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Cloke: „Es stand eine schwerwiegende Überschwemmung bevor“

Cloke: „Es stand eine schwerwiegende Überschwemmung bevor“

Die Überschwemmungen Mitte Juli 2021 in Rheinland-Pfalz entsprachen nach Einschätzung der britischen Expertin Hannah Cloke „genau dem, was mehrere Tage im Voraus vorausgesagt worden war“. Am 9./10. Juli habe das europäische Hochwasser-Warnsystem EFAS für das Rhein-Einzugsgebiet mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ein Hochwasser ab dem 13. Juli vorhergesagt, berichtete die Hydrologie-Professorin am Freitag im Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz.

„Es stand eine schwerwiegende Überschwemmung bevor“, sagte die Professorin von der britischen University of Reading und freie EFAS-Beraterin. „Es gab eine Warnung von beträchtlichem Schweregrad“, und sie sei sehr überrascht gewesen, dass dennoch so viele Menschen bei der Flutkatastrophe ums Leben gekommen sind.

„Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass das System versagt hat.“ Diese Kritik beziehe sich aber nicht auf bestimmte Teile in Rheinland-Pfalz. Sie wisse nicht, wie die EFAS-Meldungen in nationale und regionale Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen würden.

„Wir wollten nur Frühwarnungen zur Verfügung stellen, dass etwas Ernsthaftes bevorsteht“, sagte Cloke. Das sei dann der Zeitpunkt, an dem sich die nationalen Behörden mit eigenen Informationen ein Bild der Lage machen, informieren und handeln sollten.

„Unsicherheit ist ein wichtiger Bestandteil der Hochwasser-Vorhersge“, betonte die Sachverständige. „Aber wenn man gut auf Hochwasser vorbereitet ist, muss man den Hinweis aufnehmen und sich vorbereiten.“ In einer ersten Stufe könnten sich die Menschen dann auf eine Evakuierung vorbereiten und in der zweiten könnte die Evakuierung erfolgen.

Bei der Flutkatastrophe vor genau einem halben Jahr - vom 14. auf den 15. Juli - sind im nördlichen Rheinland-Pfalz insgesamt 135 Menschen gestorben, davon 134 im Ahrtal.

© dpa-infocom, dpa:220114-99-713155/3

(dpa)