1. Saarland

Biobauern wollen sich vor Gift schützen

Biobauern wollen sich vor Gift schützen

Im Bio-Landbau ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Mitteln wie Glyphosat verboten. Doch wie kann sich ein Biobauer schützen, wenn auf dem Nachbarfeld gespritzt wird? Ferdinand Rupp kämpft für seinen Bio-Acker in Neuforweiler.

Ferdinand Rupp ist stinksauer. Der Biobauer vom Sablonhof in Neuforweiler ärgert sich schon länger maßlos über den gedankenlosen Einsatz von Glyphosat durch konventionell arbeitende Kollegen. Nur: Die Anwendung ist völlig legal (siehe oben). Nach Meinung von Bauer Rupp wird die korrekte Anwendung zu wenig kontrolliert. So beobachtete er zum Beispiel Bauern, die auch bei Wind spritzen, wobei das Gift auf die umliegenden Flächen gelangt.

Zum Beispiel auf sein Feld. Im Rahmen der Bebauung des Lisdorfer Berges hat die Stadt Saarlouis 2012 Ausgleichsflächen in Neuforweiler ausgewiesen. Dort wird nun konventionelle Landwirtschaft betrieben. Das bedeutet: Der Einsatz von Herbiziden findet regelmäßig statt - in unmittelbarer Nachbarschaft zu ökologischen Anbauflächen. Ein Feld, das Ferdinand Rupp für Bio-Anbau nutzt, hat sogar ein anderer Bauer einfach mitgedüngt, empört er sich, und damit unbrauchbar gemacht. "Wir haben die Felder 20 Jahre lang aufgebaut, das wird jetzt alles zerstört." Die Stadt hat es nach seiner Ansicht versäumt, die Felder als Naturschutzgebiet auszuweisen oder wenigstens Auflagen für Landwirte zu erteilen.

Der Abstand zu einem Feld, das ökologisch bewirtschaftet wird, muss etwa beim Spritzmittel "Round up" (Monsanto) gerade mal einen Meter betragen. Wie können sich also Biobauern vor dem Pflanzengift auf dem Nachbarfeld schützen? "Bei sachgerechter Anwendung sollte es zu keiner Abdrift auf benachbarte Flächen kommen", heißt es dazu lediglich aus dem saarländischen Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Überlegungen, eigene Bestimmungen für das Saarland festzulegen, oder den Einsatz des umstrittenen Glyphosats ganz zu verbieten, wie es auch die Saar-Piratenpartei fordert, gebe es nicht.

Rupp ist Sprecher der Initiative "Anti Gift und Gen". Im Mai 2001 gründete sich dieser Kreis aus Biobauern und Verbrauchern im Raum Saarlouis. "Stoppt den Chemie- und Gen-Wahnsinn auf unseren Äckern!" - diese Parole hat sich "Anti Gift und Gen" auf die Fahnen geschrieben. Ihre Forderungen: EU-weite Umstellung auf ökologischen Landbau, Verbot der Massentierhaltung, Verbot der Herstellung und Anwendung von giftigen Dünge- und Spritzmitteln sowie Verbot der Genmanipulation bei Pflanzen und Tieren. Dabei beruft sie sich auf das saarländische Naturschutzgesetz: "Jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden." Seit über zehn Jahren kämpft die Initiative - bisher erfolglos. Einige Mitglieder haben inzwischen vor der Übermacht der Lobby großer Agrar- und Pharmakonzerne resigniert. Doch Rupp gibt nicht auf, er träumt vom Saarland als große Bioregion, mit Öko-Landbau als Alleinstellungsmerkmal: "Das ist möglich!"

Kontakt: Anti Gift und Gen, Initiativkreis ökologischer Bauern und Verbraucher, Ferdinand Rupp, Sablonhof 4, 66740 Neuforweiler, Telefon (0 68 31) 4 82 49, E-Mail: antigiftundgen@web.de.