1. Saarland

Bettler sind mit unlauteren Mitteln unterwegs

Bettler sind mit unlauteren Mitteln unterwegs

Pech für ein Pärchen, das an einer Haustür klingelte, um Almosen zu erhaschen: Ihnen öffnete der Bewohner - ein Polizist in Zivil. Damit endete ihre Tour. Solche Bettler tauchen laut Ermittler zurzeit in vielen Gemeinden des Landkreises St. Wendel auf.

Namborn/Oberthal/Nohfelden/Nonnweiler/Tholey. Sie kommen zumeist in Gruppen von sechs bis acht Vertretern an ihren Einsatzort. Mit Kleinbussen angekarrt. Sprechen gebrochen Deutsch. Zumindest tun viele von ihnen so. Klingeln an Haustüren und halten den Bewohnern in der Regel abgewetzte Zettelchen vor. Radebrechend formulierte, Mitleid erhaschende Aussagen zu ihrem erbärmlichen Gesundheits- oder wirtschaftlichen Zustand darauf. Genau vor diesen Bettlern warnt die Polizei zurzeit eindringlich die Menschen im St. Wendeler Land.Seit vergangener Woche sollen solche Trupps in der Region verstärkt auftreten, meldet ein Sprecher der Türkismühler Polizeiinspektion. "Sie kommen wie Drückerkolonnen: Sie werden von ihrem Fahrer vor Ort ausgesetzt, schwärmen aus und schreiten zur Tat." Grundsätzlich verboten sei das nicht, nur lästig. Doch unter Vortäuschung falscher Tatsachen seien solche Aktionen durchaus strafbar. Der Ermittler: "Das ist Betrug." Beispielsweise wenn Bettler vorgeben, ihr Haus wäre in Kriegswirren auf dem Balkan zerstört worden, und nun stünde die Familie mittellos da.

In den meisten Fällen handle es sich um organisierte Kolonnen, "die genau so schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind". Und genau das sei auch das Problem für die Fahnder: Der Beamte: "Wenn wir kommen, sind die längst wieder weg." So auch in Namborn, Sötern, Schwarzenbach, Nonnweiler und Oberthal, wo besorgte Bürger sich an die Polizei wandten. Die St. Wendeler Kollegen meldeten einen Fall aus Tholey. Hier waren sie ebenso nicht mehr anzutreffen.

Allerdings in Nohfelden, wo ein Pärchen an einem Haus schellte und unverhofft vor einem Polizisten stand, der dort wohnt. Der Mann (19) und die 40 Jahre alte Frau erhielten kurz darauf einen Platzverweis. Mit wohl äußerst kurzfristigem Erfolg. "Dann schlagen sie wenig später woanders auf." So rät die Polizei, einfach nicht zu öffnen. Zu Einbrüchen in diesem Zusammenhang sei es indes nicht gekommen.