Besser nicht den Helden spielen

Besser nicht den Helden spielen

Homburg/St. Ingbert. Lohnt sich Videoüberwachung in den Autos? Soll ich mich mit Pfefferspray bewaffnen? Darf ich gegen einen Räuber ein Elektroschock-Gerät einsetzen? Was Taxifahrer immer schon mal ganz genau wissen wollten, das interessiert sie in diesen Tagen noch dringlicher als sonst

Homburg/St. Ingbert. Lohnt sich Videoüberwachung in den Autos? Soll ich mich mit Pfefferspray bewaffnen? Darf ich gegen einen Räuber ein Elektroschock-Gerät einsetzen? Was Taxifahrer immer schon mal ganz genau wissen wollten, das interessiert sie in diesen Tagen noch dringlicher als sonst. Und das konnten sie im Nebenzimmer eines Völklinger Lokals mit Experten der Polizei auch ausführlich bereden. Die Taxi-Unternehmerin Kerstin Drosse hatte den Informationsabend stellvertretend für ihre Kollegen angeregt.Die Vorgeschichte: Zwischen dem 7. November und dem 8. Dezember kam es in Völklingen zu insgesamt acht nächtlichen Überfällen auf Taxi- und (in zwei Fällen) Pizzafahrer. Die Fahrer wurden unvermittelt angegriffen, als sie an ihren Standplätzen auf Kundschaft warteten, oder sie wurden an verkehrsarme Orte innerhalb der Stadt bestellt und dort überfallen. Geschädigt wurden Unternehmen aus Völklingen und Püttlingen.

Die Täter, mutmaßlich ein bis drei junge Männer, waren maskiert und bewaffnet und erbeuteten jeweils nur geringe Geldbeträge. Der Gesamtschaden liegt laut Polizei unter 1000 Euro. Die Opfer, obwohl äußerlich nicht verletzt, leiden verständlicherweise unter den belastenden Begegnungen. Sie klagen ohnehin, und das war auch an diesem Abend so, über sinkenden Respekt und zunehmende Aggressionen gegen ihresgleichen, auch von so genannten normalen Leuten.

Gustav Haab und Norbert Castor vom Landeskriminalamt warben für ein konfliktvermeidendes ("deeskalierendes") Handeln. Die Taxifahrer sollten nicht heldenhaft sein wollen, sondern jede Chance nutzen, sich den Täter vom Leib zu halten, ihn loszuwerden und aus dem Wagen oder mit dem Wagen zu flüchten. Aus gutem Grund habe der Gesetzgeber die Taxifahrer von der Gurtpflicht befreit. Wichtig sei auch, möglichst viele Details von Personen und deren Verhalten zu beobachten und zu notieren, um den Fahndern Ansätze für die Ermittlung zu liefern. Bei einem Überfall solle deshalb sofort über Handy der Notruf 110 verständigt werden. Nach der Erfahrung der Kriminalbeamten bevorzugen Taxiräuber als Opfer solche Personen, die durch ihr Verhalten eher schwach oder verunsichert wirken. Im Vorteil seien demnach Fahrer, die kess, aufrecht, souverän und authentisch auftreten, Blickkontakte suchen und auch Klartext mit Personen reden. pw