1. Saarland

Bald in der Sprache zu Hause

Bald in der Sprache zu Hause

Sie ist Ärztin in Deutschland. Sie hat das, was Migrationshintergrund genannt wird, denn sie kommt aus Syrien. Deshalb will Rania Touma ihr Deutsch verbessern. Ein klarer Fall für die Volkshochschule.

Hoch konzentriert sitzt Rania Touma über ihren Übungsaufgaben. Deutsch steht für die junge Assistenzärztin des Homburger Universitätsklinikums (UKS) an diesem Nachmittag auf dem Plan. Das Ziel: Mit einem speziellen Kurs der Volkshochschule St. Ingbert ihre schon vorhandenen Sprachkenntnisse weiter zu verbessern.

"Ich habe schon einiges gelernt. Viel Grammatik, medizinische Begriffe, wir haben Briefe geschrieben und Konversation betrieben", erzählt die junge Medizinerin aus Syrien, während sie mit anderen jungen Ärzten ausländischer Herkunft in einem kleinen Schulungsraum des UKS Deutsch büffelt. Dass in ihrem Heimatland Bürgerkrieg herrscht, sei nicht der Impuls gewesen, nach Deutschland zu kommen, erklärt Touma im Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr sei Deutschland schon ihr Ziel gewesen, lange bevor es zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat kam.

Ihr Berufsweg führte sie ans UKS-Institut für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin von Professor Hermann Eichler. Der habe sie, erzählt Touma, auf den "berufsbegleitenden Deutschkurs am Universitätsklinikum für Ärzte und Ärztinnen mit Migrationshintergrund", so der offizielle Titel des Angebots, aufmerksam gemacht. "Professor Eichler hat mich gefragt, ob ich an diesem Angebot interessiert bin. Und natürlich hab' ich ja gesagt."

Toumas Impuls für das Lernen neben und nach der Arbeit: "Ich bin mit meinem Mann und meinen Kindern hierhergezogen und wir planen, langfristig in Deutschland zu bleiben." Basierend auf ihren bisherigen Sprachkenntnissen will sie bis Ende Oktober das Deutsch-Leistungsniveau B2 erreichen, das "Selbstständige Anwenden der Sprache". In einem weiteren Kurs soll es dann darum gehen, den "kompetenten Umgang mit der Sprache" zu erlernen, das Leistungsniveau C1 ist das Ziel.

Den Weg zu diesem Ziel bereitet am UKS die Volkshochschule St. Ingbert. Mit Mitteln des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und des Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) bietet der Bildungsträger seit Januar dieses Jahres diese speziellen Sprachkurse an. "Vielfalt gehört zu unserem Repertoire. Und Sprache ist da ein ganz besonderer Bereich", erzählt Marika Flierl, Leiterin der Biosphären-VHS St. Ingbert. "Es geht uns darum, Fachkräfte-Potenzial zu fördern. Uns ist allen klar, dass der Fachkräftebedarf wächst, insbesondere auch im medizinischen Bereich. Und da haben wir angesetzt." So sei es zum speziellen Deutschkurs-Angebot am UKS gekommen, "wir schulen aber auch Pflegerinnen und Pfleger in Senioreneinrichtungen". Das Ziel erläutert Flierl: "Zur Qualifizierung dieser Fachkräfte sollen bisher unerschlossene Bildungsressourcen aufgedeckt werden." Die Volkshochschule sei dabei für solche Angebote prädestiniert, sagt Flierl, "weil wir schon seit Jahrzehnten Deutsch-Kurse für Menschen mit Migrationshintergrund anbieten". Frau Pack, inwiefern sind die Volkshochschulen bedeutend für die berufliche Fortbildung im Saarland?

Doris Pack: Der Bedarf an gut ausgebildeten Menschen zeigt sich überall. Das ist unser Metier: EDV, Kommunikation, Sprachen, Firmenschulungen. Wir kümmern uns um Außenseiter, bieten Qualifizierungen. Nehmen Sie Angebote, die über Bildungsgutscheine finanziert werden: In 95 Prozent der Fälle führt das innerhalb des nächsten halben Jahres zum beruflichen Fortkommen.

Welche Rolle spielt dabei die dezentrale Organisation der Volkshochschulen?

Pack: Die VHS ist nicht nur Lernort, sondern auch Begegnungsstätte. Sie ist wichtig für das Gemeinwesen. Die Erreichbarkeit der Bildungsangebote muss gegeben sein. Wie Sie wissen, sind wir nicht auf Gewinn, sondern auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Das bekommen wir mit den Landkreisen ganz gut hin.

Wie gewichten Sie die klassischen, also nicht berufsbezogenen Bildungsangebote der VHS?

Pack: Meiner Ansicht nach greift das ineinander. Bildung bringt viele Menschen persönlich weiter und stärkt sie dann auch für ihren beruflichen Weg. Das gilt für einen Alphabetisierungskurs - ich finde es übrigens toll, dass die Leute wagen, da hinzugehen. Das gilt aber auch für einen Intensivkurs Englisch-Luxemburgisch zum Beispiel im Landkreis Merzig-Wadern. Das sind wir, das sind die Volkshochschulen. Das sind Kulturträger.

Welche Forderungen richten Sie an die Landespolitik?

Pack: Ach wissen Sie, wir sind gar nicht so unzufrieden. Inzwischen ist es anerkannt, über die Parteigrenzen hinweg anerkannt, dass wir Anstöße geben. Manches entwickelt sich weit über die Kurse hinaus so wie die Initiative "Das Saarland lebt gesund", die von Völklingen ausging. Wir sind zufrieden, wenn man uns arbeiten lässt. Und das ist hier im Saarland so.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Saarbrücker Zeitung beleuchtet in ihrer Serie unterschiedliche Facetten der Weiterbildung im Saarland. Wir stellen Angebote vor, sprechen mit Betroffenen und geben praktische Tipps. Die einzelnen Beiträge erscheinen - in der Regel mittwochs - in den Lokalteilen der SZ. Vorgesehen sind folgende Themen: Teil 1 (bereits erschienen): Das Saarland setzt Akzente (Interview mit Wirtschaftsminister Heiko Maas). Teil 2 (bereits erschienen): Lernen im Grünen: das Bildungszentrum der Arbeitskammer Teil 3 (bereits erschienen): Das Recht auf Weiterbildung (Interview mit Bildungsminister Ulrich Commerçon) Teil 4 (bereits erschienen): Erfolgreiche private Alternative: das Festo-Lernzentrum Teil 5 (bereits erschienen): Die Meister-Ausbildung in den Handwerksberufen Teil 6 (bereits erschienen): Die IHK tut viel (Gespräch mit Richard Weber und Volker Giersch) Heute Teil 7: Die Volkshochschulen: Experten für Vielfalt Teil 8: Der Arbeitsmarkt braucht qualifizierte Kräfte (Interview mit Jürgen Haßdenteufel, Chef der Agentur für Arbeit Saarland) Teil 9: CEB - Bildung auf Basis christlicher Werte Teil 10: Die Uni denkt weiter: Fortbildung für die Industrie (Gespräch mit dem Vizepräsidenten für Lehre und Studium, Professor Manfred J. Schmitt). red saarbruecker-zeitung.de/fortbildung