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Bleibt Saarlouis Garnisonsstadt?

Bleibt Saarlouis Garnisonsstadt?

Saarlouis. Bleibt Saarlouis Garnisonsort, wie es seit Gründung der Stadt 1680 ist? Bleibt die Bundeswehr in Lebach? Offenbar ist das definitiv noch nicht entschieden. Welche Standorte nach der großen Reform der Bundeswehr noch bestehen und welche nicht, ist offen. "Wir können noch gar nichts sagen", erklärte gestern der Sprecher der Saarlandbrigade, Hauptmann Marcel Engels

Saarlouis. Bleibt Saarlouis Garnisonsort, wie es seit Gründung der Stadt 1680 ist? Bleibt die Bundeswehr in Lebach? Offenbar ist das definitiv noch nicht entschieden. Welche Standorte nach der großen Reform der Bundeswehr noch bestehen und welche nicht, ist offen. "Wir können noch gar nichts sagen", erklärte gestern der Sprecher der Saarlandbrigade, Hauptmann Marcel Engels. "Vermutlich im März wird bekannt, wohin die Reise insgesamt geht." Das muss dann noch nicht die Entscheidung über einzelne Standorte sein. Denn für Mai hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Bürgermeister der deutschen Garnisonsstädte zum Gespräch eingeladen. OB Roland Henz wird hinfahren.Das Saarland, sagte gestern Jürgen Paschek, Mitglied der SPD-Fraktion in Saarlouis, müsse einfach Standort bleiben. "Es ist eine Frage der Ehre." Denn seit 20 Jahren, seit einem humanitären Einsatz in Kambodscha, sei die Luftlandebrigade 26 in allen Einsätzen und stets unter den Ersten dabei gewesen. "Da wurde ordentliche Arbeit geleistet." Immer wieder wurde den Fallschirmjägern aus dem Saarland bescheinigt, zur Elite der Bundeswehr zu gehören.

Paschek ist verteidigungspolitischer Sprecher der Landes-SPD. Er bestätigt: Es gibt derzeit viele Spekulationen um die Zukunft der Fallschirmjäger im Saarland. Grundlage: Offenbar hat sich durchgesetzt, aus den beiden Fallschirmjägerbrigaden 26 (Saarland) und 31 (Oldenburg/Niedersachsen) ein Regiment zu machen. Aufgaben sollen von den Fallschirmjägern auf die leichte Infanterie, Jäger, verlagert werden. Die sind schon deswegen billiger, weil sie kein eigenes Fluggerät haben.

Von 7000 Fallschirmjägern blieben dann rund 2000. Sollte dieses Regiment im Saarland stationiert werden, brauchte es nicht alle vier Standorte: Saarlouis, Lebach, Merzig und Zweibrücken mit derzeit zusammen 3500 Soldaten.

Die größten Sorgen, sagt Paschek, "macht Lebach". Der Übungsplatz ist weit weg, es gebe Beschwerden über Hubschrauberlärm. Allerdings hat gerade Lebach bisher ohne Wenn und Aber hinter seiner Garnison gestanden.

Merzig, die Ell, wäre eine Immobilie, aus der der Bund kaum etwas erlösen könnte. Das spricht eher für den Fortbestand. Paschek: "Das Gelände eignet sich auch, um die Luftlande- und Lufttransportschule Altenstadt (Bayern) aufzunehmen, falls deren Standort aufgelöst wird."

Der Standort Saarlouis wird nach Informationen von Paschek derzeit nicht infrage gestellt. Dennoch: Mit einer Stärke von nur rund 680 Soldaten ist ein Standort grundsätzlich gefährdet. Zumal, wenn die Vermarktung des Geländes so verlockend aussieht wie in Saarlouis: stadtnah und im Anschluss an ein Gewerbegebiet.

Interesse an der Kaserne soll auch der Bundesgrenzschutz haben. Dem Vernehmen nach hat er schon mal Räume vermessen lassen. Paschek kennt ein weiteres Szenario: Die Kaserne könnte auch als eines der bundesweit vier Test-Zentren für die künftigen Freiwilligen der Bundeswehr dienen.

Rund 55 Millionen Euro sind in den letzten Jahren für Baumaßnahmen der Brigade ausgegeben worden, sagt Paschek. 50 weitere Millionen seien für Aufträge an den heimischen Mittelstand bereits eingeplant.

Morgen schon will Paschek Neues erfahren: in Berlin, beim Arbeitskreis Sicherheit und Verteidigungspolitik des SPD-Bundesvorstandes.

Meinung

Besser ist es nirgendwo

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Das Verteidigungsministerium darf nicht außer Acht lassen, dass es einen doppelten Schnitt machen wird: Verkleinerung von Armee und Zahl der Standorte sowie den Wechsel von der Wehrpflichtigen- zur Berufsarmee. Das wird ganz neue Fragen der Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung stellen. Bessere Voraussetzungen dafür als in Saarlouis, Lebach und Merzig werden sich wohl nirgends finden lassen. Das gilt auch für die militärische Infrastruktur aus Standorten und Übungsplätzen in der Region.

 Offen, ob es diese Bilder auch künftig geben wird: Wechsel von General Fritz (links) zum derzeitigen Kommandeur der Saarlandbrigade, dem heutigen General Eberhard Zorn in Saarlouis. Foto: see
Offen, ob es diese Bilder auch künftig geben wird: Wechsel von General Fritz (links) zum derzeitigen Kommandeur der Saarlandbrigade, dem heutigen General Eberhard Zorn in Saarlouis. Foto: see

Zweibrücken und der Übungsplatz Baumholder liegen zudem in Rheinland-Pfalz - vom Erhalt des Standortes Saarland profitierten also zwei Bundesländer.