1. Saarland

Ausstellung des Projekts Wiesel in St. Wendel

Ausstellung des Projekts Wiesel in St. Wendel

St. Wendel. Auf dem Bild sind zwei Personen zu sehen, die sich voneinander abgewandt haben. "Du hörst mir ja sowieso nicht zu", lautet der Text der dazu gehörenden Sprechblase. Wenige Meter weiter, zeigt eine Bleistiftzeichnung zwei Hände, die einander gereicht werden. "Ich mal die meine Gefühle", nennt sich die Ausstellung, die jetzt im Foyer des St

St. Wendel. Auf dem Bild sind zwei Personen zu sehen, die sich voneinander abgewandt haben. "Du hörst mir ja sowieso nicht zu", lautet der Text der dazu gehörenden Sprechblase. Wenige Meter weiter, zeigt eine Bleistiftzeichnung zwei Hände, die einander gereicht werden."Ich mal die meine Gefühle", nennt sich die Ausstellung, die jetzt im Foyer des St. Wendeler Landratsamtes zu sehen ist. Präsentiert werden Zeichnungen und Gemälde von Kindern suchtkranker Eltern. Entstanden sind die Werke während verschiedener Therapiesitzungen des Caritas-Projektes Wiesel. Mit der Präsentation der Bilder will die Hilfsorganisation die Aufmerksamkeit auf die oft vergessenen Opfer von Suchterkrankungen lenken. "Meist stehen nur jene im Blickfeld, die selbst krank sind. Das Umfeld wird dagegen oft vergessen", argumentiert Landrat Udo Recktenwald (CDU) während der Ausstellungseröffnung. Dabei sei es wichtig, gerade die Kinder nicht zu vergessen. "Wir stehen in der Verantwortung, denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können."

Seit 2010 arbeitet der Landkreis mit der Neunkircher Beratungsstelle "Die Brigg" zusammen. Mehr als 100 Kinder aus den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel seien seitdem betreut worden. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Teils dieser Therapiearbeit. Kreative Beschäftigung soll helfen, sich zu öffnen und Gefühle auszudrücken. "Kindern fällt es nicht leicht, über solche Dinge zu reden", erklärt Sozialpädagogin Janina Wagner.

Rund 2,6 Millionen Jungen und Mädchen sind nach Angaben des Caritasverbandes von einer Suchterkrankung eines oder beider Elternteile betroffen. Jedes siebte Kind lebt zeitweise, jedes zwölfte dauerhaft in einer suchtbelasteten Familie. Die Folge: Viele Opfer leiden unter Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Störungen. Oft das größte Problem: die Mauer des Schweigens. "Man spricht innerhalb der Familie nicht darüber", beklagt Caritas-Geschäftsführer Michael Schütz.

Betroffene dazu zu bewegen, Probleme zu erkennen und Hilfe zu suchen ist deshalb eines der primären Ziele des Projekts. "Die Erlaubnis der Eltern ist dabei für die Kinder besonders wichtig", erläutert Wagner. Im Idealfall werden diese auch in die Therapie einbezogen. Die Eltern sollen lernen, mit den Gefühlen und Bedürfnissen ihrer Kinder umzugehen. Den Kindern wollen die Therapeuten eine vertraute Umgebung zu bieten, in der sie über ihre Probleme sprechen können. Die Gesellschaft von Jungen und Mädchen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, helfe dabei, sich nicht zu schämen. Zufrieden zeigt sich Janina Wagner darüber, dass es während der vergangenen beiden Jahre gelungen sei, das Thema ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. "Wir sind sowohl in Fachkreisen, als auch bei Institutionen bekannter geworden", resümiert die Sozialpädagogin. Inzwischen kämen auch Lehrer oder Mitarbeiter von Familienberatungsstellen schon von selbst auf die Pädagogen zu. Wagner: "Der Erfolg unserer Initiative zeigt sich außerdem daran, dass wir nicht mehr als zeitlich begrenztes Projekt angesehen werden, sondern uns zur festen Institution entwickeln."

Auf einen Blick

Kontakt: Die Brigg, Hüttenbergstraße 42 (Eingang Jakobstraße), 66538 Neunkirchen. E-Mail: diebrigg@caritas-nk.de. Telefon: (0 68 21) 92 09 40. Ansprechpartnerin ist Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin Janina Wagner.

 Den Kindern zu ermöglichen, einmal mit Acrylfarben zu malen, gehört auch zum Programm.
Den Kindern zu ermöglichen, einmal mit Acrylfarben zu malen, gehört auch zum Programm.

In St. Wendel treffen sich betroffene Kinder und Jugendliche zwischen sieben und zwölf Jahren immer montags von 15.30 bis 17 Uhr im Gebäude der Tafel, Kelsweilerstraße 15. Gruppentreffen für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren werden mittwochs zwischen 16 und 17.30 Uhr in der Neunkircher Caritasberatungsstelle angeboten. Hinzu kommen offene Sprechstunden für Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Fachkräfte beraten hier immer am ersten Montag des Monats von 13 bis 14.30 Uhr in der St. Wendeler Caritas-Beratungsstelle in der Domgalerie. vsc