Angeklagter gesteht tödliche Attacke auf 21-Jährige

Angeklagter gesteht tödliche Attacke auf 21-Jährige

Mit einer langen und zeitweise beschwerlichen Befragung des Angeklagten hat der Prozess um die tödliche Messerattacke auf eine 21-Jährige in Worms begonnen. Der beschuldigte 28-jährige damalige Freund äußert sich am Montag vor dem Landgericht Mainz zwar ausführlich, seinen Ausführungen ist mitunter aber schwer zu folgen.

Eine zentrale Frage dürfte werden, ob der Tunesier vermindert schuldfähig ist und ob er an einer psychotischen Störung leidet.

Es geht in dem Prozess um eine Tat, die im März 2019 über Worms hinaus viele Menschen erschütterte. Das 21 Jahre alte Opfer wurde in einem Zimmer in der Wohnung ihres Vaters erstochen, laut Anklage erlitt die junge Frau 30 Verletzungen und starb noch am Tatort. Danach gab es einen Trauermarsch und einen Gedenkgottesdienst.

Zum Prozessauftakt im vollbesetzten Saal 201 des Landgerichts ist auch eine Schulklasse gekommen, vor dem Raum müssen alle Besucher durch eine Sicherheitskontrolle. So hat es der Vorsitzende Richter Wolfgang Eckert angeordnet. Im Saal sitzt Eckert vor einem Wandbild, das drei Schicksalsgöttinnen aus der griechischen Mythologie zeigt. Ein paar Meter weiter ist der Platz des Angeklagten in rotem Pullover und roter Jogginghose neben einem Dolmetscher. Er schildert, wie er die 21-Jährige im Oktober 2018 kennengelernt hat, berichtet er über die Zeit bis zur Tatnacht auf den 6. März 2019, in teils schwer nachvollziehbarer Form. Immer wieder fragt Eckert, was der 28-Jährige nun genau meine, wo und wann was geschehen sei.

In der Beziehung mit der 21-Jährigen habe es immer mal wieder Probleme gegeben, erzählt der Angeklagte. Er habe nach Italien zu seinem Kind mit einer anderen Frau gewollt, sie habe ihn gebeten, zu bleiben. Einmal sei er schon auf dem Weg nach Italien gewesen und wegen fehlender Papiere in der Schweiz inhaftiert worden. Die 21-Jährige habe ihn angerufen und überredet, zurückzukommen.

Das spätere Opfer soll ihn eines Nachts betäubt und vergewaltigt haben. Das habe die 21-Jährige gefilmt und ihm in der Tatnacht davon erzählt. Er sei wütend geworden, regelrecht in einem Fieber gewesen, habe nach einem Messer gegriffen und sie von hinten angegriffen. „Sie hat mich zerstört, ich bin ein Mann“, erklärt der 28-Jährige. Sie habe ihn in seiner Männlichkeit verletzt. Aber nein, konkret mit dem Video gedroht habe sie nicht, auch habe er es sich nicht zeigen lassen. Auf die Frage, ob er wirklich wisse, dass er vergewaltigt worden sei, sagt er, das spüre man. Es ist nur eine von mehreren Stellen, an denen zum Prozessauftakt große Fragezeichen bleiben.

Nach der Tat lief der 28-Jährige zur Polizei und stellte sich. Das bestätigten am Montag auch mehrere Polizisten im Zeugenstand. Einem Gruppenleiter zufolge gab der Angeklagte damals an, seine Freundin „totgemacht“ zu haben. Gekommen sei er um kurz nach drei Uhr morgens, erinnert sich eine Beamtin. Die Hände des Mannes seien blutverschmiert gewesen, der Atem-Alkoholtest habe 0,0 Promille ergeben.

Der 28-Jährige selbst, ein abgelehnter Asylbewerber, sagt auch, er habe sich nie vorstellen können, dass ihm so etwas passieren könne. Es habe keinen Grund gegeben, seine damalige Freundin umzubringen. In dem Moment bricht die Mutter des Opfers, die Nebenklägerin ist und immer wieder kopfschüttelnd und mit den Händen vor dem Gesicht dasitzt, in Tränen aus.

Terminübersicht Landgericht Mainz

Mitteilung des Gerichts zum Prozessauftakt

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