Bereitschaftsdienst: Kassenpatienten im Saarland sollen es leichter haben

Erleichterung für Kassenpatienten : Saarland bereitet sich auf neuen Bereitschaftsdienst vor

Auch im Saarland werben jetzt große Plakatwände für die „116117 – die Nummer mit den Elfen“. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung laufen die Vorbereitungen für die Neuorganisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf Hochtouren.

Kassenpatienten sollen es künftig leichter haben, bei dringenden Gesundheitsproblemen oder der Suche nach einem freien Arzttermin, schnell Hilfe zu finden. Ab 1. Januar wird die Nummer 116 117 zu einer bundesweiten Telefon-Hotline mit neuem Service ausgebaut. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im Saarland sieht sich darauf gut vorbereitet: Mit moderner Software und fünf zusätzlichen Mitarbeitern hat sie die bisherige Termin-Servicestelle ausgebaut. Derzeit wird das Personal weiter geschult, zum Jahresbeginn werden dann Terminvermittlung und Bereitschaftsdienst zusammengeschaltet.

„Im Gesetz ist vorgesehen, dass derjenige, der Beschwerden hat, rund um die Uhr schnell abklären lassen kann, wo er hinmuss“, erläuterte der KV-Vorsitzende Gunter Hauptmann. Mitarbeiter mit einer Spezialausbildung vermitteln die Patienten telefonisch weiter: Je nachdem, ob sie kurzfristig zu einem Facharzt müssen, ob die Behandlung noch Zeit hat, oder ob es sich um einen Notfall handelt. Bei einem Notfall wird direkt an die Rettungsleitstelle weiterverbunden.

Gunter Hauptmann, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland. Foto: dpa/Katja Sponholz

Hauptmann erhofft sich von den Änderungen auch eine Entlastung der Notaufnahmen in den Krankenhäusern: Zielgruppe der 116 117 seien auch die Patienten, die oft die Notaufnahmen aufsuchten, obwohl sie eigentlich in eine Arztpraxis gehörten.

Das sieht der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ähnlich. „Da in der Bevölkerung der ambulante Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte eher unbekannt ist, gehen zu viele Hilfesuchende in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser - selbst mit leichten Problemen und nicht nur an Wochenenden“, berichtete GKV-Sprecherin Ann Marini. Die Folgen seien lange Wartezeiten und überlastetes Personal in den Notaufnahmen.

Die GKV plädiere daher dafür, die Notfallversorgung neu zu organisieren. „Künftige Strukturen müssen sich am Bedarf und an Bedürfnissen von Patienten orientieren und nicht andersherum“, sagte Marini. Für Menschen in Not sei es unerheblich, ob der helfende Arzt im Krankenhaus arbeite oder in einer ambulanten Arztpraxis.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, Hauptmann, betonte: „Die Idee ist nicht, den Leuten etwas wegzunehmen.“ Es gehe darum „ihnen einen Rat zu geben, wo sie am besten aufgehoben sind und sie, wenn nötig, auch gleich dahin zu vermitteln.“ Dafür ständen beispielsweise auch so genannte Anlaufpraxen im Saarland zur Verfügung, die nach einer Vermittlung durch die Servicestelle kurzfristig Patienten annähmen.

Natürlich werde am Telefon keine Diagnose gestellt, Patienten erhielten jedoch eine medizinische Ersteinschätzung und einen individuellen Rat, an wen sie sich mit welcher Dringlichkeit wenden sollten, erläuterte Hauptmann. Es gehe darum, „den Patienten einiges zu ersparen: nämlich eine Odyssee, dass einem nach Stunden Wartezeit gesagt wird, man sei am falschen Ort“.

Auch in Zukunft soll abends und in der Nacht die bisherige Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst fortgeführt werden. Die 116 117 wird dann zur Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr auf dem Saarbrücker Winterberg umgeleitet. Man gehe davon aus, dass die bisherige Kooperation auch nach der Umorganisation fortgesetzt werde, sagte ein Sprecher vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar.

(dpa)
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