Betriebsrente nutzt beiden Seiten

Betriebsrente nutzt beiden Seiten

Die Zeiten, in denen die gesetzliche Rente ein finanziell gesichertes Leben nach der Erwerbstätigkeit garantierte, sind vorbei. Andere Formen der Alterssicherung gewinnen an Bedeutung, auch die Betriebsrenten. Die SZ hat sich bei den größten Arbeitgebern im Landkreis umgehört, welche Modelle zur betrieblichen Altersvorsorge sie anbieten.

"Die gesetzliche Rente über den Generationenvertrag wird nicht mehr ausreichen, daher sollten die Menschen im Betrieb als zusätzliches Standbein selbst vorsorgen", sagt Ernst Hein von der Personalabteilung des Merziger Medikamenten-Reimporteurs Kohlpharma. Das Unternehmen hat vor zehn Jahren "Kohl Vorsorge plus" als betriebliche Altersvorsorge auf den Weg gebracht. Die Grundzüge: Wenn Mitarbeiter sich für die Vorsorge entscheiden, verzichten sie auf mindestens 300 Euro ihres jährlichen Bruttogehalts und zahlen die Summe in eine Versicherung ein, die von einem Treuhänder verwaltet wird. Die Beiträge sind durch Pensionssicherungsfonds geschützt. Zusätzlich zu dem Arbeitnehmeranteil steuert das Unternehmen einen flexiblen Arbeitgeberanteil, 2012 lag dieser bei 850 Euro pro Versichertem. Für Arbeitnehmer seien die Steuerersparnis im Alter, der Arbeitgeberanteil und die günstige Verzinsung Argumente für die betriebliche Altersvorsorge im Unternehmen, erklärt Personalleiter Carsten Kohl. Doch auch die Geschäftsführung profitiert von der innerbetrieblichen Versicherung: Dadurch, dass über die Jahre eine Menge Geld zusammenkomme, binde man die Mitarbeiter an die Firma, erklärt Kohl. "Außerdem sind die Arbeitgeberbeträge ein Leistungsanreiz", da die Höhe des Beitrags vom Jahresgewinn des Unternehmens abhänge.

Nach Unternehmensangaben nutzen derzeit 92 Prozent der Teilnahmeberechtigten das Modell. Ausgezahlt wird die Versicherung beim Renteneintritt ab 60 Jahren, bei Invalidität oder beim Verlassen der Firma - wahlweise als Einmalzahlung, in Raten oder als dauerhafte Rente. Zentral sei, dass die Arbeitnehmer jährlich neu entscheiden können, welchen Betrag sie für die betriebliche Altersvorsorge einbezahlen.

Drei Säulen beinhaltet das "Kombi-Pakt-Modell" als betriebliche Altersvorsorge für Beschäftigte von ThyssenKrupp. Das Unternehmen hat auch einen Standort in Lockweiler. ThyssenKrupp gewähre den Mitarbeitern einen jährlichen Grundbeitrag, der je nach Einkommen und Alter variiert, heißt es in einem Infoblatt. Die Beschäftigten können eine Summe zuzahlen, die mindestens dem Arbeitgeberanteil entsprechen muss. Tun sie dies, schießt das Unternehmen noch einmal den Grundbeitrag hinzu. Die Versicherungssumme wird als Einmalbetrag ausgezahlt - in der Regel mit 65 Jahren, das Geld wird aber auch bei Invalidität oder im Todesfall zahlbar. "An der privaten Vorsorge fürs Alter führt kein Weg vorbei", steht im Info. Jedoch biete der Kombi-Pakt "eine attraktive Möglichkeit, die Kapitalleistung durch eigene Beiträge zur Altersvorsorge zu erhöhen". Der Eigenbeitrag könne jedes Jahr neu bestimmt werden.

Wie bei ThyssenKrupp ist die betriebliche Altersvorsorge bei Saargummi tariflich geregelt. Auch am Standort Wadern-Büschfeld können Mitarbeiter, für die der Tarifvertrag gilt, jährlich für das Folgejahr einen Vertrag mit dem Arbeitgeber abschließen. Der Arbeitgeberbeitrag beträgt laut Harald Hero von der Saargummi-Personalabteilung rund 610 Euro für Vollzeitbeschäftigte. Eine zusätzliche Summe, zum Beispiel einen Teil des Urlaubsgeldes, können die Beschäftigten hinzuzahlen, was wiederum vom Unternehmen bezuschusst werde. Derzeit nutzten etwa 40 Prozent der Mitarbeiter das Modell, ein zentraler Vorteil für die Arbeitnehmer sei der "geringe Steueraufwand".

Bei Homanit, auch in Losheim vertreten, ist die betriebliche Altersvorsorge über einen Gruppenvertrag mit einer Versicherung geregelt, wie das Unternehmen mitteilt. Man überweise die Beiträge der Mitarbeiter direkt an die Versicherungskasse, wobei Homanit als Versicherungsnehmer fungiere. Etwa 40 Prozent der Mitarbeiter nutzen das Modell. Wenn ein Mitarbeiter die Firma verlässt, könne die Eigenschaft des Versicherungsnehmers auf den neuen Arbeitsplatz übertragen werden. Für die Beiträge spiele das Alter der Beschäftigten keine Rolle. Für beide Seiten sei das Modell gegenüber privater Altersvorsorge günstig, da die betriebliche Altersvorsorge steuer- und sozialversicherungsfrei sei.

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