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Bilderreise zum Broterwerb von gestern

Bilderreise zum Broterwerb von gestern

Völklingen. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist eine "große Freude": So beschreibt Delf Slotta, Geograf in Diensten des Saarlandes - insbesondere der Landesgesellschaft "Industriekultur Saar" (IKS) -, seinen Eindruck vom bedeutendsten Denkmal der Region

Völklingen. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist eine "große Freude": So beschreibt Delf Slotta, Geograf in Diensten des Saarlandes - insbesondere der Landesgesellschaft "Industriekultur Saar" (IKS) -, seinen Eindruck vom bedeutendsten Denkmal der Region. Dass die Anlage komplett erhalten wurde, dass die zu Betriebszeiten "verbotene Stadt" heute fürs Publikum zugänglich ist, mit kilometerlangen Besucherwegen - all das, sagt Slotta, hätte bei der Stilllegung 1986 kaum jemand für möglich gehalten. Ja, das Völklinger Weltkulturerbe sei ein "Leuchtturm" der Industriekultur im Land.

Eben drum kommt es kaum vor in dem Vortrag, den Slotta am Dienstagabend bei der Ringvorlesung "Genialer Schrott" in der Erzhalle des Weltkulturerbes hält. Die Reise durch saarländische Industriekultur, zu der Slotta seine Zuhörer einlädt, beginnt mit Systematik. Industriekultur, das ist Slotta wichtig, umfasst außer Zeugnissen von Stahl und Kohle auch Spuren von Glas, Keramik, Mühlen und mehr. Und: Zur Industriekultur gehören neben Bauten auch Landschaften.

In Bildern stellt er Beispiele vor für geglückten Umgang mit dem industriellen Erbe. Die uralte Grube St. Barbara in Wallerfangen, in der Farbstoffe gewonnen wurden. Die Merziger Fellenbergmühle, einst feinmechanische Werkstatt. Die St. Ingberter Schmelz. Ex-Hütten-Flächen in Neunkirchen und Burbach. Die Gruben Göttelborn und Reden, deren Umnutzung die IKS direkt betreut. Und schließlich - "mein Lieblingsprojekt" - den Regionalpark Saar, der industriell geprägte (Halden-)Landschaften mit einfachen, aber konzeptionell durchdachten Mitteln erlebbar macht. Die Bilderreise endet mit einem Blick über die Grenze, aufs Musée de la Mine in Petite Rosselle. Dort, sagt Slotta, habe man sich mit dem modernen Museumsbau mutig auf Neuland gewagt; jedoch gebe es an den historischen Bauten noch viel zu tun.

Gewiss, er habe viel Wichtiges ausgelassen, räumt er ein auf Nachfragen aus dem Publikum. Doch alle Spuren zu erhalten, sei schon aus finanziellen Gründen unmöglich; man müsse Schwerpunkte setzen. Wie es dabei um die alte Grube Velsen stehe, will ein Zuhörer wissen. Die sei ein unerhört aussagekräftiger Standort, sagt Slotta energisch, sie gehöre unbedingt auf die saarländische Industriekultur-Landkarte. Aber wie bringt man ihn drauf, den bisher unerschlossenen, im tiefen Dornröschenschlaf liegenden Ort? Und wie schafft man es, andere Orte auf der Karte zu halten? Dazu gibt es keine Antworten. Freilich hat auch niemand danach gefragt.

Am 16. November, 19 Uhr, spricht Marita Pfeiffer (Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur) über den "Umgang mit rostigen Riesen".

Meinung

Das Netzwerk braucht Zukunft

Von SZ-Redakteurin

Doris Döpke

Delf Slotta, der die saarländischen Industriekultur-Zeugnisse bestens kennt, hat Recht, wenn er Gelungenes stolz vorzeigt und andererseits darauf verweist, dass beim (noch) nicht Verwirklichten die finanziellen Möglichkeiten endlich sind. Immerhin, der Anfang eines Industriekultur-Netzwerks, das touristisches oder wirtschaftliches Interesse auf sich zieht, ist geknüpft.

Doch wird und kann das Netz halten? Einige Industriekultur-Stätten an der Saar werden von Vereinen betreut. Ehrenamtler haben dort Enormes geleistet - doch auf lange Sicht stoßen sie an ihre Grenzen. Andernorts, etwa auf den Wanderwegen des Regionalparks Saar, haben schöne Projekte mit viel Elan und Start-Zuschüssen begonnen - aber wer sich mit welchem Geld um die Pflege kümmert, ist offen. Das Netzwerk braucht eine Absicherung für die Zukunft.

Eine Vorlesung ist keine Anleitung für den touristischen, finanzpolitischen oder wirtschaftlichen Alltag. Aber ein paar praxisbezogene Denkanstöße würden sie bereichern.