Andreas S. soll Polizistin regelrecht hingerichtet haben Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage im Fall Kusel – grausame Details zum Tatablauf veröffentlicht

Update | Kaiserslautern · Im Polizistenmord von Kusel hat die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern Mordanklage erhoben. Sie schildert dabei detailliert, wie die zwei Morde den Ermittlungen zufolge abgelaufen sein sollen. Demnach soll der 38-jährige Andreas S. vor allem die Polizistin regelrecht hingerichtet haben.

Anklage im Polizistenmord von Kusel erhoben – neue grausame Details zum Tatablauf​
Foto: dpa/Harald Tittel

Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat Mordanklage gegen den 38-jährigen Andreas S. im Fall der mutmaßlichen Polizistenmorde von Kusel erhoben. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag, 10. Mai, mit. Die Ermittlungen hätten bestätigt, dass der 38-Jährige allein verantwortlich war für die tödlichen Schüsse auf die Polizistin Yasmin B. († 24) und den Polizisten Alexander K. († 29). Ursprünglich war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, S. hätte am 31. Januar gemeinsam mit einem heute 33-jährigen Komplizen die Polizisten getötet, um Wilderei zu vertuschen.

Allerdings bestritt dieser „Komplize“ nach seiner Festnahme, auf die Polizisten geschossen zu haben. Das glaubt ihm auch die Staatsanwaltschaft, den Haftbefehl hat sie bereits Anfang März aufgehoben, auch das Mord-Verfahren gegen den inzwischen 33-Jährigen hat sie eingestellt.

Brutale Vorgehensweise – Mord per Kopfschuss?

Am Dienstag hat die Staatsanwaltschaft nun mitgeteilt, wie die Tat an der Landstraße bei Ulmet aus ihrer Sicht abgelaufen sein soll: „Der Tathergang stellt sich danach wie folgt dar: Den ersten Schuss gab der 38-Jährige nach dem Vorwurf der Anklage überraschend aus der Schrotflinte aus kurzer Entfernung auf den Kopf der Polizeibeamtin ab, die dadurch schwerverletzt und bewusstlos auf die Straße stürzte, so dass der 38-Jährige davon ausging, dass sie tot war. Den zweiten Schuss gab er ebenfalls aus der Schrotflinte aus größerer Entfernung auf den männlichen Polizeibeamten ab, den er am Gesäß traf. Der Polizeibeamte schoss zur Verteidigung mit seiner Dienstpistole. Der 38-Jährige schoss daraufhin dreimal mit einem Jagdgewehr auf den Polizeibeamten und verletzte ihn jedes Mal schwer. Der letzte Schuss traf den Polizeibeamten am Kopf und war tödlich. Als der 38-Jährige dann die auf der Straße liegende Polizeibeamtin nach für ihn kompromittierenden Notizen durchsuchte, bemerkte er nach dem Ergebnis der Ermittlungen, dass sie noch lebte und gab mit der Schrotflinte einen weiteren Schuss auf ihren Kopf ab.“

Anklage wegen Mord

In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft ihm deshalb einen versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie zwei weitere vollendete Morde vor, zusätzlich Widerstand und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Die Staatsanwaltschaft geht auch davon aus, dass der 38-Jährige „zur Verdeckung der Jagdwilderei handelte, sowie beim zweiten und dritten Tötungsdelikt zur Verdeckung bereits begangener Tötungsdelikte“. Ferner hätten die Ermittlungen ergeben, dass der 38-Jährige zum Zeitpunkt der Tat seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch die Jagdwilderei und den Verkauf der Beute erzielte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm daher vor, die Polizeibeamten „aus Habgier getötet zu haben“, um weiter wildern zu können. Lars Nozar, der Strafverteidiger von Andreas S., wollte sich am Dienstag nicht zur Mordanklage äußern.

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Anklage auch gegen den 33-Jährigen

Sowohl dem 38-Jährigen als auch dem 33-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft mit der Anklage gemeinschaftliche gewerbsmäßige Jagdwilderei zur Nachtzeit vor. Gegenstand dieses Anklagepunkts ist nur die Jagdwilderei in der Tatnacht der Morde. Wegen weiterer Wildereivorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Hier werden sowohl S. als auch der 33-Jährige als Beschuldigte geführt. Details zu diesem Verfahren sind bisher nicht bekannt, eine Sprecherin der Saarbrücker Staatsanwaltschaft erklärte am Dienstag, dass es „im Wesentlichen“ um waffen- und jagdrechtliche Verstöße gehe.

In Kaiserslautern wirft die Staatsanwaltschaft dem 33-Jährigen auch „versuchte Strafvereitelung“ vor, da er Andreas S. bei dem Versuch geholfen haben soll, Spuren zu beseitigen.

Zur Schuldfähigkeit beider Beschuldigter hat die Staatsanwaltschaft psychiatrische Gutachten eingeholt. Die Sachverständigen gegen ihr abschließendes Gutachten erst in der Hauptverhandlung. Nach ihrer vorläufigen Bewertung gebe es aber bei keinem Beschuldigten Anhaltspunkte für eine Einschränkung der Schuldfähigkeit.

Tatwaffen gehörten der Frau von Andreas S., gegen die nun auch ermittelt wird

Die Tatwaffen seien die Schrotflinte und das Jagdgewehr, die die Polizei am 31. Januar am Festnahmeort in Sulzbach sichergestellt haben. Die Schrotflinte hatte der 38-Jährige vor längerer Zeit in einem Waffengeschäft im Saarland erworben und an eine Privatperson verkauft. Mitte 2021 soll die Ehefrau des 38-Jährigen die Waffe von dieser erworben haben. Bereits im Frühling 2021 hatte die Ehefrau des 38-Jährigen das Jagdgewehr laut Staatsanwaltschaft in einem weiteren Waffengeschäft im Saarland gekauft. Der 38-Jährige lebte mit seiner Ehefrau, die die Waffen legal besaß, zusammen. Die näheren Umstände, wie der 38-Jährige in den Besitz der Tatwaffen kam, seien Gegenstand eines laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gegen die Ehefrau wegen fahrlässiger Tötung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Diese Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Das Schwurgericht in Kaiserslautern habe jetzt über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den 38-Jährigen und den 33-Jährigen zu entscheiden. Der 38-Jährige befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft.

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