Katholische Kitas im Saarland Streit um katholische Kitas: Bistum Trier weist Vorwurf der Erpressung zurück

Saarbrücken · Das Bistum Trier bleibt bei seinen Plänen, die Bauträgerschaft von rund 100 sanierungsbedürftigen Kitas im Saarland und Rheinland-Pfalz an die Kommunen abzugeben. Drei Einrichtungen wurden zwischen 2020 und 2022 an Saar bereits geschlossen.

 Das Bistum Trier möchte die Bauträgerschaft von 100 katholischen Kitas im Saarland und Rheinland-Pfalz an die Kommunen abgeben.

Das Bistum Trier möchte die Bauträgerschaft von 100 katholischen Kitas im Saarland und Rheinland-Pfalz an die Kommunen abgeben.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Das Bistum Trier hält trotz scharfer Kritik an seinen umstrittenen Plänen fest, 100 dringend sanierungsbedürftige katholische Kitas in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aus Kostengründen bis 2029 an die Kommunen abzugeben. Im saarländischen Teil des Bistums sollen dabei bis Ende des Jahrzehnts die Kita-Bauträgerschaften um 29 bis 34 reduziert werden, kündigten der Abteilungsleiter Kindertageseinrichtungen im Bischöflichen Generalvikariat Trier, Georg Binninger, und die Abteilungsleiterin im Diözesan-Caritasverband Trier, Angela Thelen, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Saarbrücken an.

Bistum Trier erklärt: So geht es mit den Kitas im Saarland weiter

In 19 Fällen liefen im Saarland bereits Gespräche und Verhandlungen mit Kommunen zur Aufgabe der Bauträgerschaft. Acht Bauträgerschaften seien bereits im Zeitraum der Jahre 2020 bis 2022 abgewickelt worden, darunter drei Schließungen katholischer Kitas im Saarland, zwei davon in Saarbrücken- St. Johann und eine in Neunkirchen, hieß es. Nach der Umsetzung der längerfristigen Einsparvorgaben geht das Bistum aktuell aber davon aus, dass weiterhin etwa 75 bis 80 Kitas im Saarland in katholischer Bauträgerschaft betreut werden können. Auch das pädagogische Rahmenleitbild für katholische Kindertageseinrichtungen soll „mit Eltern und Familien zum Wohl der Kinder“ möglichst überall fortgeführt werden, kündigte Thelen an.

Kinder in geschlossenen Kitas sind schon in anderen Kindergärten untergekommen

Im Falle der drei bereits geschlossenen katholischen Kitas habe es in den sanierungsbedürftigen Gebäuden nicht mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten einzuhaltende Brandschutzauflagen oder in einem Fall in der Corona-Zeit auch Hygienemängel gegeben, erläuterte der Kaufmännische Geschäftsführer der Katholischen gGmbH Saarland, Rainer Borens, der SZ. Alle rund 120 betroffenen Kinder seien aber in anderen Kitas untergekommen. Zum Stand der derzeit schon laufenden Verhandlungen mit einzelnen Kommunen zur Übernahme der Bauträgerschaft von Kitas, wollten sich die Bistumsverantwortlichen noch nicht im Detail äußern. Kitas, zweitgrößter Haushaltsposten im Bistumsetat nach den Pfarreien, genössen aber weiterhin Schwerpunkt-Status.

In der Regel gebe man den Kommunen sechs Monate Zeit, um den Kauf oder einen Erwerb betroffener sanierungsbedürftiger Kitas auf Erbpacht zu prüfen, hieß es. Entscheide sich eine Kommune für einen kompletten Kita-Neubau, könne die alte Kita in katholischer Trägerschaft für die drei bis fünf Jahre Planungs- und Bauzeit weitergeführt werden.

Weiter 14 400 Kinder in Kindergärten des Bistums

Insgesamt betreibt das Bistum Trier nach eigenen Angaben derzeit im Saarland 163 Kindertagesstätten mit 714 Gruppen und knapp 14 400 zu betreuenden Kindern. Bei 101 Einrichtungen lag im Vorjahr zudem die Bauträgerschaft bei den katholischen Kirchengemeinden.

Für die katholischen Kitas im Saarland wurden im vergangenen Jahr laut Bistum insgesamt 16,2 Millionen Euro vorwiegend für Personal-, Sach- und Verwaltungskosten ausgegeben, darunter aber auch 2,1 Millionen Euro als Zuschüsse für Baumaßnahmen. Die Gesamtaufwendungen von gut 16 Millionen Euro für die Kitas sollen laut Haushaltssicherungskonzept des Bistums im gleichen jährlichen Umfang bis zum Jahr 2035 beibehalten werden. „Und dennoch sehen wir uns gezwungen, die Zahl der Bauträgerschaften zu verringern“, betonte Binninger vom Bischöflichen Generalvikariat. „Die steigenden gesetzlichen Anforderungen an Kita-Immobilien und die damit häufig zusammenhängenden hohen Gesamtkosten von Investitionsmaßnahmen überfordern häufig die ehrenamtlichen Gremien der Kirchengemeinde, die die Bauträgerschaften verantworten“, so Binninger.

Vorwürfe aus Kreisen der Politik und Medien, es handele sich bei den Plänen um unmoralische Angebote an die Kommunen oder gar Erpressungsversuche, wiesen die Bistumssprecher entschieden zurück.

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Foto: TV/Katharina de Mos

Personalmangel ist großes Problem in Kitas

Ein noch größeres Problem als die Frage der Bauträgerschaft für die katholischen Kitas sei der Personalmangel, hob Geschäftsführer Borens hervor. In einigen Kitas sei derzeit die Hälfte des Personals krank. Man müsse schon auf Quereinsteiger als Kitahelfer sowie spanische Erzieherinnen zurückgreifen, um den Betrieb ordnungsgemäß aufrechtzuerhalten. „Wir könnten locker 300 Kräfte mehr gebrauchen", sagte er der SZ. Hinzu komme, dass man im Saarland bei der angestrebten Beitragsfreiheit in den Kitas bis 2027 und steigender Nachfrage noch insgesamt 2000 bis 5000 Kindergartenplätze im Land zusätzlich brauchen werde.

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