1. Saarland

Belgier an der Orgel zieht alle Register

Belgier an der Orgel zieht alle Register

St. Wendel. Zum zweiten Mal gastierte der Belgier Etienne Walhain, Kathedralorganist in Tournai, in der Wendelinusbasilika und faszinierte durch seine Kunst, alle Möglichkeiten des Instruments virtuos auszunutzen.Er begann mit Johann Sebastian Bachs "Toccata, Adagio und Fuge in C"

St. Wendel. Zum zweiten Mal gastierte der Belgier Etienne Walhain, Kathedralorganist in Tournai, in der Wendelinusbasilika und faszinierte durch seine Kunst, alle Möglichkeiten des Instruments virtuos auszunutzen.Er begann mit Johann Sebastian Bachs "Toccata, Adagio und Fuge in C". Bei den ersten Sätzen des Werks ließ er sich viel Freiraum für feinste Verzögerungen und bevorzugte ein substanzreiches Pedal, auch zu der abwechslungsreich registrierten Melodie des Adagios. In höchster Perfektion präsentierte er die Fuge.

Den Choral "Erbarm dich mein, o Herre Gott" mit den gewichtigen Akkordblöcken der Begleitung hatte er als ideale Überleitung von Bach zu César Franck gewählt, dessen "Pièce héroïque" ebenso bassbetont begann, aber in seinem farbenprächtigen Schluss eine spätromantische Klangentfaltung zulässt, in der Walhain ein großer Meister ist.

Aus derselben Epoche stammen die 1874 für Klavier komponierten "Bilder einer Ausstellung" von Modest Moussorgsky. Nachdem sie in der Orchestrierung durch Maurice Ravel Berühmtheit erlangt hatten, wurden sie von Jean Guillou auch für Orgel bearbeitet.

Walhain konnte bei der Wiedergabe der vielen relativ kurzen Teile des Werks alle Register ziehen und erneut ganz wesentlich von den Setzerkombinationen der Basilikaorgel profitieren. Er spielte die oft zwischen hell und dunkel wechselnden Miniaturen ohne große Pausen und ließ die stets wiederkehrende "Promenade" in immer neuen Nuancen erscheinen.

Dabei gelang ihm bei atemberaubenden technischem Können eine grandiose Steigerung von den bedrohlichen düsteren "Katakomben" über das wilde Lärmen der Hexe Baba Jaga zum "Großen Tor von Kiew", wo die "Promenade" zur volkreichen Prozession wurde. Herzlicher Dank galt einem vielseitigen Künstler von jugendlichem Elan, der nicht nur Konzerte, sondern auch jeden Sonntag ein Hochamt spielt und seine Erfahrung unterrichtend weitergibt.