"Billard ist eine Faszination"

St. Wendel. "Jérôme Barbeillon ist der aktuell beste Spieler in unserem Verein - und er spielt eigentlich nur für eine Aufwandsentschädigung", erklärt Klaus Müller

 Mal genau auf die Finger schauen: Billard ist Präzisionssport. Derzeit können die Fans den weltbesten Spielern im St. Wendeler Saalbau zusehen. Fotos: atb

Mal genau auf die Finger schauen: Billard ist Präzisionssport. Derzeit können die Fans den weltbesten Spielern im St. Wendeler Saalbau zusehen. Fotos: atb

St. Wendel. "Jérôme Barbeillon ist der aktuell beste Spieler in unserem Verein - und er spielt eigentlich nur für eine Aufwandsentschädigung", erklärt Klaus Müller. Und das ist auch der Grund, warum Barbeillon die Sonderberechtigung ("Wildcard") bekommen hat, die der Billard-Weltverband (Union Mondiale de Billard, UMB) bei großen Turnieren dem ausrichtenden Verein zugesteht. Vor zwei Jahren, als der Billardclub (BC) St. Wendel schon einmal die Dreiband-Weltmeisterschaft ausrichten durfte, war es Klaus Müller selbst gewesen, der sich mit der Weltelite messen durfte. Seine Bilanz: zwei Spiele, zwei Niederlagen, ein Satzgewinn. Auch im vergangenen Jahr war der heute 66-Jährige im Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaft, diesmal in Ecuador. Allerdings auf kuriosem Wege: Der Spieler, der eigentlich für Deutschland nominiert war, musste kurzfristig absagen. Der deutsche Verband wollte aus Kostengründen niemanden nach Mittelamerika nachschicken. Da Müller aber ohnehin in Ecuador Urlaub machte, um die WM als Gast zu besuchen, wurde er kurzerhand nachnominiert und tauschte die Touristenkleider gegen Billarddresscode. Gestern, zum Auftakt der Dreiband-WM 2008 in St. Wendel, spielte nun Jérôme Barbeillon; und zwar gleich im Eröffnungsspiel um 11 Uhr. Gegen den Panamerikanischen Meister der Jahre 2007 und 2008, Alexander Salazar aus Kolumbien, verlor er zwar mit 0:3 Sätzen, aber jeweils denkbar knapp (14:15, 14:15, 13:15). "Diese Leistungsklasse ist eine ganz neue Erfahrung für mich", erklärte der französischer Billard-Virtuose, der vor wenigen Wochen auch bei den Europameisterschaften in Frankreich mitspielte. Seit acht Jahren beim BCSeit rund 15 Jahren erst, und damit seit vergleichsweise kurzer Zeit für einen Mann seiner Klasse, spielt Barbeillon Dreiband. Beim BC St. Wendel ist er nun schon seit acht Jahren aktiv. Eine durchaus ungewöhnliche Liaison ist das, denn Barbeillion lebt in Paris und kommt nur zu den Spielen mit dem ICE nach Deutschland. Dort, in seiner Heimatstadt, gibt er mehrmals in der Woche Kurse für Nachwuchsspieler. "Selbst trainiere ich vielleicht rund zehn Stunden in der Woche", sagt er. Am heutigen Donnerstag tritt der Saar-Franzose erneut um 11 Uhr an. Gegner ist dann der Weltmeister von 2006, Eddy Merckx aus Belgien. "Meine Chance gegen ihn ist sicherlich nicht sehr groß. Aber ich freue mich sehr auf dieses Spiel", erklärt Barbeillon, der ohnehin mit vollem Herzen bei seiner Sportart ist. "Billard ist eine Faszination. Ich liebe es."