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Baby in Trierer Telefonzelle ausgesetzt

Baby in Trierer Telefonzelle ausgesetzt

Trier. Das Mädchen war erst wenige Stunden alt, als es in der Telefonzelle abgelegt wurde. Gegen 2.15 Uhr fanden Passanten das Baby. "Das Kind ist offenbar ohne ärztliche Hilfe entbunden worden", sagt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. "Es ist ein Glücksfall, dass es so schnell entdeckt worden ist

Trier. Das Mädchen war erst wenige Stunden alt, als es in der Telefonzelle abgelegt wurde. Gegen 2.15 Uhr fanden Passanten das Baby. "Das Kind ist offenbar ohne ärztliche Hilfe entbunden worden", sagt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. "Es ist ein Glücksfall, dass es so schnell entdeckt worden ist." Die Telefonzelle liegt in einem nachts verlassenen Teil des Stadtteils Trier-Nord, der von Gastronomie und Gewerbe geprägt wird. Laut Mitteilung der Polizei war das Baby mit einem rosafarbenen Strampler und einer blauen Babystrumpfhose bekleidet. Es war in eine anthrazitfarbene Damenstrickweste und in eine Wolldecke mit bunten Zeichnungen eingewickelt und anschließend in eine hellbeige Einkaufstasche aus Stoff gepackt worden. Eine erste Untersuchung im Trierer Mutterhaus ergab, dass das Mädchen gesund und normal entwickelt ist. Das Jugendamt Trier hat bereits beim Amtsgericht die Vormundschaft beantragt. "Sobald die Ärzte ihr Okay geben, wird das Kind einer vorläufigen Pflegefamilie übergeben.Die Kripo ermittelt derweil auf Hochtouren. "Die Mutter befindet sich möglicherweise in einer hilflosen Lage und benötigt ärztliche Hilfe", betont Polizeisprecher Jochem. Bisher gibt es keine konkreten Hinweise. Die beiden Passanten, die das Baby fanden, haben ausgesagt, kurz vor der Entdeckung des Kindes eine Frau mit einem silberfarbenen Damenrad in der Nähe der Telefonzelle gesehen zu haben.

Dass es dem Baby gut geht, verdankt es dem frühen Zeitpunkt seiner Entdeckung. Die Gegend mit einem Lebensmittelmarkt, einem Fachgeschäft für Wasserbetten und der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle der Stadt Trier ist nachts verlassen. "Die Eltern wollten wohl einfach nicht entdeckt werden", sagt ein Anwohner. "Deshalb haben sie eine derart abgelegene Stelle gewählt. Es ist doch klar, dass hier nachts niemand vorbeikommt." Außer den zwei Passanten, die das Baby gefunden haben, will kein Bewohner der Gegend bisher etwas gesehen haben. "Ich fürchte, dass dieser Fall das alte Vorurteil, Trier-Nord sei ein sozialer Brennpunkt, wieder schüren wird", sagt ein anderer Anwohner.

Das Aussetzen eines Kindes ist eine Straftat und wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren geahndet.