in einem Paradies ist eben nicht alles, wie es sein soll.

Eine gute Gelegenheit, La Petite-Pierre wiederzuentdecken, bietet das Open-Air-Jazz-Festival „Au grès du Jazz“ vom 7. bis 15 August.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Malerische Eindrücke aus La Petite-Pierre