Ausstellung über Konrad Adenauer in Maria Laach

Ausstellung im Klosterforum : Maria Laach war Adenauers Rettungsanker

Bis 13. Oktober zeigt das Benediktinerkloster Dokumente aus dem einjährigen Aufenthalt des späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876-1967) in Maria Laach.

In diesem Jahr feiert  die Bundesrepublik drei 70-jährige Jubiläen: die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz und den Beginn der Kanzlerschaft Konrad Adenauers. Aus diesem Anlass zeigt die Abtei Maria Laach jetzt im Klosterforum die Ausstellung „Glaube und Politik. Konrad Adenauer und die Abtei Maria Laach“. Bis zum 13. Oktober werden Fotos, Briefe und Schriften des CDU-Politikers und seiner Verbindung zur Abtei und zum Abt Ildefons Herwegen von Maria Laach ausgestellt. Der Schwerpunkt der für Besucher kostenlosen Ausstellung liegt auf Adenauers Aufenthalt im Kloster von 1933 bis 1934.

Konrad Adenauers politische Karriere begann bereits in der Kaiserzeit, als er 1917 als Mitglied der katholisch geprägten Zentrumspartei Oberbürgermeister von Köln wurde. Später, ab 1920, wurde er in der Weimarer Republik Präsident des Preußischen Staatsrats, dem Bundesrat der damaligen Zeit. Verschiedentlich war der Zentrumspolitiker, der fest im rheinischen Katholizismus verwurzelt war,  schon in der Weimarer Republik für Ministerämter und 1932 sogar einmal für das Amt des Reichskanzlers im Gespräch. Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 verlor Adenauer alle Ämter und musste sich an verschiedenen Orten verstecken. Einer dieser Orte war das Benediktinerkloster Maria Laach, zu dem Adenauer schon sehr früh eine Beziehung aufgebaut hatte.

Adenauer hatte in Maria Laach 1926 seinen 50. Geburtstag gefeiert und fand dort in Abt Herwegen einen Schulfreund aus den Tagen am Kölner Apostelgymnasium. An ihn erinnerte sich Adenauer, als er als Oberbürgermeister abgesetzt war und die Absetzung von seinem Amt als Präsident des Preußischen Staatsrates in Berlin kurz bevorstand. Finanziell unterstützt wurde Adenauer, dem jede Rente oder Pension von den NS-Machthabern verweigert wurde,  von dem  jüdischen Bankier D. N. Heinemann.

Adenauer bekam im Kloster die Zelle des Abtes zugewiesen. Er nutzte die Zeit im Kloster hauptsächlich für ausführliche Spaziergänge in der Eifellandschaft und vor allem, um zu lesen. Adenauer las Biographien und viel römische Geschichte, er las auch die päpstlichen Sozial-Enzykliken „Rerum novarum“ und „Quadragesimo anno“. Er nutzte die Zeit zur geistigen und körperlichen Erholung sowie zur spirituellen Einkehr. In der Klosterkirche hatte er einen uneinsehbaren Platz auf der Orgelempore. Er erlebte in seiner Zeit in Maria Laach auch eine schmerzende politische Demütigung, als gerade in dieser Zeit in der Abtei eine Tagung des katholischen Akademikerverbandes stattfand, auf der sein ehemaliger innerparteilicher Zentrumskonkurrent, Vizekanzler Franz von Papen (1879-1969), der Hitler zur Macht verholfen hatte, wegen des kurz zuvor geschlossenen Reichskonkordates enthusiastisch gefeiert wurde. Der Abt des Klosters, Herwegen, war ein Pionier der liturgischen Erneuerung, er vertrat eine zunächst eher NS-freundliche Haltung. Es gab in Maria Laach sogar eine Zeit lang Experimente mit einer Art deutschnationalen katholische Theologie. Bis Kriegsende wurde das Kloster nie geschlossen, lediglich ein Feldlazarett musste es aufnehmen.

   Nach gut einem Jahr wurde das Versteck der Gestapo bekannt und Adenauer suchte sich andere Plätze, um seinen nationalsozialistischen Verfolgern zu entgehen. In diesen Zeiten der Verfolgung reifte der christliche Glaube Adenauers. Nach dem Krieg fasste sein Sohn Paul den Entschluss, Priester zu werden. Auch  der gläubige Christ Adenauer blieb zeitlebens mit der Abtei verbunden. Zwei seiner Töchter heirateten hier, er empfing Staatsbesucher in Maria Laach.

Der engste politische Freund Adenauers war Alcide de Gasperi (1881-1954), der Italiener mit tirolerischen Wurzeln. Den späteren italienischen Ministerpräsidenten  hatte Adenauer schon in den 20er Jahren in Köln und 1951 in Maria Laach getroffen. Mit Robert Schuman (1886-1963) gab es ein solches Treffen vor 1945 nicht, aber das Benediktinerkloster Maria Laach bildete für beide so etwas wie eine geistige Referenz. Robert Schuman war durch seinen großen Förderer, den Metzer Bischof Willibrord Benzler, der vorher Abt von Maria Laach gewesen war, bereits 1913 nach Maria Laach gekommen und blieb dem Kloster später sehr verbunden. Über ihre gemeinsamen benediktinischen Wurzeln fanden beide Politiker, der Rheinländer Adenauer und der Lothringer Schuman,  später auch gemeinsam zur politischen Einheit Europas, sie trafen sich erstmals 1948 in Bassenheim in der Nähe von Maria Laach. In einem Brief an Schuman schrieb Adenauer 1950: „Wir beide sind vielleicht von Gott berufen, für Europa einen wertvollen Beitrag zu leisten.“

   Adenauers enge Bindung zu Maria Laach war sicherlich auch förderlich, dass 1949 wieder Benediktiner nach Tholey zurückkamen. Unter den ersten Mönchen in Tholey war auch der Rheinländer Pater Maurus Sabel (1912-2012) aus Maria Laach, ein Freund von Paul Adenauer. Er gründete 1954 in Tholey die „Tholeyer Sängerknaben“, sie wurden zum Lieblingschor des Bundeskanzlers und brachten ihm jedes Jahr ein Geburtstagsständchen dar.

www.maria-laach.de

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