1. Saarland

Behinderte dürfen nicht in Schule

Behinderte dürfen nicht in Schule

Dillingen. Rosavaleria Mannarino, Verena Krone, Pascal Brünet sind drei von sechs Kindern, die gestern gerne zur Schule gegangen wären. Durften sie aber nicht. Die Kinder besuchen die Förderschule für geistige Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Dillingen und brauchen einen Integrationshelfer

Dillingen. Rosavaleria Mannarino, Verena Krone, Pascal Brünet sind drei von sechs Kindern, die gestern gerne zur Schule gegangen wären. Durften sie aber nicht. Die Kinder besuchen die Förderschule für geistige Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Dillingen und brauchen einen Integrationshelfer. Der wurde ihnen nach Angaben der Schule vom Landesamt für Soziales zwar bewilligt - aber eben nur für 21 Wochenstunden. Und die hatten die Helfer am Mittwoch bereits geleistet. Demnach stehen die Kinder für den Rest der Woche ohne Integrationshilfe da."Ohne zusätzliche Unterstützung kommen wir aber nicht aus", begründet Schulleiter Volker Mittermüller seine Entscheidung, die Kinder an jenen Tagen vom Unterricht auszuschließen, an denen kein Integrationshelfer da ist. In einer Beschwerde kritisiert er die Bescheide des Landesamts und fordert, die Integrationshelfer wie bisher für 31 Wochenstunden zu bewilligen. Die Kürzung der Stundenzahl um ein Drittel sei für die Schule "ein Schlag ins Gesicht" und stehe "in totalem Widerspruch" zur UN-Behindertenkonvention. Die betroffenen Eltern legten Widerspruch gegen die Bescheide des Landesamtes ein.

Das Sozialministerium teilte auf SZ-Anfrage mit, dass das Landesamt in all jenen Fällen, in denen die Stellungnahmen der Förderausschüsse beziehungsweise der Schulen aufgrund der Ferienzeit noch nicht vorlagen, 21 Stunden pro Woche bewilligt habe. Es habe diese Bescheide aber mit dem Hinweis versehen, dass die Stundenzahl erhöht wird, wenn später beim Landesamt eingehende Stellungnahmen der Schulen einen höheren Bedarf feststellen. Viele Eltern hätten ihre Anträge erst in den Ferien gestellt, so dass es für das Landesamt unmöglich gewesen sei, rechtzeitig Stellungnahmen der zuständigen Fachausschüsse und der Lehrer zu erhalten.

Nach Angaben der Schule hatten allerdings sowohl die Schule selbst als auch die Eltern das Landesamt darauf hingewiesen, dass ein Unterstützungsbedarf "über die gesamte Unterrichtszeit" notwendig sei. Eltern teilten der SZ mit, dass sie ihre Anträge auf Bewilligung von Integrationshelfern bereits im ersten Quartal dieses Jahres gestellt hätten.

Die Schule muss sich nun dem Vorhalt von Eltern stellen, dass sie eine Übergangslösung hätte finden können, anstatt die Kinder vom Unterricht auszuschließen. Schulelternsprecherin Britta Klöttschen-Seith zeigt jedoch Verständnis für die Entscheidung der Schule. Sie verweist auf deren dünne Personaldecke sowie darauf, dass die Bescheide erst in den letzten Tagen eingetroffen seien.

Sozial-Staatssekretärin Gaby Schäfer (CDU) hatte vor einigen Tagen angekündigt, dass das Landesamt in den Förderschulen künftig "Synergieeffekte nutzen" wolle, die sich dadurch ergäben, dass dort in jeder Klasse mehrere behinderte Schüler seien. Man gehe daher an den Förderschulen von einem grundsätzlichen Integrationshilfe-Bedarf von 21 Wochenstunden aus. Solche Synergieeffekte gebe es in Regelschulen normalerweise nicht. Daher bewillige man dort teilweise mehr als 30 Stunden.

Der Landesvorsitzende des Verbands Sonderpädagogik, Erich Schwarz, sagte der SZ, er halte es für "ein Unding", die Stundenzahl der Eingliederungshelfer in vielen Fällen auf 21 zu deckeln. Eine solche Regelung werde "nicht auf Dauer durchführbar" sein, sagte er voraus. Es sei zudem eine "irrige Meinung", dass an Förderschulen anders als an Regelschulen genug anderweitige Ressourcen zur Verfügung stünden, um den Ausfall von Integrationshelfern zu kompensieren. An den Förderschulen seien die Integrationshelfer ganz im Gegenteil "besonders wichtig". "Das ist für uns ein Schlag ins Gesicht."

Schulleiter Volker Mittermüller