Besucherzahlen „Bei den Zahlen zu übertreiben, ist tabu“

Saarbrücken · Wie Veranstalter und Polizei die Besucher- oder Teilnehmerzahlen auf Festen oder bei Demonstrationen berechnen.

 Rund 320 000 Besucher kamen nach offiziellen Angaben zum Saarspektakel 2017.

Rund 320 000 Besucher kamen nach offiziellen Angaben zum Saarspektakel 2017.

Foto: BeckerBredel

Immer wieder tauchen nach Veranstaltungen wie dem Saar-Spektakel oder nach Demos Fragen von SZ-Leser-Reportern auf, wie die Besucherzahlen zu Stande kommen. Georg Himbert vom Landespolizeipräsidium erklärt, dass sich die polizeilichen Schätzungen je nach Anlass unterscheiden. Bei größeren Volksfesten wie dem Saar-Spektakel berechne der Veranstalter die zur Verfügung gestellte Veranstaltungsfläche und gehe dann pro Quadratmeter von höchstens zwei Teilnehmern aus. Für die Berechnung werde zudem „eine bestimmte Verweildauer an einem bestimmten Ort zugrunde gelegt“, so der Sprecher.

Saar-Spektakel-Chef-Organisatorin Christine Baran erklärt, dass man für alle Bereiche Flächenpläne vorliegen habe und so genau überschlagen könne, wie viele Personen sich zum Beispiel gerade auf der Saarkran-Seite des Flusses aufhalten. Zudem beobachte man den Zu- und Ablauf der Besucherströme. Berücksichtigt werde auch, dass sich auf einer Fläche nicht permanent die gleichen Personen befinden. Während die Besucher zum Beispiel freitags länger verweilen, würden sie sonntags, wenn das Fest ganztags stattfindet, gerne flanieren und der Wechsel sei größer. Zudem kämen an den Abenden, wenn das Hauptprogramm auf den Bühnen beginnt, ganz andere Leute dazu. Deshalb sei sie auch fast ununterbrochen auf dem Tbilisser Platz mit der Hauptbühne unterwegs gewesen, um die Besucherströme im Auge zu haben und eventuell Sperrungen anordnen zu können. „Bei den Zahlen zu übertreiben, ist  tabu“, sagt Baran. Denn wenn dann wirklich so viele Besucher kämen, wie vorher angegeben, gebe es Probleme mit dem Sicherheitskonzept und der Veranstalter gerate in Erklärungsnot.

„Bei Veranstaltungen an einem festen Platz hat die Polizei quantifizierte Anhaltswerte“, ergänzt Polizeisprecher Himbert. So habe zum Beispiel der Tbilisser Platz bei voller Besetzung ein Fassungsvermögen von zirka 5000 Besuchern. Bei Demonstrationen und ähnlichen Veranstaltungen würden die Teilnehmer dagegen von einer exponierten Stelle aus einzeln gezählt. Ist die Anzahl der Teilnehmer zu groß, würden die einzelnen Reihen gezählt und so die Endzahl bestimmt.