Donald Trump und der Ort seiner Vorfahren : Landet Donald Trump doch noch in der Pfalz?

Kommt Trump? Oder doch nicht? Mit gemischten Gefühlen verfolgt der pfälzische Winzerort Kallstadt die Spekulationen über die Reisepläne des US-Präsidenten. Dessen Großvater Friedrich war einst von hier in die USA ausgewandert.

  Zwei Mal war Donald Trump seinen deutschen Wurzeln ganz nahe. Auf dem Heimweg aus dem Irak (2018) und aus Afghanistan (2019) legte der US-Präsident einen Stopp auf dem US-Stützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein ein. Von dort sind es nach Kallstadt, dem Heimatort seiner Vorfahren väterlicherseits, nur etwa 60 Kilometer – eigentlich keine große Entfernung für die schnellen Hubschrauber des riesigen Militär-Areals bei Kaiserslautern. Doch nach einem kurzen Treffen Trumps mit Soldaten und Offizieren flog die Air Force One weiter. Nach Deutschland werde er „sehr bald“ kommen, sagte er auf dem G7-Gipfel im August in Biarritz. Wohl am 3. November 2020 findet in den USA die nächste Präsidentschaftswahl statt. Schafft es der Amtsinhaber vorher in die Pfalz?

Der Bürgermeister von Kallstadt reagiert gelassen auf die Ankündigung Trumps. „Wenn er kommt, dann kommt er, wenn er nicht kommt, dann kommt er nicht. Für mich hat das keine große Dringlichkeit“, sagt Thomas Jaworek (CDU). Für die Sicherheitskräfte wäre ein Besuch des US-Präsidenten in dem engen Winzerort sicher „eher ein Alptraum“. Wäre Trump willkommen? „Die Straßen wären nicht leer, aber jubelnde Massen sind schwer vorstellbar“, meint Jaworek. Er könne verstehen, dass die Sicherheitsmaßnahmen viele Bürger abschrecken würden. Bloß lächelnd dabeistehen würde er nicht, sagt der Bürgermeister des Ortes mit etwa 1200 Einwohnern. „Kallstadt ist eine Modellkommune für mehr Nachhaltigkeit im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Ich würde dem US-Präsidenten sagen, dass man auch im Kleinen viel bewegen kann.“ Auch in den USA gäbe es Kommunen, die wie Kallstadt dabei seien, einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu bringen, unterstreicht Jaworek.

Trump war zwar zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg, aber in Berlin war er seit seinem Amtsantritt noch nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brachte ihm 2018 bei einem Besuch im Weißen Haus einen Kupferstich von 1705 mit – mit einer Karte der Pfalz, auf der Kallstadt zu sehen ist. Auch US-Botschafter Richard Grenell hatte eine Reise des 73-Jährigen in Aussicht gestellt. „Ich weiß nicht wann, aber er hat mir gesagt, dass er kommen und den Heimatort seiner Familie sehen will“, sagte Grenell im Dezember 2018.

Es wäre nicht der erste Besuch eines US-Präsidenten in Rheinland-Pfalz, George W. Bush etwa reiste 2005 nach Mainz. Wie sieht man dort die Spekulationen um Trump? „Wenn ein amerikanischer Präsident entscheidet, unser wunderschönes Bundesland zu besuchen, wird Rheinland-Pfalz ein guter Gastgeber sein“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im August. Das Zitat gelte weiterhin, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit.

Kritik an Trump ist in Rheinland-Pfalz auch zu hören. Als im Oktober US-Strafzölle wirksam wurden, die dem deutschen Weinbau große Sorgen bereiten, war der Ärger in der Weinanbauregion gewaltig. Und immer wieder drohen die USA mit einem Teilabzug ihrer Truppen. Mit 35000 US-Soldaten gilt Deutschland als wichtigster Stützpunkt der USA in Europa. Mehr als die Hälfte davon ist in Rheinland-Pfalz stationiert – die US-Armee ist damit auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Trump scheint zu Deutschland ein eher ambivalentes Verhältnis zu pflegen. Einerseits kritisiert der US-Präsident Deutschland immer wieder – etwa wegen der Ostseepipeline Nord Stream 2. Andererseits hat er sich wiederholt fast schon enthusiastisch über Merkel geäußert. „Sie ist wirklich eine fantastische Frau“, sagte er etwa unlängst bei einem Mittagessen mit Botschaftern im Weißen Haus. Und bei einem Treffen mit Merkel: „Ich habe Deutsches in meinem Blut.“

Merkel sagte damals, es gebe „noch kein spezifisches Datum“ für den Besuch. Sie hat Trump bereits mehrfach eingeladen. Der US-Präsident war seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 trotzdem noch nicht zu einem bilateralen Besuch in Deutschland. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Barack Obama reiste keine fünf Monate nach seiner Amtseinführung nach Dresden, um dort im Juni 2009 Merkel zu treffen.

„Für mich hat das keine große Dringlichkeit“, sagt Kallstadts Bürgermeister Thomas Jaworek. Foto: picture alliance / Uwe Anspach/dpa/dpa Picture-Alliance / Uwe Anspach

Bereits im Januar könnten jedoch Spekulationen um einen möglichen Besuch von Trump in Kallstadt neue Nahrung erhalten. Der 73-Jährige könnte ja Ende des Monats vom Weltwirtschaftsforum in Davos nach Deutschland reisen, heißt es – allerdings ist nicht einmal die Teilnahme am Gipfel in der Schweiz bestätigt. Im Januar 2018 besuchte der Frankfurter US-Generalkonsul James W. Herman kurz Kallstadt und wurde als eine Art Vorauskommando wahrgenommen. Seitdem aber, sagt Bürgermeister Jaworek, habe er nichts Offizielles mehr gehört.