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464 in Grenzregion Grand Est an Corona-Virus erkrankt

Risikogebiet Grand Est : Mittlerweile mehr als 464 Kranke in Grand Est - Die meisten im Elsass

Mülhausen gilt weiterhin als „Corona-Cluster“. Lothringische Firmen melden einzelne Fälle, unter anderem das AKW Cattenom.

Während das Robert Koch Institut die gesamte Region Grand Est zum Risikogebiet erklärt hat, gilt in Frankreich selbst nach wie vor in diese Region lediglich das Département Haut-Rhin (Colmar) als „Corona-Cluster“. Dort sind die Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden wieder angestiegen. 67 neue Personen wurden positiv auf den neuen Virus getestet. Somit steigt die Zahl der infizierten Patienten im Grand Est auf 464. 360 davon sind im Elsass (Département Haut-Rhin und Bas-Rhin) festgestellt worden. Bei einer Pressekonferenz der Präfektur in Metz kritisierte der Leiter der regionalen Gesundheitsbehörde ARS gegenüber französischen Medien die Entscheidung vom RKI, den ganzen Grand Est als Risikogebiet zu kennzeichnen. Es gebe dort Départements wie die Haute-Marne und die Ardennes, wo bisher jeweils ein einziger Fall nachgewiesen wurde.

Die meisten Fälle stammen nach wie vor aus dem Gebiet um Mülhausen, wo Dutzende von Menschen sich bei einer religiösen Großveranstaltung angesteckt hatten. Im Mülhausener Krankenhaus werden zurzeit 84 Corona-Patienten behandelt, zehn von ihnen auf der Intensivstation. Dort wurden auch die Schulen geschlossen, was in den anderen Départements der Region noch nicht stattgefunden hat. Lediglich eine Grundschulklasse war in Woippy im Grenzdépartement Moselle vorsorglich in Quarantäne geschickt worden, nachdem die Lehrerin positiv getestet worden war.

Im Département Moselle sind zurzeit 47 Menschen am Corona-Virus erkrankt. Bisher finden in Lothringen 48 Tests täglich statt. Der Leiter der regionalen Gesundheitsbehörde ARS, Christophe Lannelongue, sagte gegenüber dem Radiosender France Bleu, man werde bis Ende der Woche die Zahl der Tests auf 90 täglich hochfahren und für die Auswertung auch auf Kapazitäten von Privatlaboren zurückgreifen.

Auch in größeren lothringischen Unternehmen wurden vereinzelt Mitarbeiter positiv auf den Corona-Virus getestet. Das ist zum Beispiel der Fall beim Automobil-Hersteller PSA in Tréméry bei Metz, bei Arcelor Mittal in Florange und beim AKW Cattenom. Dort wurde ein Mitarbeiter am Freitag positiv getestet. „Er weist keine schweren Symptome auf und wird zu Hause betreut. Alle 18 Menschen, die bei ihrer Arbeit einen engeren Kontakt zu ihm hatten, wurden vorsorglich für 14 Tage nach Hause geschickt“, sagte eine Sprecherin unserer Zeitung. Alle Besichtigungen und öffentliche Veranstaltungen im AKW sind bis auf Weiteres abgesagt.

Die Vorsitzende des Europaausschusses im Landtag des Saarlandes und Vorsitzende der interregionalen Kommission für Innere Sicherheit, Katastrophenschutz und Rettungsdienste im interregionalen Parlamentarierrat (IPR), Helma Kuhn-Theis, appellierte an eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen allen Partnern der Großregion. Das IPR fordert unter anderem die sofortige Einrichtung eines interregionalen Krisenstabs. „Wir haben die zuständigen Stellen aufgefordert, die zeitnahe Entwicklung und Implementierung eines interregionalen Pandemieplans voranzubringen und ein interregional abgestimmtes Informationsangebot für Bürgerinnen und Bürger in der Großregion bereit zu stellen“, so Kuhn-Theis.