Beckingen-Haustadt: Vater gesteht tödliche Schüsse auf seinen Sohn 

Prozess : Vater gesteht tödliche Schüsse auf seinen Sohn

Wegen Totschlags muss sich ein Rentner (66) aus Beckingen-Haustadt seit Mittwoch vor dem Saarbrücker Landgericht verantworten. Er soll am 1. Januar 2018 gegen 13.30 Uhr im Haus der Familie mit einer Pistole der Marke Beretta drei Mal auf seinen Sohn (29) geschossen haben.

Der früher in der Kommunalpolitik seines Heimatortes aktive Angeklagte legte zum Prozessauftakt vor Gericht ein Geständnis ab. Nach jahrelangen Problemen mit dem Sohn habe er an jenem Tag nicht mehr weiter gewusst und geschossen. Aus heutiger Sicht sagte er dazu: „Das Schlimme ist, dass diese Schüsse so endgültig sind. Es hätte bestimmt eine (andere) Lösung gegeben.“ Und über seinen Sohn: „Er war ein hübscher, intelligenter Junge. Ein bisschen wild.“

Was genau der Angeklagte mit „wild“ meinte, schilderte er vor Gericht.  Demnach lief alles gut mit dem Sohn, bis er aufs Gymnasium kam.  In der Folgezeit kam  er in Kontakt mit Drogen und wurde rebellischer, reizbarer und schwieriger.  Was zur Tat führte, beschrieb die Mutter (59) so: „Im Jahr 2017 ist zu viel passiert für ihn.“

Erst habe es wegen einer Pfanne auf dem Herd einen Brand in der neuen Wohnung von ihm und seiner Partnerin gegeben. Die Schuld gab er sich selbst und seiner Partnerin. Die Beziehung zerbrach und er kam zurück ins Elternhaus. Dann sei ein Freund mit 30 Jahren einen plötzlichen Herztod gestorben, womit ihr Sohn wohl nicht fertig wurde. Er habe das Grab des Freundes mehrfach um Mitternacht auf dem Friedhof besucht, erzählten die Eltern. Er habe seine Arbeit verloren und die neue Wohnung demoliert. Dann sei sein Großvater, eine wichtige Bezugsperson, im Alter von 93 Jahren gestorben. Ihr Sohn habe sich vom Opa  verabschiedet und sei nach Amsterdam. Nach 14 Tagen sei er zurückgekommen – völlig abgemagert. Die Eheleute waren zu dieser Zeit nach eigener Aussage am Limit. Ihr Sohn galt für die Behörden zwischenzeitlich als drogenabhängig und psychisch auffällig. Er war zwei Mal kurzzeitig in einer psychiatrischen Klinik.

Bei der Silvesterfeier im Kreis der Familie eskalierte die Situation. Er habe seinen Vater ins Gesicht geschlagen und die Mutter mit den Füßen vom Sofa gestoßen. Die Polizei sprach einen Platzverweis gegen den Sohn aus. Früh morgens stand er wieder vor der Tür. Wieder Streit. Die Mutter ließ sich daraufhin von Verwandten abholen. Der Vater blieb allein im Haus zurück, nachdem der Sohn gegangen war. Er verschloss alle Türen, weil er ihn nicht wieder hinein lassen wollte. Und er legte eine geladene Pistole – die er vor einiger Zeit im Zimmer des Sohnes gefunden habe – aufs Regal im Wohnzimmer: „Ich hatte das Gefühl, dass sie mich schützen könnte.“ Gegen 13 Uhr sei sein Sohn über den Balkon ins Haus gekommen. Er habe sich ihm mit der Pistole in den Weg gestellt. Daraufhin habe der Sohn die Polizei angerufen und sinngemäß gesagt: „Mein Vater will mich erschießen.“ Dann habe er aufgelegt und sei nach oben in sein Zimmer, um Sachen zu holen. Nach einigen Hin und Her standen sich die beiden schließlich im Treppenhaus gegenüber. Dazu der Angeklagte: „Ich sagte: Geh jetzt. Er sagte: Schieß doch. Hin und Her. Eine festgefahrene Situation. Es ging nicht weiter. Und ich konnte nichts machen.“ Gut fünf Minuten habe das gedauert. „Und dann habe ich irgendwann abgedrückt.“  Der 66-Jährige: „Ich sah meinen Sohn zusammensinken. Er hatte einen starren Blick. Und dann war die Geschichte zu Ende. So wie er zusammensackte, wusste ich, dass er tot ist.“  Der Prozess wird fortgesetzt.

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