1. Saarland

Bei 350 Zuschauern ging der Punk ab

Bei 350 Zuschauern ging der Punk ab

Das Punkrock-Festival Saarlopalooza hatte im vergangenen Jahr erfolgreich Premiere. Vergangenen Samstag ging die zweite Auflage über die Bühne des Saalbaus. Diesmal war die Stadt St. Wendel Mitveranstalter.

Christmas aus dem St. Wendeler Land auf der Bühne.

Nachdem das Debut des Punkrockfestivals Saarlopalooza im vergangenen Jahr ein voller Erfolg gewesen war, beschlossen die Veranstalter von Midsummer Records und Kidnap Music eine zweite Auflage auf die Beine zu stellen, bei der sich diesmal auch die Stadt St. Wendel als Mitveranstalter einbrachte. "Die Stadt hat gesehen, dass wir wissen was wir tun, dass alles total friedlich ablief und unterstützt uns deshalb jetzt gerne dabei", sagte Tim Masson von Midsummer Records.

Über 350 Anhänger der Rockmusik bejubelten die insgesamt zehn Bands, die den Saalbau mit ungewohnt lautem Schlagzeug- und Gitarrenlärm erschütterten und dadurch für die richtige Stimmung im Publikum sorgten.

Die Bandauswahl stimmte und brachte viel Abwechslung mit sich; darunter die Band "Continental" aus Boston in den Vereinigten Staaten, die während ihrer Deutschlandtour auch einen Stop in St. Wendel einlegte um den Saalbau zu rocken. Die Gruppe hat ein, unter Rockfans fast schon prominentes Mitglied, den Ex-Dropkick Murphys Gitarristen Rick Barton, der bei Continental an der Seite seines Sohnes Stephen spielt.

"Casanovas Schwule Seite" war ein weiteres der zahlreichen Highlights des Tages. Die Band besteht zur einen Hälfte aus ehemaligen Mitgliedern von "Knochenfabrik" und zur anderen Hälfte aus Ex-Mitgliedern der "Wohlstandskinder", also aus Vollblutmusikern, die selbst nach Jahren im Geschäft die Finger nicht von der Rockmusik lassen können - die Fans dankten es ihnen und umgekehrt gab es nach ihrem Auftritt Kekse für Publikum.

Neben musikalischen Höchstleistungen gab es auch jede Menge nackter Haut zu sehen: Der Sänger von Christmas betrat die Bühne ohne T-Shirt, während die Fans laut "Weihnachten" riefen, also den Namen der St. Wendeler Band ins Deutsche übersetzt. Das offizielle CD-Release von Christmas' neuem Album während des Festivals war ein voller Erfolg. Die Menge vor der Bühne begann sogar einen Pogotanz zu den neuen Songs der Band. Gitarrist Tommy Wilhelm zeigte dabei wahre Liebe zu Musik und spielte in alter Punkmanier trotz gebrochenem Ringfinger und Lungenentzündung. "Notfalls sterbe ich eben auf der Bühne, aber ich spiele trotzdem", erklärte Tommy vor dem Auftritt.

Noch mehr nackte Haut gab es dann beim Mitternachtsact "The Tote Crackhuren im Kofferraum" zu sehen, die beim diesjährigen Bundesvision Songcontest im Fernsehen auftraten. Die Band bot mit Elektro-Pop-Punk eine andere Richtung als die vorherigen Bands, wurde aber nicht minder gefeiert. Als die sechs Sängerinnen einen Fan auf die Bühne holten, ihn bis auf die Unterhose auszogen, um ihm dann noch Sekt in den Hals zu schütten, war spätestens klar, dass diese Girls nichts Gutes im Schilde führen können, was ihre Texte dann bestätigten. "Wir wollten die Band dabei haben, weil sie Abwechslung ins Lineup bringt und eine größere Zielgruppe anspricht. Die Mädels sind trashig und anders und das wollten wir im Programm haben", sagte Masson. Die zehn Stunden des Festivals waren vollgepackt mit einer Mischung aus Neuem und Altbekanntem, Regionalem und Internationalem - ein Mix der den Fans wie Tobias Brück aus Bergweiler gut gefiel: "Daumen hoch, das war top."