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Busfahrer helfen
Bei Saarlouiser Verkehrsbetrieben haben Rollstuhlfahrer Vorfahrt

Rollstuhlfahrer bekommen künftig bei Bus-Fahrten der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis tatkräftige Unterstützung vom Fahrer. Der Behindertenbeauftragte Frank Michler (l.) demonstriert zusammen mit Bernhard Ruppenthal im Rollstuhl, früher selbst Behindertenbeauftragter, und Fahrer Johannes Quirin, wie das ablaufen soll.
Rollstuhlfahrer bekommen künftig bei Bus-Fahrten der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis tatkräftige Unterstützung vom Fahrer. Der Behindertenbeauftragte Frank Michler (l.) demonstriert zusammen mit Bernhard Ruppenthal im Rollstuhl, früher selbst Behindertenbeauftragter, und Fahrer Johannes Quirin, wie das ablaufen soll. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Saarlouiser Busfahrer kümmern sich an der Haltestelle jetzt grundsätzlich zuerst um Rollstuhlfahrer – bevor sie andere Fahrgäste zusteigen lassen. Bislang einzigartig im Saarland. Von Rolf Ruppenthal

Als erstes und bisher einziges Busunternehmen im Saarland ordnen die Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) dem Transport von Rollstuhlfahrern eine besondere Bedeutung zu, dank einer Initiative des Saarlouiser Behindertenbeauftragten Frank Michler. Früher selbst Berufskraftfahrer im Personentransportverkehr der Deutschen Bahn, hat er die rund 120 Busfahrer der KVS besonders geschult. Mit seiner Initiative „rannte“ Frank Michler offene Türen ein. „Die KVS hat mich auf der ganzen Linie tatkräftig unterstützt, angefangen bei Landrat Patrik Lauer (SPD), dem Aufsichtsratsvorsitzenden, über Geschäftsführer Andreas Michel und dem KVS-Schwerbehindertenbeauftragten Alfred Schwindling bis hin zu jedem einzelnen der Busfahrer,“ betont Michler.


Zum einen ging es darum, Behinderten wie Busfahrern die Angst zu nehmen, zum anderen aber auch die rechtlichen Grundlagen zu klären. Frank Michler orientierte sich dabei am Vorbild BVG, der Berliner Verkehrsgemeinschaft, erhielt aber auch tatkräftige Unterstützung von seinem Vorgänger Bernhard Ruppenthal, der als beinamputierter Rollstuhlfahrer wichtige Erkenntnisse und Informationen zum Gelingen des Projektes beisteuern konnte.

Wenn nun ein Rollstuhlfahrer an einer Haltestelle signalisiert, dass er mitfahren möchte, hält der Fahrer an und senkt den Bus ab. Die vordere Tür lässt er aber zunächst geschlossen und öffnet lediglich die Mitteltür zum Ausstieg der Fahrgäste. Dann hilft er erst dem Rollstuhlfahrer ins Bus-Innere, nachdem er gefragt hat, ob er ihm helfen darf. Die Nachfrage ist wichtig, um mögliche Unfälle wie Handquetschungen und Stürze zu vermeiden. Ist der Rollstuhlfahrer sicher im Fahrzeug, geht der Busfahrer wieder nach vorne. Erst dann öffnet er die Vordertür für die übrigen Fahrgäste. Auf diese Weise sei Sicherheit für alle garantiert. Diese Vorgehensweise ist in einer Betriebsanweisung dokumentiert. Derzeit arbeitet die KVS auch daran, die Vorgehensweise in ihrem Web-Auftritt der Öffentlichkeit vorzustellen. Zudem soll eine Werbeagentur eine Film-Animation realisieren, die auf Monitoren in den Bussen für die mitfahrenden Passagiere zu sehen sein soll. Auch macht eine Kampagne mit Plakaten und Flyern auf die Aktion für behinderte Mitfahrer aufmerksam.



Frank Michler ist zufrieden: Denn er ist überzeugt, dass es ihm gelungen ist, viele Mitmenschen für die Probleme Behinderter zu sensibilisieren, diskriminierungsfreie Situationen für die Betroffenen zu schaffen und zudem die Busfahrer auch in puncto Versicherung abzusichern. „Helfen ist cool,“ meint Frank Michler – und hofft, dass die KVS-Aktion für Rollstuhlfahrer nun auch bei anderen Busunternehmen im Saarland Schule machen wird.