1. Saarland

Belastete Familien entlasten

Belastete Familien entlasten

Kreis Neunkirchen. "Starkes Netz soll Kinder halten", titelte unsere Zeitung, als der Landkreis Neunkirchen 2008 das Präventionsprojekt "Frühe Hilfen - Keiner fällt durchs Netz" zu organisieren begann. Ziel: Als Teil eines "Frühwarnsystems" mit diesem Projekt der Vernachlässigung, Verwahrlosung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen vorbeugen

Kreis Neunkirchen. "Starkes Netz soll Kinder halten", titelte unsere Zeitung, als der Landkreis Neunkirchen 2008 das Präventionsprojekt "Frühe Hilfen - Keiner fällt durchs Netz" zu organisieren begann. Ziel: Als Teil eines "Frühwarnsystems" mit diesem Projekt der Vernachlässigung, Verwahrlosung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen vorbeugen. Was hier in den vergangenen vier Jahren entwickelt und aufgebaut wurde, hat jetzt Zukunft: Das saarländische Kinderschutz-Vorhaben ist vom Modellprojekt zum vom Bund geförderten Regelangebot geworden (die SZ berichtete). Die Landkreise können ihre Vorbeuge-Arbeit fortsetzen.Gut so, sagt auch Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider im Gespräch mit der SZ, begleitet von Verantwortlichen aus dem Neunkircher Jugendamt und Gesundheitsamt. "Das ist Prävention direkt orientiert am Kind. Hilfen anbieten, bevor was passiert." Der Bedarf für Hilfsangebote sei da: "Und wir erkennen, dass diese Hilfen wohl immer stärker gefragt sein werden." Die öffentliche Jugendhilfe jedenfalls habe profitiert, sagt Joachim Brill, Leiter des Kreisjugendamtes, und schätzt die enge Kommunikation und Zusammenarbeit der Partner: "Früher bekamen wir Kinder erst auf den Schirm, wenn schon was passiert war."

Die Koordinierung der Frühen Hilfen liegt für den Kreis Neunkirchen nach wie vor in Händen von Dr. Lieselotte Simon-Stolz (Gesundheitsamt) und Michael Becker (Jugendamt), unterstützt von zwei weiteren Mitarbeitern. Als Zielgruppe der Frühen Hilfen sprechen die Koordinatoren von "Familien, die Belastungen aushalten müssen wie Arbeitslosigkeit, Armut, zerrissene Familienstrukturen, fehlende soziale Bindungen, Verunsicherung im Umgang mit den Kindern".

Wie haben sich Bekanntheit und Akzeptanz der Hilfen entwickelt? "Die Zahl der Zuweiser nimmt zu", stellen Simon-Stolz und Becker fest. "Zuweiser", also Netzwerk-Partner etwa vom Jobcenter, bringen Familien zu den Hilfen. Es gebe immer noch Familien, die man nicht erreiche: "Aber wir haben im Kreis eine vergleichsweise hohe Quote."

"Die Frage, was hat das Projekt konkret gebracht, ist wohl eher perspektivisch zu beantworten", sagt Hoffmann-Bethscheider. "Was ist das geeignete Messinstrument für Ergebnisse?", fragt auch Schulärztin Dr. Ruth Wolff. Wie misst man Dinge, die sich bestenfalls gar nicht einstellen - etwa, Kinder, die Gewalt erfahren? Die Landrätin ist sicher: "Es gibt schon viele Familien, denen wir geholfen haben."

"Wir haben mit der Zahl Null angefangen, jetzt haben wir rund 60 betreute Familien", sagt Becker. "Und wir erleben es zum Beispiel auch, dass eine Frau, die eine Familienhebamme hatte, sich bei der Geburt eines weiteren Kindes meldet und anfragt: Kann ich wieder eine Familienhebamme haben?" Der Erfolg einer Nachhaltigkeit in zehn Jahren werde dabei nicht an der Zahl betreuter Familien gemessen, glaubt Becker, sondern wie selbstverständlich die Angebote angenommen würden.

Infos unter www.saarland.de, Portal Beratung, Förderung, Hilfen und www.fruehehilfen.de

Auf einen Blick

Das Landesprogramm verbindet die Bausteine "Erinnerungssystem für Vorsorgeuntersuchungen", den Elternkurs "Das Baby verstehen", die "aufsuchende Arbeit der Familienhebammen und Sozialpädiatrischen Familienbegleiterinnen" sowie "Netzwerke für Eltern". "Keiner fällt durchs Netz" ist ausgerichtet auf Kinder von der Geburt bis zum ersten Geburtstag. "Frühe Hilfen" ist ausgerichtet auf Kinder bis sechs Jahre. cle

Hintergrund

Angefangen hat man im Landkreis Neunkirchen 2008 mit fünf Familienhebammen und zwei dafür ebenfalls qualifizierten Kinderkrankenschwestern (Sozialmedizinische Assistentinnen). Heute sind zwölf Fachkräfte im Einsatz. Im Herbst werden landesweit 26 zusätzliche Familienhebammen und Familienbegleiter ausgebildet wie Sozialminister Storm jüngst ankündigte. Die Kreise haben Mehrbedarf angemeldet. cle