1. Saarland

Begegnungen in der Wohnküche

Begegnungen in der Wohnküche

Saarbrücken. Im Flur krächzt die Nadel eines Plattenspielers über die Rillen, in der Wohnküche drängen sich junge Leute, das Bier im Kühlschrank steht kalt, es darf sogar geraucht werden. Hausherr Peter Strickmann hat eigens zur Vernissage seiner letzten Besenkammer-Ausstellung einen Blechkuchen gebacken, die Künstlern Hyun Ju Do steuert köstliches Kimbab, koreanisches Sushi bei

Saarbrücken. Im Flur krächzt die Nadel eines Plattenspielers über die Rillen, in der Wohnküche drängen sich junge Leute, das Bier im Kühlschrank steht kalt, es darf sogar geraucht werden. Hausherr Peter Strickmann hat eigens zur Vernissage seiner letzten Besenkammer-Ausstellung einen Blechkuchen gebacken, die Künstlern Hyun Ju Do steuert köstliches Kimbab, koreanisches Sushi bei. Während Strickmann seine Gäste begrüßt, kauert Hyun Ju Do in einer Etage ihrer Installation, die sie, aus Holzlatten maßgeschreinert, in die winzige Besenkammer eingebaut hat. Wenig später folgen Besucher der Aufforderung, die Installation zu begehen und zu benutzen. Auf einmal ist viel Platz in der Küche, während sich die Leute in die Holzkonstruktion quetschen. "Wieviele seid ihr jetzt?" fragt jemand. "Siebzehn!" kommt es aus einer Ecke. "Da geht noch einer rein!" tönt es zurück? Einer? Nein, drei, vier pressen sich noch dazu, am Ende sind es über zwanzig, die das titelgebende Thema der Ausstellung "Passen/Nichtpassen" ausprobieren. Dann schälen sich alle nach und nach wieder raus, man kichert und amüsiert sich noch eine Weile über das "atemraubende" Experiment. Solche schönen Momente wird es im zweiten Stock in der Rosenstraße 14 nicht mehr geben. Peter Strickmann, Kunststudent und Initiator des spannenden Kunstprojekts "Besenkammer", hört auf. "Ich finde es schade, dass es nach nur zehn Monaten ein so schnelles Ende findet," bedauert Anna Kautenburger, Studentin der Hochschule der Bildenden Künste. Das sieht Alexander Karle genau so. "Hier konnte man viele interessante Arbeiten sehen," ergänzt er. "Peter hat mit wenigen Mitteln sehr viel bewegt." "Weil das alles in einer Wohnküche stattfindet, haben sich wunderbare Begegnungen und Gespräche ergeben," erläutert Strickmann: "Man saß am Küchentisch, trank einen Tee und schaute hinein in die offene Besenkammer und das aktuelle Kunstprojekt." Nun ist also Schluss. Nicht etwa, weil das Konzept nicht aufging. Strickmann hatte viele Anfragen von Künstlern, das Programm stand schon bis Februar, die Resonanz war durchweg positiv. Der Grund, warum die Besenkammer wieder ihrer ureigenen Bestimmung zugeführt wird, ist ein profaner: Peter Strickmann zieht aus der Rosenstraße aus. Was hat das Projekt Besenkammer aus seiner Sicht bewirkt? "Man konnte sehen, dass es nicht viel bedarf, um Kunst zu den Leuten zu bringen." Er selbst hat neue Einblicke in die Arbeitsweise und das Kunstverständnis des jeweiligen Künstlers gewonnen. Bis zum 7. Oktober kann man es sich noch in der Wohnküche gemütlich machen, mit Blick auf die Installation von Hyun Ju Do.Geöffnet: Donnerstag und Sonntag, 15 bis 18 Uhr und nach Absprache; weitere Termine: 19. September: Besenkammer-Frühstück im Rahmen der aktuellen Ausstellung. Die Künstlerin ist anwesend. Am 26. September (Tag der Bildenden Kunst) ist die Besenkammer von 13-18 Uhr geöffnet.